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Immobilien
Ein Puffer gegen die Blase

Patumbah-Park (Bild: Heinz Unger)

Seit wenigen Tagen müssen die Banken ihre Hypotheken mit mehr Eigenkapital hinterlegen. Die Nationalbank will so eine Überhitzung des Marktes verhindern. Der Eingriff ist umstritten.

Von Sven Millischer
am 02.10.2013

Nun tritt der «antizyklische Kapitalpuffer» also in Kraft. Die Banken müssen seit wenigen Tagen Hypothekarkredite zur Finanzierung von Wohnliegenschaften risikogewichtet mit 1 Prozent mehr Eigenkapital unterlegen. Im Frühjahr hatte der Bundesrat einen entsprechenden Antrag der Nationalbank gutgeheissen. Dieser sieht vor, dass die SNB bis zu 2,5 Prozent hartes Kernkapital von den Banken einfordern kann. So sollen die Finanzinstitute Kreditausfälle von Hypothekarschuldnern besser abfedern können.

Die Währungshüter hatten die Massnahmen damit begründet, dass das starke, seit mehreren Jahren beobachtete Wachstum der Kredite und Immobilienpreise zu «Ungleichgewichten am Hypothekar- und Immobilienmarkt für Wohnliegenschaften» geführt hat. Schliesslich ist das Wachstum der Hypothekarkredite weiterhin höher als das Wachstum des Bruttoinlandprodukts. Der Verschuldungsgrad nimmt also zu.

Die SNB sieht darin ein Risiko für die Stabilität des Bankensystems und damit für die Volkswirtschaft als Ganzes. In der Schweiz belaufen sich die ausstehenden Hypothekarkredite mittlerweile auf rekordhohe 650 Milliarden Franken.

Ob der «antizyklische Kapitalpuffer» den überhitzten Immobilienmarkt abzukühlen vermag, darf jedoch bezweifelt werden. Denn bei Lichte betrachtet vermag ein Aufschlag von wenigen Basispunkten die Kauflust kaum zu dämpfen. Zumal unter den Banken ein scharfer Wettbewerb um Hypothekarschuldner herrscht. Ob dies zulasten der Belehnungsqualität geht, ist allerdings unter Experten umstritten.

Der ehemalige SNB-Vizepräsident Niklaus Blattner forderte jüngst in der Sonntagspresse, die bisherige Light-Version von 1 Prozent bereits zu verschärfen: «Es ist durchaus sinnvoll, den Kapitalpuffer auf 2 oder 2,5 Prozent zu erhöhen. Die Banken werden dadurch resistenter gegen Risiken.» Umgekehrt warnen Bankenkreise, die Zügel weiter zu straffen, und verweisen auf die bisherigen Anstrengungen der Finanzinstitute zur Selbstregulierung. «Bevor noch weitere Massnahmen gefordert werden, gilt es jetzt erst einmal, den ­bereits getroffenen Massnahmen genügend Zeit einzuräumen», betont Claude-Alain Margelisch, Chef der Bankiervereinigung.

Es bleibt an der SNB, die Lage am Hypothekenmarkt zu beobachten und bei Bedarf den Kapitalpuffer zu erhöhen. Denn das probate Mittel einer Zinserhöhung ist angesichts der Frankenstärke ausgeschlossen. Allerdings ist zu fragen, weshalb staatliche Wohn­eigentumsanreize wie Pensionskassenvorbezug oder Hypothekarzinsabzug bislang ungetastet blieben.

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