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Marktausblick: Hoffen auf den Superzyklus

BBL Bern Wankdorf: Verwaltungszentrum des Bundes am Guisanplatz 1; 250 bis 300 Millionen Franken Bauinvestitionen.
BBL Bern Wankdorf: Verwaltungszentrum des Bundes am Guisanplatz 1; 250 bis 300 Millionen Franken Bauinvestitionen.

Der Schweizer Immobilienboom ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Daher ist niemand an seinem Ende interessiert. Trotzdem könnte der Abschwung schneller kommen als erwartet.

Von Urs Aeberli
17.10.2012, Aktualisiert am 24.10.2012

Letzten Sommer ist in der Schweiz der achtmillionste Einwohner geboren worden. Oder eingewandert. So genau vermag das die Statistik nicht festzustellen. Trotzdem erscholl von links bis rechts der Ruf nach einer Beschränkung der Einwanderung. Die Sorge um die Zersiedelung der Schweiz schien plötzlich Politiker jeglicher Couleur umzutreiben. Aber die hitzige Debatte war letztlich nichts als eine Sommerposse. Wie ernst der Landschaftsschutz tatsächlich genommen wird, zeigt sich in diesen Herbsttagen. So ist das Referendum gegen das Raumplanungsgesetz komfortabel zustande gekommen. Denn in den Kantonen regt sich Widerstand, weil sie ihre überrissenen Bauzonen am tatsächlichen Bedarf anpassen müssen und bei Einzonungen den Mehrwert abschöpfen sollen.

Niemand ist wirklich am Ende des Immobilienbooms interessiert. So trägt allein die Bauwirtschaft 5,4 Prozent zum Schweizer Bruttoinlandprodukt (BIP) bei. Zählt man Vorleistungen wie Baustoffe und -ausstattungen hinzu, so erreichen die Bauausgaben 10 Prozent des BIP – Tendenz steigend angesichts höherer Energiestandards und Cleantech-Investitionen. Weitere 0,8 Prozent steuern Immobilienverwalter und ­Immobilienmakler bei. Und auch ein schöner Teil jener 6,2 Prozent des BIP, die von den Banken stammen, hängt am Liegenschaftenmarkt. Die Banken dürften also stark von Wunschszenarien inspiriert sein, wenn sie die Fortsetzung des Immobilienbooms prognostizieren. Credit Suisse beispielsweise schwärmt, der Schweizer Wohnmarkt befinde sich in einem «Superzyklus», der sich teil­weise selber speise. Denn die Zuwanderung, die für 80 Prozent des Schweizer Bevölkerungswachstums verantwortlich sei, kurble die Wirtschaft an, und das schaffe noch mehr Jobs für Zuwanderer. Folglich steige die Nachfrage nach Wohnraum weiter – ebenso die Preise.

Doch Märkte sind nie eine Einbahnstrasse nach oben. Ein Schlagwort wie «Superzyklus» ist Ausdruck einer überzogenen Euphorie und mahnt zur ­Vorsicht. Spätestens 2014 könnten die ­Immobilienmärkte nach unten drehen, warnt Ernst Schaufelberger. Der Axa-Immobilienexperte sieht als Grund wieder steigende Zinsen. Vielleicht kommt die Wende auch schon früher, beschleunigt durch die im Juli 2012 verschärften Richtlinien zur Hypothekarvergabe.

Darauf deutet der vom Immobilienportal ImmoScout24 und von der Immobilienberatungsfirma IAZI berechnete Index, der laufend Online-Inserate auswertet. Demzufolge sind die Preise für Einfamilienhäuser und Eigentumswohnungen seit letztem Sommer leicht rückläufig. Just zur Geburt des achtmillionsten Schweizer Einwohners.

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