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Einbruch
Nach Flucht von Ausländern wird Moskau billig

Stadtzentrum von Moskau: Mieten an besten Lagen gehen runter.   Bloomberg

Die russische Wirtschaft leidet unter den Sanktionen des Westens. Doch der Abzug der ausländischen Manager hat auch sein Gutes. Die Mieten an den angesagten Wohnlagen brachen um 40 Prozent ein.

Veröffentlicht am 17.05.2015

Während die russische Wirtschaft schrumpft, lebt Rohstoff-Berater Alexander Proswirjakow so luxuriös wie nie zuvor. Proswirjakow, der für einen der vier grossen Buchprüfer arbeitet, hatte im April ein Schnäppchen mit einer Wohnung in der Nähe des Moskauer Puschkin-Platzes gemacht. Er zahle für das 120 Quadratmeter grosse Apartment nur etwa halb so viel wie das, was 2014 verlangt worden sei.

«Als Single habe ich anfangs nicht mal einen Gedanken an eine solch grosse Wohnung verschwendet», sagt der 34-Jährige. «Doch als ich begann, mich auf dem Markt umzusehen, stellte ich fest, dass es eine neue Realität gibt. Und ich dachte mir, warum nicht auf grossem Fuss leben.»

Kein Ersatz für ausländische Manager

Die Mieten in Moskaus begehrtesten Stadtteilen brechen regelrecht ein, nachdem viele Manager amerikanischer und europäischer Unternehmen weggezogen sind. Ausländische Firmen senken die Kosten angesichts schrumpfender Gewinne - ausgelöst durch den Rückgang der Ölpreise und die Sanktionen des Westens wegen der Krim-Krise.

«Wir haben beobachtet, wie sich einige Branchen, die sonst Top-Wohnungen verlangten, aus Russland zurückziehen. Das gilt etwa für den Öl- und Gassektor. Bisher gibt es keinen Ersatz», berichtet Elena Kulikova, Chefin des Maklers Intermark Savills für Moskau. «Positiv ist jedoch, dass es eine grossartige Zeit für Wohnungssuchende ist.»

Westler streichen Jobs

Schlumberger Ltd., der grösste Ölfeld-Dienstleister, hatte im vergangenen Jahr alle Mitarbeiter, die EU- oder US- Staatsbürger sind, wegen der Sanktionen aus Russland abgezogen. Das erfuhr die Agentur Bloomberg aus informierten Kreisen. Ein Sprecher wollte keinen Kommentar abgeben.

Erst im März legte General Motors Co. ein Werk in St. Petersburg still und stoppte den Verkauf der Marke Opel und der meisten Chevrolet-Modelle. Die französische Grossbank Societe Generale SA, die in diesem Jahr einen Verlust von bis zu 300 Millionen Euro in ihrer russischen Sparte erwartet, will nach dem Arbeitsplatz-Abbau im ersten Quartal nun noch einmal 1000 Jobs streichen.

«Von Anbeginn überteuert»

Der Rückzug der Ausländer aus den teuren Stadtteilen, die von ihnen bevorzugt werden, hat die Preise dort über die vergangenen zwölf Monate im Durchschnitt um rund 40 Prozent fallen lassen, gemessen in Dollar. Das erklärt David Gilmartin, Besitzer von Troika Relocations. Die Firma hilft Ausländern bei der Wohnungssuche. «Der Mietmarkt ist gleich doppelt unter Druck geraten», berichtet Gilmartin. «Er war sowieso schon von Anbeginn überteuert. Und die Anzahl der Leute, die auf der Suche sind, ist dramatisch gefallen.»

«Es wird mindestens ein bis drei Jahre dauern, bevor die meisten Auslands-Manager zurückkehren», glaubt Nick Rees, der bis vor kurzem Landes-Chef bei dem Personalberater SThree war. «Falls die Sanktionen im Juli fallen, dann werden Ölfirmen vielleicht einige Ausländer zurückbringen, um an technologisch herausfordernden Projekten zu arbeiten. Aber in anderen Sektoren wird es viel länger dauern.»

«Elephant in the room»

Proswirjakow, der Berater mit dem Wohnungs-Schnäppchen am Puschkin-Platz, hat in seinem Apartment Fenster, die vom Boden bis zur Decke reichen. Zudem hängt das Bild eines Elefanten an der Wand - eine Art Metapher Symbol für seine aktuelle Situation in der russischen Hauptstadt. Im Englischen steht die Redewendung «Elephant in the room» (was so viel bedeutet wie «Elefant im Zimmer») für eine offensichtliche Wahrheit, die entweder ignoriert wird oder über die nicht gesprochen wird.

«Einige Leute wollen nicht über den Elefanten im Zimmer sprechen», sagt Proswirjakow mit Blick darauf, dass einige Russen vom wirtschaftlichen Abschwung des Landes profitieren. «Offensichtlich belasten die wirtschaftlichen Probleme Russlands jedermann. Wie dem auch sei, ich liebe mein neues Zuhause.»

(bloomberg/gku)

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