40 Prozent des Energiekonsums entfallen in der Schweiz auf Immobilien und damit auch ein erheblicher Teil der CO2-Emissionen. Umweltaspekte haben deshalb im Immobiliensektor einen immer höheren Stellenwert. Zumal Investitionen in Neubauten oder Renovationen auf lange Frist erfolgen und entsprechende Auswirkungen haben.

Eine nachhaltige Bauweise wird schon seit Jahren durch entsprechende Labels gefördert. Mit «Breeam» wurde 1990 in England ein erstes solches Zertifikat geschaffen. In Deutschland heisst das Pendant «Gütesiegel für nachhaltiges Bauen». «Leed» lautet die Bezeichnung in den Vereinigten Staaten. Weltweit bestehen inzwischen in 20 Ländern solche Labels. In der Schweiz sind drei verschiedene Normen zu unterscheiden. Am bekanntesten dürfte die Zertifizierung nach Minergiestandards sein. Seit August 2009 ist ausserdem der Gebäudeenergieausweis der Kantone («Geak») erhältlich, der sich auf die energetischen Aspekte bei Immobilien konzentriert. Darüber hinaus beschäftigt sich auch die Empfehlung 112/1 des SIA mit der Nachhaltigkeit. Den Durchblick drohen selbst Fachleute zu verlieren.

Zudem stellt sich die Frage, ob solche Auszeichnungen auch finanziell lohnenswert sind. Erste wissenschaftliche Ergebnisse für die Schweiz fallen durchzogen aus. Am präzisesten lassen sich die Auswirkungen beim Neubau von Einfamilienhäusern beziffern. Mit dem Minergielabel resultiert ein rund fünf Prozent höherer Marktwert. Die Mehrkosten bei umweltschonenden Investitionen sind somit in Regionen mit überdurchschnittlich hohen Immobilienpreisen besonders lohnenswert.

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Anders präsentiert sich die Situation bei Eigentumswohnungen. In diesem Segment lassen sich – wenn überhaupt – nur geringfügige Wertsteigerungen nachweisen. Und nochmals anders sieht es bei Mietwohnungen aus. Jene, die den Minergiestandard erfüllen, erzielen zwar höhere Nettomieten. Ob und in welchem Ausmass aber auch der Marktwert des Mehrfamilienhauses zunimmt, ist ungeklärt. Ebenso die Auswirkungen bei Renovationen. Hier besteht noch Forschungsbedarf.

Marketing- und Kommunikationsaspekten oder ideellen Argumenten ist bei Entscheiden zu Umweltinvestitionen deshalb ebenso Rechnung zu tragen wie Überlegungen zur Rendite.