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Eigenheim
Neue Hypothekenvergabe: Hauskäufer aufgepasst!

Hausbau in der Schweiz: Künftig gelten schärfere Hypothekenrichtlinien. Keystone

Die Schweizer Banken verschärfen die Vergabe von Immobilienkrediten. Handelszeitung.ch zeigt, was anders wird, wen die Neuerungen treffen und ob die Massnahmen den Boom am Häusermarkt abschwächen.

Von Mathias Ohanian
am 25.06.2014

Schlechte Nachrichten für alle Schweizerinnen und Schweizer, die sich ihren Traum von einem Eigenheim erfüllen möchten. Die eidgenössischen Banken treten ab Anfang September bei der Vergabe von Hypotheken auf die Bremse – einmal mehr. Vor ziemlich genau zwei Jahren setzte die letzte Selbstregulierung ein. Seitdem müssen Hypothekarschuldner mehr sogenanntes hartes Eigenkapital vorweisen – mindestens zehn Prozent  des Belehnungswertes.

Was jetzt anders wird, wen die Neuerungen betreffen und ob diese helfen, den überhitzten Immobilienmarkt abzukühlen, hat handelszeitung.ch untersucht:

Was ändert sich künftig?
Bis zwei Drittel des Darlehens finanziert heute der Kreditgeber – das ist die sogenannte erste Hypothek. Der Kredit, der darüber hinaus geht, wird zweite Hypothek genannt. Diese muss der Schuldner künftig schneller zurückzahlen. Statt 20 Jahre hat er künftig nur noch 15 Jahre Zeit, die Höhe der Hypothek auf zwei Drittel zu senken. Neu ist auch: Der Kredit muss linear, also regelmässig, abbezahlt (amortisiert) werden.

Welche Konsequenzen hat das für Kreditnehmer?
Eine Karenzzeit zu Beginn der Kreditphase, die bislang von vielen Hausbauern genutzt wurde, gibt es künftig nicht mehr. Wegen der Verkürzung der sogenannten Amortisationsdauer müssen Schulden schneller beglichen werden. Damit steigt die jährliche Rückzahlungshöhe automatisch. Das beeinflusst die Tragbarkeit: Immobilienkäufer müssen mehr verdienen, um diese Richtlinien der Tragbarkeit einhalten zu können. Bei einem Kaufpreis von einer Million Franken bei Belehnung von 80 Prozent muss das Einkommen knapp 7000 Franken höher sein als heute.

Für wen gelten die neuen Richtlinien?
Die Änderungen der Schweizerischen Bankiervereinigung betreffen nur neu abgeschlossene Hypotheken. Für bestehende Verträge ändert sich nichts. Weil künftig sofort mit der Rückzahlung begonnen werden muss, dürfte das voraussichtlich vor allem jüngere Immobilienkäufer ohne grössere Vermögen abschrecken.

Ab wann treten die Änderungen in Kraft?
Die Finanzmarktaufsicht (Finma) muss die Änderungen noch genehmigen. Fachleute rechnen damit, dass dies bereits in der ersten Julihälfte geschieht. Dann kann es schnell gehen. Nach Inkrafttreten entfalten die neuen Regelungen womöglich noch in diesem Jahr ihre Wirkung.

Taugen die Massnahmen dazu, den überhitzten Immobilienmarkt abzukühlen?
Die Massnahmen setzen direkt bei Hauskäufern an, ohne dass Kreditnehmer oder Kreditgeber zusätzliche Kosten entstehen – und sie beschränken sich auf neue Hypotheken. Damit sind sie zielgerichtet und führen nicht zu Verzerrungen. Weil die Tragbarkeitsrechnung indirekt verschärft wird, schränkt das den Kreis der potenziellen Hauskäufer etwas ein. Deshalb trägt die Massnahme dazu bei, die Lage am Immobilienmarkt zu entspannen.

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