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Freilager Zürich
Neues Quartier in der Limmatstadt

Einbau der Küche. (Bild: Heinz Unger)

In Albisrieden entsteht bis 2016 für eine halbe Milliarde Franken eine Überbauung mit 800 Mietwohnungen.

Von Jean-Claude Maissen
am 02.10.2013

Auf dem 70 500 Quadratmeter gros­sen Areal in Zürich-Albisrieden realisiert die Zürcher Freilager AG bis 2016 eine der grössten und spannendsten Überbauungen in der Stadt Zürich. Das Projekt Freilager Zürich sieht rund 800 Mietwohnungen und 200 Zimmer für studentisches Wohnen vor. Auf dem Areal hat es auch Platz für Geschäfte, kleinere Gewerbebetriebe, Kinderbetreuung und gastronomische Angebote. Das Anlagevolumen beträgt rund 500 Millionen Franken (inklusive Land).

1925 erwarb die Zürcher Freilager AG das Areal in Zürich-Albisrieden, um da­rauf Lagerflächen zur Zwischenlagerung für unverzollte Güter zu errichten. Zwei parallele Blöcke von 135 Metern Länge und 24 Metern Breite sowie ein Schuppen zur Einlagerung von Automobilen wurden erstellt. Der Freilagerstatus hielt sich − in modifizierten Formen und auf reduzierten Flächen − bis am Freitag, 29. Juni 2012. An jenem Stichtag mussten alle Mieter ihre Waren verzollt oder in ein anderes Zollfreilager verlagert haben. Das Areal hatte als Zollfreilager definitiv ausgedient und ist heute Schauplatz eines völlig neuen Kapitels. Unter demselben Namen, Freilager Zürich, entsteht ein neues Quartier, in dem ab 2016 rund 3000 Menschen wohnen und arbeiten werden.

Den Weg zu diesem Grossprojekt hatte die von der Stimmbevölkerung eindeutig angenommene Umzonung im Jahr 2008 geebnet. Auf der Grundlage des städtebaulichen Leitbilds entstand der private Gestaltungsplan Freilager Albisrieden, welcher 2010 vom Stadtrat und von der kantonalen Baudirektion genehmigt und vom Stadtrat in Kraft gesetzt wurde. Die Baubewilligung wurde Ende August 2012 rechtskräftig. Das Areal ist in Teilgebiete und Baufelder unterteilt, für die verschiedene Architektenteams zuständig sind. Während zehn Objekte neu gebaut werden, bleiben die beiden parallelen Blöcke aus den 1920er-Jahren bestehen. Sie werden aufgestockt und als Lofts neu genutzt. Das Bestandesobjekt Block 7 bleibt weitgehend unverändert.

Die heute als Immobiliengesellschaft operierende Zürcher Freilager AG investiert insgesamt 500 Millionen Franken in den Bau von rund 800 Mietwohnungen, knapp 200 Zimmern für studentisches Wohnen sowie etwa 7200 Quadratmetern Verkaufs-, Gewerbe- und Büroflächen. Das Wohnungsangebot zeichnet sich durch eine hohe architektonische Qualität sowie eine Vielfalt an Typologien, Grundrissen und Materialisierungen aus. Die Wohnungen verfügen über 2½ bis 5½ Zimmer. Das neue Quartier wird eine gute Durchmischung und eine hohe Durchlässigkeit für die Menschen in der Nachbarschaft aufweisen.

Bei der Planung und Realisierung der Überbauung hat die Zürcher Freilager AG von Anfang an höchsten Wert auf eine konsequente Nachhaltigkeit gelegt. Sie lässt sich wie folgt umschreiben:

  • Rund ein Drittel der gesamten – bisher vollkommen zubetonierten – Arealfläche wird zur offenen Fläche, die als Spiel- und Ruheplätze, Parks und Gärten genutzt wird. Das Regenwasser wird in etwa auf der Hälfte des Areals, anders als bisher, natürlich versickern können. Circa die Hälfte des Dachwassers wird in einem gros­sen Regenwasserbecken aufgefangen und zur Grünflächenbewässerung wiederverwendet.
  • Die Vielfalt an Tieren und Pflanzen (Biodiversität) wird unter anderem durch Dach- und Mauerbegrünungen sowie die Verwendung von speziellen Samen­mischungen aus einheimischen Wild­gräsern gefördert. Auch soll ein Heckenkabinett Nestbau- und Unterschlupfmöglichkeiten für Vögel bieten. Im Weiteren sind Insektenhotels sowie Nistkästen für Mauersegler vorgesehen.
  • Für die Energieversorgung wird ein Erdsondenfeld erstellt. 205 Sonden werden rund 220 Meter in den Boden gebohrt. Im Sommer wird mittels dieser Sonden Wärme im Erdreich gespeichert. Diese Wärmespeicher reichen aus, um die ­gesamte Siedlung den ganzen Winter zu beheizen und zusätzlich genügend Warmwasser bereitzustellen. Die Baumateria­lien sind möglichst ökologisch. So entstehen drei Wohnhäuser als Holzbauten. Alle Gebäude werden im Minergie-Eco- oder Minergie-P-Eco-Standard erstellt.
  • Das Abbruch- und Aushubmaterial von über 182 000 Tonnen wird mit Bahnwagen statt mit Lastwagen in die Deponie abtransportiert. Dadurch können zweimal 60 bis 70 Lastwagenfahrten pro Tag und der Ausstoss von 460 Tonnen CO2 vermieden werden.
  • Das ganze Areal ist autofrei und gut an die öffent­lichen Verkehrsmittel angebunden. Eine Bus- oder Tramfahrt ins Stadtzentrum dauert nur gerade 20 Minuten. Schulen, Einkaufszentren und zahlreiche Dienstleister können zu Fuss oder mit dem Velo in wenigen Minuten erreicht werden. Gleichwohl wird das Auto nicht verbannt. Unterirdisch entstehen 655 Parkplätze und mehrere Stromtankstellen für Elek­trofahrzeuge.

Am 6. Mai 2013 erfolgte unter der Leitung der beauftragten Allreal General­unternehmung AG der Baustart mit den Aushubarbeiten und dem Abbruch der bestehenden Gebäude. Bis Ende Jahr sind die Infrastrukturarbeiten im Gang. Anfang 2014 beginnen die Bauarbeiten. Parallel dazu bereitet die Intercity Zürich AG, Zürich, die Vermarktung der Wohnungen ab Anfang 2015 vor. Der Bezug wird schrittweise stattfinden: Im April 2016 das Teilgebiet D, im Oktober 2016 das Teilgebiet A und ab Dezember 2016 das Teilgebiet C.

Jean-Claude Maissen, dipl. Architekt HTL/ETH, seit 1. Januar 2013 CEO, ­Zürcher Freilager AG, Zürich.

Bewegte Geschichte

Lagerflächen
Die Zürcher Freilager AG, Zürich, ist eine auf Immobilienanlagen und -entwicklungen spezialisierte Gesellschaft. Ihr Portfolio besteht aus dem Freilager Zürich in Zürich-Albisrieden, dem Embraport in Embrach ZH und einer Logistikliegenschaft in Münchenstein BL. An der Zürcher Freilager AG sind die AXA Leben AG, Winterthur, als Mehrheitsaktionär und weitere rund 190 Aktionäre beteiligt. Die Aktie ist als nichtkotierter Nebenwert im KMU-Index der ZKB vertreten. Gegründet wurde die Zürcher Freilager AG am 23. Juli 1923 auf Veranlassung der ­Zürcher Handelskammer. Sie stellt ­Lagerflächen für die sogenannte Zollniederlage (Zwischenlagerung für unverzollte Güter) zur Verfügung. Da es für Autoimporteure einträglicher ist, ihre Autos im Zollfreilager einzulagern, beschliesst der Verwaltungsrat 1942 den Bau einer Autolagerhalle, welche Platz für bis zu 350 Autos bietet.

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