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Flughafen Zürich
Weiteres Tor zur Welt

Opfikon ZH: In der Zürcher Vorortsgemeinde, nahe dem Flughafen Kloten, kostet der Quadratmeter 1500 Franken.
Opfikon ZH: In der Zürcher Vorortsgemeinde, nahe dem Flughafen Kloten, kostet der Quadratmeter 1500 Franken.

Die Nähe zum Airport wird für globale Firmen immer mehr zum Standortfaktor. Dem Umstand trägt das Immobilienprojekt «The Circle» Rechnung.

Von Pirmin Schilliger
12.06.2013, Aktualisiert am 17.06.2013

Mit «The Circle» wird sich der Flughafen Zürich von einer Verkehrsdrehscheibe und einem rein kommerziellen Zentrum zu einer ­eigenen Destination entwickeln», erklärt André Lendi, Projektmanager der Flug­hafen Zürich AG. Geplant ist bei diesem Hochbauprojekt ein Komplex aus sieben miteinander verbundenen Baukörpern, direkt gegenüber den Terminals des Airports. Das zur Überbauung vorgesehene Grundstück liegt am nordwestlichen Fuss des Hügels Butzenbüel, der gegenwärtig noch eine grüne Oase mitten im Geflecht der Strassen bildet. Das Dienstleistungs­zentrum ist auf eine durchmischte Nutzung ausgerichtet: ­Büros für die Niederlas­sungen von internationalen Unternehmen, Lokalitäten für verschiedene Dienstleistungsbetriebe und Restaurants sowie zwei Hotels mit Kongress- und Eventräumen. Der mehrstöckige Komplex mit rund 200000 Quadratmetern Nutzungsfläche basiert auf ­einem Entwurf des Japaners ­Riken Yamamoto. Er ist aus dem dreistufigen Architekturwettbewerb mit über 90 Bewerbungen im Jahre 2010 als Sieger hervorgegangen. Der Architekt bezieht sich formal stark auf die bereits bestehenden Grossformen des Flughafens.

Kleinstädtisches Flair

Im Innern soll «The Circle» das Erlebnis einer Kleinstadt mit Plätzen, Strassen und Gassen vermitteln, die sich durchs Erdgeschoss schlängeln. Internationale Top-Marken sollen hier – so das innova­tive Konzept – sowohl in Showrooms als auch in Verkaufsboutiquen einem welt­gewandten Publikum präsentiert werden. Und zwar in bester Passantenlage, bedenkt man die rund 25 Millionen Reisenden, die den Airport pro Jahr frequentieren. In den oberen, flexibel nutzbaren Stockwerken wird eine grossstädtische Business- und Bürolandschaft vorherrschen. Ein gläsernes Dach wird den freien Blick auf den Himmel und in die weite Welt öffnen. Gebaut wird möglichst energieeffizient nach Minergie-Standard. Aus­serdem strebt die Bauherrschaft die internationale LEED-Zertifizierung an.

Ein weiterer Ankermieter

«Der im Zentrum einer äusserst dynamischen Wirtschaftsregion gelegene Flughafen Zürich ist der am besten erschlossene Punkt der Schweiz», betont Lendi. Diese Standortgunst ist unbestritten, und seit April 2012 liegt die Baubewilligung für den Komplex und die Parkplätze vor. Gegenwärtig arbeitet das um die S+B Bau­management AG und die Grunder AG herum gebil­dete Generalplanerteam Under Construction AG am Vorprojekt, das demnächst abgeschlossen wird. Mit der Realisierung soll gestartet werden, wenn die Beteiligungs- und Finanzierungsstrukturen festgelegt sind. Im Klartext: Die Flughafen Zürich AG, die als Landbesitzerin «The Circle» bisher in Eigenregie entwickelt hat, befindet sich im Moment auf der Suche nach Mitinvestoren. Für die Finanzierung des Projektes soll eine eigene Firma gegründet werden. «Wir sind optimistisch, dass wir bald weitere Investoren mit an Bord holen können», so Lendi. ­Gebaut wird letztlich aber erst, wenn für mindestens rund die Hälfte der Nutzungsfläche Mieter gefunden sind. Im Moment sind erst 45000 Quadratmeter an die Hotelkette Hyatt vergeben, die mit dem Hyatt Regency und dem Hyatt Place zwei Häuser mit insgesamt 550 Zimmern und einen Kongressbereich mit 1500 Plätzen plant.

Mindestens einen grossen Ankermieter im Bürobereich möchten die Investoren vor Baubeginn noch an der Angel haben. Die Hoffnungen bei der Mietersuche beruhen nicht zuletzt auf dem inno­vativen Konzept. Zum Angebot im «The ­Circle» wird auch ein Gesundheits- und Schönheitszentrum samt ambulanter Klinik zählen. Aufgrund der Konjunkturflaute in verschiedenen europäischen Ländern verläuft zwar im Moment die Suche nach Ankermietern eher etwas harzig. Aber nach wie vor liegen die Initianten ­­im ­Zeit­plan. Der Spatenstich soll 2014 er­folgen.

«The Circle» ist zweifellos ein imposantes Vorhaben. Es ist aber nicht das einzige Grossprojekt in der Flughafenregion. In unmittelbarer Nähe plant die Priora Group auf mehreren hunderttausend Quadratmetern einen ganzen Stadtteil: Der «First District» wird sich über die Gemeinden Kloten und Opfikon ausdehnen. Im Laufe der nächsten 10 bis 20 Jahre soll darauf eine «Global Business Area» entstehen, also ein Arbeits-, Dienstleistungs- und Gewerbegebiet, ergänzt mit Hotels, Restaurants, Gesundheits- und Freizeitanlagen. Ab 2014 möchte man laut Priora-Sprecherin Claudia Aepli mit dem Bau erster Objekte im Rahmen dieses Milliardenprojektes beginnen.

Masterplan zur Abstimmung

Gegenwärtig wird für die Airport-­­Re­gion zwischen Zürich-Seebach und dem Flughafen in Kloten unter Leitung des Zürcher Kantonalen Amts für Raumentwicklung ein übergeordneter Masterplan ­erarbeitet. Die durch «The Circle», «First District» und – weiteres Grossprojekt – den Multifunktionskomplex Bäuler/Cher in Rümlang ausgelöste bauliche Entwicklung soll auf die Verkehrsinfrastrukturen abgestimmt werden. Überdies wollen die Beteiligten über die Gemeindegrenzen hinaus eine Strategie für die internationale Positionierung der Airport-Region entwickeln und ihr eine stärkere städtebauliche Identität verleihen. «The Circle» ist also ein Element im Puzzle eines urbanen Ansatzes, der in den nächsten Jahren in der weiteren Flughafenregion des Glatttales umgesetzt werden soll. Verschiedene weitere Grossprojekte befinden sich denn auch bereits in der Realisierungsphase. Zu erwähnen sind der «Glattpark» in Opfikon für 7000 Bewohner und mit ebenso vielen Arbeitsplätzen, das Richti-Areal (1200 Bewohner, 3000 Arbeitsplätze) und das Zwicky-Areal in Wallisellen sowie ­verschiedene Hochhäuser entlang der Glatttalbahn. Es sind Projekte, bei denen ­jeweils ganze Quartiere aus dem Boden gestampft bzw. grosse Industriebrachen überbaut werden.

Die dynamische Entwicklung müsste eigentlich den Klotener Gemeindepräsidenten René Huber freuen. Allein in seiner Gemeinde werden mehrere tausend neue Arbeitsplätze entstehen. Allerdings zählt Kloten jetzt schon mehr Arbeitsplätze als Einwohner. Potenzial etwa für weitere Wohnungen bieten nur noch die um­liegenden Gemeinden an. Angesichts der Pendlerströme, die weiter wachsen werden, ist für Huber klar: «Mit Projekten wie ‹The Circle› oder ‹First District› zielen wir auf Qualität und nicht auf Quantität.» In ­Bezug auf den Verkehr hofft Huber auf Entlastung durch die unterirdische Glatttalautobahn und die Verlängerung der Glatttalbahn in Richtung Bassersdorf.

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