1. Home
  2. Invest
  3. Wiederbelebung als Kernaufgabe

Shoppingcenter
Wiederbelebung als Kernaufgabe

Einkaufszenter Westside.
Einkaufszenter Westside. Bild: Keystone

Wie mit Revitalisierung im gesättigten Schweizer Einkaufscenter-Markt der Verdrängungskampf gewonnen werden kann.

Von Thomas Stiefel
01.10.2014, Aktualisiert am 10.10.2014

Der Detailhandel unterliegt einem dynamischen Wandel, getrieben unter anderem vom veränderten Einkaufsverhalten über Online-Kanäle. Shoppingcenter verändern sich aufgrund von langen Amortisationszeiten nur langsam. Resultat: Das Angebot des Einkaufserlebnisses von On- und Offline klafft auseinander, Shoppingcenter geraten im digitalen Bereich in Rückstand.

Zur Revitalisierung liegt deshalb eine integrale Zusammenführung von stationärem Handel mit dem Handel via Internet auf der Hand. Über alle Altersgruppen hinweg werden heute beide Kanäle simultan und mobil genutzt. Für Betreiber von Shoppingcentern bedeutet das, dass auch bei der Gestaltung des Retailerlebnisses beide Kanäle zusammengeführt werden müssen. Die technischen Strukturen zur Vernetzung beider Welten müssen aber erst noch geschaffen werden. Der mobilen Technologie kommt eine hohe Bedeutung zu. Das Smartphone wird zur künftigen «Schaltzentrale» von immer mehr Kon­sumenten. Als Touch-Point zum Kunden ergeben sich Opportunitäten mit Anwendungen wie Apps, kostenlosen Hotspots, Indoor-Navigationen oder Multimedia-Infostellen.

Sicherheit und Freizeit

Konsumenten im Seniorenalter, sogenannte Silver Shopper, werden aufgrund der demografischen Veränderung unserer Gesellschaft eine immer wichtigere Zielgruppe für Shoppingcenter. Alle Besucher, speziell aber Silver Shopper, fühlen sich wohl, wenn sie sich sicher fühlen. Multifunktionale Leitsysteme vom und zum öffentlichen Verkehr, im Parkhaus und in den Mall-Bereichen, helle und breite Wege oder eine Sicht nach draussen sind die Kriterien, die den Erfolg von Sicherheitssystemen ausmachen. Sonderbehandlungen von Silver Shoppern, Frauen und Familien müssen in Zukunft vermehrt zum Standardangebot gehören.

Shopping hat sich längst als Freizeitbeschäftigung etabliert. Der Handel legt dadurch zunehmend Gewicht auf das Schaffen von sozialen und emotionalen Erlebnissen. Einkaufscenter werden aufgrund dieser sozialen und emotionalen Bedeutung zu sogenannten «third places». Dritte Orte sind öffentliche Räume, die im Zuge der Modernisierung zum persönlichen Lebensraum werden, der weit über den Konsum hinausreicht.

Shoppingcenter sind vermehrt zu solchen Dritten Orten gewachsen. Als Orte zum Verbringen der Freizeit müssen sie deshalb ein ähnliches Ambiente ent­wickeln wie ein Quartier mit den für dieses Quartier typischen lokalen Zügen. Bei den Schweizer Shoppingcentern besteht noch ein erhebliches Entwicklungspotenzial, sie müssen deutlich umdenken.

Konzeptionelle Anpassung nötig

Der Revitalisierungsdruck wird in den nächsten Jahren die Center in Kleinstädten wesentlich stärker in Bedrängnis bringen als Center in Grossstädten.

Für den Grossteil der Shoppingcenter in der Schweiz besteht ein Renovationsrückstau respektive die Notwendigkeit zur konzeptionellen Anpassung. Besonders im Bereich der Architektur und Gestaltung dieser Center besteht ein erhebliches Entwicklungspotenzial, um auf das zukünftig erwartete Einkaufsverhalten der Kunden besser vorbereitet zu sein. Besonders im Bereich Multichannel und im Speziellen der Synchronisation der Online- und Offline-Welten besteht ein grosser Nachholbedarf. Shoppingcenter sind nur dann zukunftsfähig, wenn sie den Einsatz solcher Technologien zur Steigerung des Einkaufserlebnisses erheblich vorantreiben.

Allzu häufig scheitern sie aber noch an der Haltung von Investoren, die ihre Investitionen möglichst gering halten möchten. Damit laufen sie Gefahr, dass in den Folgejahren hohe Kosten für Revitalisierungen oder Umnutzungen auf sie zukommen. Dauerhaftigkeit ist bei Investoren zwar ein grosses Thema, gleichzeitig verhindern sie oft entsprechend ausgerichtete Umbauten. Den Investoren ist oft nicht bewusst, dass man Anpassungen an Umweltveränderungen mit intelligenten, zukunftsgerichteten Architektur- und Gestaltungsinfrastrukturen oft schnell, kostengünstig und zielgerichtet bewerkstelligen kann. Infrastrukturen lassen sich auch ohne grossen Aufwand dauerhaft und dem Zeitgeist folgend erneuern. Dadurch wird ein Shoppingcenter Bestandteil einer Gesamtentwicklung und erzielt langfristig die gewünschte Akzeptanz.

Thomas Stiefel, Geschäftsführer, Retailpartners AG, Wetzikon.Studie: Die Zukunft der Schweizer Shopping Center. Architektur und Gestaltung im Spiegel der Mega­trends Multi-Channel, Silver Shopper und Third Place.

Studie kostenlos downloaden unter: www.retailpartners.ch

Anzeige