Im Juni hat die Schweizer Nationalbank den jährlichen Bericht zur Finanzstabilität publiziert. Spätestens dann wurde der Öffentlichkeit klar, dass der Schweizer Immo­bilienmarkt Symptome einer Überhitzung zeigt.

Die nominalen Preise von Eigentumswohnungen in der Schweiz sind zwischen dem ersten Quartal 2000 und dem zweiten Quartal 2010 im Schnitt um rund 50 Prozent gestiegen. Bei Einfamilienhäusern ist eine Zunahme von gut 30 Prozent zu verzeichnen. Auffällig ist, dass die Preise für Wohneigentum im gehobenen Segment überdurchschnittlich und im einfachen Segment unterdurchschnittlich zugelegt haben. Auch Mehrfamilienhäuser sind in der Gunst der privaten wie institutionellen Inves­toren weiter gestiegen. Festzuhalten bleibt, dass die ­Diskussionen über eine Preisblase im hiesigen Markt ­lediglich den Bereich Wohn­eigentum betreffen.

Für die jüngsten Entwicklungen auf dem Schweizer Immobilienmarkt gibt es aber rationale Gründe. Fünf Faktoren spielen eine wichtige Rolle: Erstens kommen die geburtenstarken Jahrgänge in die Phase, in der sie Familien gründen und Wohneigentum kaufen wollen. Zweitens steigen die realen Einkommen. Drittens ist, aus Mangel an attraktiven Anlagealternativen, eine Flucht in Realwerte festzustellen. Der vierte Faktor ist die Inkraftsetzung der ­bilateralen Abkommen zwischen der Schweiz und der EU im Jahr 2004. Und der fünfte Grund sind die ­historisch tiefen Hypothekarzinsen: Diese sind freilich nur einer der Faktoren, welche die Nachfrage nach Wohneigentum treiben. Ein anderer ist die Zuwanderung von internationalen Arbeitskräften. Steigen die Zinsen, hat dies also nicht zwingend sinkende Immobilienpreise zur Folge.

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Wer heute Wohneigentum erwerben will, muss vor allem zwei Aspekte beachten: Zum einen sollte, wer seine Traumliegenschaft gefunden hat, nicht wegen der Markt­situation vor einem Kauf ­zurückschrecken. Denn eine passende Immobilie lässt sich nicht leicht finden. Zum ­andern empfiehlt es sich, bei der Finanzierung langfristig und nüchtern zu kalkulieren. Dass die Zinsen wieder steigen, ist nämlich so sicher wie das Amen in der Kirche. ­Offen sind nur der Zeitpunkt und das Ausmass des Anstieges. Immobilien sind von ­ihrem Charakter her langfristige Anlagen, daher sollte auch die Finanzierung langfristig und solide sein. Wo das Interesse an Wohneigentum, sei es in Form einer Erst- oder Zweitwohnung, ausschliesslich mit tiefen Zinsen begründet wird, fehlt die innere Logik für ein entsprechendes Engagement.