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Zweitwohnsitze: Lifestyle ist entscheidend

Richti-Areal Wallisellen
Richti-Areal Wallisellen

Genf zählt bei den Superreichen zu den Top Ten für Zweitwohnsitze. ­Zürich ist weit weniger beliebt.

Von Urs Aeberli
17.10.2012, Aktualisiert am 24.10.2012

Es ist paradox. Das globale Wirtschaftswachstum und die Schaffung von Reichtum konzentrieren sich auf die Emerging Markets. Doch obwohl die «Alte Welt» in Nordamerika und Europa in Arbeitslosigkeit und Schuldenmisere zu versinken droht, sind es genau diese Immobilienmärkte, in die sich der neue Reichtum ergiesst. So sind London und New York weiterhin weltweit die ­beliebtesten Prime-Immobilienstandorte für die Superreichen. Das ergab der «Wealth Report 2012». Citi Private Bank und der Immobilienberater Knight Frank befragten dafür weltweit High Net Worth Individuals, kurz HNWI, also Personen mit mindestens 25 Millionen Dollar an ­investierbaren Vermögen.

Und diese Personen sind der Ansicht, dass London und New York als Zweitwohnsitze auch in zehn Jahren noch ganz zuoberst auf der Beliebtheitsskala rangieren. Dies, selbst wenn die Metropolen der Emerging Markets in den nächsten zehn Jahren an Beliebtheit gewinnen werden.

Das gilt vor allem für Peking, das sich vom heutigen Platz 9 auf Rang 3 hinter dem Duo London und New York schieben wird. Zu den Aufsteigern zählen ferner Schanghai (von 8 auf 4) und São Paulo (von 18 auf 8). Singapur soll auch in zehn Jahren noch die fünftbeliebteste Stadt sein.

Genf auf Platz sieben

Genf hält sich ebenfalls in den Top Ten. Heute ist die Rhonestadt der siebtbeliebteste Ort für einen Zweitwohnsitz, und in zehn Jahren wird Genf immer noch Platz 9 belegen. Zürich dagegen rangiert unter «ferner liefen». Bei den Kriterien Lebensqualität, Bildung, politische Macht und wirtschaftliche Attraktivität wird die Limmatstadt als klar weniger attraktiv eingestuft als das mondänere, weltoffene Genf.

Die Superreichen suchen eben beim Zweitwohnsitz primär Lifestyle (67 Prozent der Nennungen). Ebenfalls wichtig ist, dass die Immobilie ein rentables ­Investment darstellt (55 Prozent) und das Domizilland einen sicheren Hafen für das Investment bildet (40 Prozent). Keine ­grosse Bedeutung hat, dass der Ort gute Ausbildungsmöglichkeiten für die Kinder bietet (12 Prozent). Praktisch vernachlässigbar sind Faktoren wie Steuern (6 Prozent) und die Möglichkeit, Geschäfts­beziehungen zu knüpfen (5 Prozent).

Obwohl die westlichen Top-Standorte ausländisches Kapital anziehen, sind sie von Preiseinbrüchen nicht verschont geblieben, weil ihre eigene Wirtschaft eingebrochen ist. Monaco und das französische Cap Ferrat bleiben zwar die beiden teuersten Wohnorte der Welt, mit durchschnittlichen Quadratmeterpreisen von 45 000 und 40 000 Euro. Aber gemäss Knight Frank sind 2011 die Preise in Cap Ferrat um 5, jene in Monaco gar um 10 Prozent gesunken. Die einzigen Standorte auf dem alten Kontinent, deren Preise 2011 zu­gelegt haben, liegen bezeichnenderweise ausserhalb der Euro-Zone: London (im Schnitt +12,1 Prozent), Moskau (+9,8) und Zürich (+3,0).

Eher erstaunlich ist, dass Knight Frank 2011 bei den Preisen für Top-Immobilien in den Schweizer Skiorten Verbier, St.Moritz und Gstaad eine Stagnation registrierte, in Genf gar ein 5-prozentiges Minus. Möglich, dass hier die Frankenstärke ausser­europäische Käufer abgeschreckt hat.

Unter der aussereuropäischen Klientel erwartet Knight Frank künftig vermehrt noch Chinesen, Inder, Brasilianer, Malaysier, Kasachen, Indonesier, Türken und Bewohner der Vereinigten Arabischen Emirate. Je nach Land und Kultur spielen Immobilien in der Vermögensaufteilung der Superreichen eine grössere oder kleinere Rolle. Über alle HNWI hinweg findet Citi Private Bank in der Asset Allocation der Multimillionäre durchschnittlich 23 Prozent Immobilien. Klar darüber liegen HNWI aus Afrika und dem Nahen Osten mit 29 Prozent sowie Personen aus Asien mit 31 Prozent. Am wenigsten Interesse zeigen Lateinamerikaner mit 13 Prozent.

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