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Börseninterview
«Immobilienaktien sind derzeit nicht attraktiv»

Immobilien_Deutschland
Bauarbeiter: Immobilienaktien dürften laut dem Aktienexperten unter Druck kommen.Quelle: Thomas Koehler/Getty Images

Aktienexperte Philipp Grüebler rät ab vor Anlagen in Immobilientitel. Beim SMI erwartet er eine Trendwende.

Von Marc Bürgi
am 25.01.2018

Was beschäftigt derzeit die Finanzmärkte?
Philipp Grüebler*: Die Finanzmärkte profitieren zurzeit vom starken globalen Wachstum und tiefen Zinsen. Dies wird den Notenbanken in einigen Monaten erlauben, die expansive Geldpolitik zurückzufahren und könnte später die Wirtschaft bremsen. Zudem könnte die Bedienung der hohen Staatschulden in Industrie- und Schwellenländern bei höheren Zinsen Schwierigkeiten bereiten. Ein weiteres Risiko sind Handelshemmnisse, welche von Präsident Trump vorangetrieben werden.

Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?
Kurzfristig wird die gute Konjunktur für steigende Unternehmensgewinne und damit für eine steigende Börse sorgen. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die Börsen in der Spätphase einer Hausse nochmals beträchtlich ansteigen können.

Wo steht der SMI in zwölf Monaten?
Die Aussichten dürften sich aufgrund restriktiverer Geldpolitik etwas trüben, wobei die Bestimmung des Zeitpunktes der Trendwende schwierig ist. Ich vermute, dass sie in der zweiten Hälfte dieses Jahres eintritt und der SMI in zwölf Monaten bei 10'000 Punkten notieren wird.

Vor welchen Schweizer Titeln würden Sie derzeit abraten?
Immobilienaktien und Immobilienfonds sind derzeit nicht attraktiv. Schweizer Immobilien werfen brutto lediglich 3 Prozent ab, sie stehen teilweise leer und überdies werden die Fonds mit einem Agio von 30 Prozent gehandelt. Diese Titel sind wegen den tiefen Zinsen gestiegen und werden bei steigenden Zinsen entsprechend unter Druck kommen.

Die USA haben Strafzölle gegen asiatische Solarmodule verhängt. Werden nun Titel aus der Solarindustrie unter Druck kommen?
Die Aktienkurse haben sofort reagiert: Die Kurse der US-Hersteller sind gestiegen, während die Kurse der chinesischen Produzenten stark korrigiert haben. Asiatische und europäische Hersteller könnten nun bewogen werden, vermehrt in den USA zu produzieren. Betreiber von Solaranlagen müssen zudem mit höheren Kosten rechnen.

In Italien wird Anfang März ein neues Parlament gewählt. Wie beurteilen Sie die Aussichten für die dortige Wirtschaft?
Die konjunkturellen Aussichten sind aufgrund der globalen Wirtschaftsaussichten und der Bereinigung des Bankensektors kurzfristig gut. Das Land leidet jedoch unter strukturellen Problemen, wie einem überbordendem Staatsapparat und hoher Verschuldung, welche das Wachstum langfristig behindern. Italien wird daher stets tiefere Wachstumsraten als nordeuropäische Länder aufweisen.

Mit Credit Suisse und Nestlé stehen zwei bekannte  Schweizer Unternehmen unter Druck von aktivistischen Investoren, durch RBR Capital Advisors beziehungsweise Third Point. Sind solche Druckversuche eine Belastung für die Titel der entsprechenden Konzerne?
Ich bin mir nicht sicher, wie ernst es diesen aktivistischen Investoren mit Ihren Vorstössen ist, doch ist ein gewisser Druck von aussen gesund, um das Management in Form zu halten. Die Führung muss sich dabei auf die Schaffung von langfristigem Shareholder Value konzentrieren und nicht auf kurzfristige Gewinne der Aktionäre. Die Druckversuche regen eine gesunde Diskussion an!

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Philipp_Grüebler_Börseninterview
*Philipp Grüebler ist Portfolio Manager und Geschäftsführer der Grüebler Vermögensverwaltung AG. Bevor er im Jahr 2000 zur Grüebler Vermögensverwaltung AG stiess, arbeitete er bei UBS und Credit Suisse. 1995 schloss er das Betriebswirtschaftsstudium mit dem Lizenziat ab und 2000 den Chartered Finanicial Analyst (CFA).
Quelle: zvg