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Kapitalmarkt
«Impact Investing» wird zur treibenden Kraft

Ein Hurrikan nähert sich Mittelamerika: Umweltgedanken bewegen auch Anleger. Flickr/CC/NASA

Neu kann gemessen werden, wie sich ein investierter Franken auf die Umwelt oder die Gesellschaft auswirkt. Das wird unsere Gesellschaft und Umwelt positiv verändern.

Von Michael Baldinger
am 28.10.2015

Die grössten Pensionskassen der Welt, superreiche Investoren und auch die privaten Anleger wollen heuten wissen, mit welcher Wirkung ihr Vermögen angelegt wird. Nebst der Rendite wollen sie ein Reporting ihres «Impact», ihrer Auswirkung auf Umwelt und Gesellschaft. Diesen Impact zu quantifizieren oder gar via traditionelle Anlageklassen wie kotierte Aktien oder Unternehmensanleihen sowie Private Equity zu erzielen, war bis vor kurzem nicht möglich. Doch dies hat sich in der Zwischenzeit verändert.

Wer den Begriff «Impact Investing» kennt, denkt bestenfalls an Mikrofinanz als Anlageklasse sowie soziale Wohlfahrt und Umweltschutz als Anlagethema. Wer sich allerdings genauer mit den Bedürfnissen sophistizierter Anleger auskennt, weiss: Es wächst ein neuer Anspruch ­heran, dem man entsprechen muss.

Ansprüche können erfüllt werden

Denn Pensionskassen in Kalifornien und den Niederlanden beispielsweise ­vergeben Vermögensverwaltungsmandate nur noch, wenn ausführlich über die Nachhaltigkeitsaspekte und den positiven Impact des Portfolios berichtet wird. Junge Milliardäre aus dem Silicon Valley wollen passive Indexlösungen mit einem positiven sozialen Impact, und die Pensionskassenversicherten in der Schweiz wollen, dass ihre Gelder eine positive Wirkung ­bezüglich der Wasser- und Nahrungs­mittelknappheit haben – und all das bei gleichbleibendem Rendite-Risiko-Profil.

All diese Ansprüche können erfüllt werden, denn eine Handvoll Anbieter ist heute in der Lage, «Impact Investing» via klassische Anlageklassen wie kotierte ­Aktien oder Unternehmensanleihen zu erzielen. Gemäss der «Global Sustainable Investment Review» (GSIA 2014) verzeichnete «Impact Investing» in Europa ­zwischen 2012 und Anfang 2014 einen ­Zuwachs von 146 Prozent. Das bereits ­eindrückliche Wachstum wird sich in den kommenden Jahren beschleunigen, da «Impact Investing» in neue, liquide Assetklassen vorstiess und damit in traditio­nelle strategische Vermögensallokation integrierbar ist.

Messen und Quantifizieren …

Zentraler Teil des «Impact Investing» via klassische Anlageklassen wie kotierte Aktien oder Unternehmensanleihen ist die Messung, welche Auswirkungen ein investierter Franken auf die Umwelt oder die Gesellschaft hat. Dazu braucht es zwingendermassen weitreichende Daten zu kotierten Unternehmen und deren operationeller Ökoeffizienz, die dann in einem komplexen Verfahren normiert werden müssen. Beispielsweise können im Umweltbereich die Mengen von Treibhaus­gasen, Energie- und Wasserverbrauch ­sowie von Abfällen eines globalen Aktienportfolios berechnet werden. Da die ­Umweltbelastung bezogen auf das Fremd- und Eigenkapital jedes Unternehmens ermittelt wird, kann diese Umweltbelastung sowohl für Aktien als auch für Obligationen gemessen werden.

Nur wenige Anbieter haben diese Kenntnisse und Fähigkeiten. RobecoSAM beispielsweise stützt sich auf den proprietären Datenpool zur unternehmerischen Nachhaltigkeit von über 3000 börsen­kotierten Unternehmen, welcher Jahr für Jahr aktualisiert und erweitert und unter anderem für die Dow Jones Sustainability Indices verwendet wird.

... und Optimieren des Impacts

Zahlreiche institutionelle Anleger sehen sich mit der Frage konfrontiert, ob sie ihr Portfolio dekarbonisieren sollen oder nicht. Eine weitere Möglichkeit wäre das Optimieren des Portfolios. Es ist möglich, die Klimabelastung eines global investierten und sektorneutralen Aktienportfolios zu verringern. Das Ziel einer 20-prozen­tigen Reduktion, welches sich zahlreiche ausländische Pensionskassen bis 2020 vorgenommen haben, kann bereits heute umgesetzt werden – und das bei praktisch gleichbleibendem Risiko-Rendite-Profil.

Festzuhalten ist auch, dass sich ­«Impact lnvesting» nicht nur im Umweltbereich umsetzen lässt, sondern auch in anderen Bereichen eingesetzt werden kann – je nach Wertvorstellungen der ­Investoren und auch hier bei ähnlich bleibendem Risiko-Rendite-Profil. Solche Wertvorstellungen können im Bereich des Kindswohlschutzes oder in der Geschlechtergleichstellung im beruflichen Umfeld sein. Somit müssten Ausreden von Investoren, die sich gesellschaftlichen ­Herausforderungen nicht stellen wollen, sehr stichhaltig sein, denn eigentlich gibt es keine Ausreden mehr.

Treibende Kraft

«Impact Investing» wird in den nächsten 20 Jahren die treibende Kraft der Kapitalmärkte werden und unsere Gesellschaft und Umwelt positiv verändern. Der Unterschied zur alten Welt ist, dass es heute möglich ist, den Impact, welche Investi­tionen haben, in jedem global investierten und diversifizierten Aktienportfolio zu messen, zu quantifizieren, zu optimieren.

Dadurch erhalten Investoren die Orientierung, die sie brauchen, wenn sie mit ihrem Franken, nebst der Rendite, eine positive Wirkung erzielen wollen. Und wer Vermögen im Auftrag von Dritten investiert, muss sich darauf einstellen, dass sich die Bedürfnisse nach Informationen der künftigen Kundengenerationen massiv ­erhöhen werden. Wer nur mit Rendite­zahlen vorspricht und kein Reporting des ­Impacts auf Umwelt und Gesellschaft ­vorweisen kann, ignoriert die Zeichen der Zeit und den Anspruch sophistizierter Anleger.
 

Der Autor Michael Baldinger ist CEO des auf nachhaltige Investments spezialisierten Vermögenverwalters RobecoSAM. Dieser Text erschien als Gastbeitrag in der neuen «Handelszeitung».

 

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