Regelmässig zweistellige Zuwachsraten im Vergleich zum Vorjahresmonat ein solch flottes Wachstumstempo konnte 2009 nur eine Anlageklasse vorweisen: Die Exchange-Traded Funds (ETF).

Aktuell können an der SIX Swiss Exchange 299 Vehikel gehandelt werden. Diese Zahl kann aber jeden Tag steigen. So soll die Credit Suisse, die hiesige ETF-Marktführerin, bald 20 neue Produkte am Start haben. Der jüngste Zuwachs stammt derweil von der Konkurrentin Julius Bär: Ab dem 8. Januar können ihre 24 neue Produkte gehandelt werden. Seit dem 22. Dezember sind ausserdem drei neue UBS-ETF an der SIX kotiert. Am Tag zuvor hatte die Commerzbanknoch mit elf neuen Produkten nachgebessert.

Nicht nur in der Schweiz, auch global gesehen erreichen die verwalteten Vermögen in ETF jeden Monat neue Rekordstände. Ein neues Hoch wurde Ende November mit 942 Mrd Dollar erzielt. Der weltweit grösste ETF-Player ist iShares: Mit 411 ETF und verwalteten Vermögen in der Höhe von 472 Mrd Dollar beansprucht die Blackrock-Tochter fast die Hälfte des globalen ETF-Kuchens für sich.

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Rory Tobin, CEO von iShares in Europa, rechnet auch in Zukunft mit rasanten Wachstumsraten bei ETF. In den nächsten vier Jahren werde die Industrie um 200% wachsen, prognostiziert er.

Blackrock hilft iShares

Seit gut einem Monat ist die Fusion von Barclays Global Investors, der Mutter des ETF-Flaggschiffs iShares, und Blackrock vollzogen. Damit gehört der grösste ETF-Anbieter dem weltweit grössten Vermögensverwalter. Laut Tobin sollte sich allerdings für den Anleger wenig ändern - und wenn, dann nur im positiven Sinn: «Durch den Zusammenschluss der beiden Firmen ergeben sich sogar noch grössere Opportunitäten bezüglich Produktinnovationen, Portfoliomanagement und Dienstleistungsqualität.» In der Schweiz ist die Credit Suisse bei den börsenkotierten Index-Fonds mit einem Marktanteil von fast einem Viertel die Nummer eins. Rory Tobin weist jedoch darauf hin, dass viele grosse Privatkunden und institutionelle Anleger over-the-counter (OTC) handeln würden und damit ein signifikanter Anteil der Abschlüsse nicht Eingang in die Statistiken finde.

Der ETF-Markt wird je länger, je mehr ein umkämpftes Geschäftsfeld. Seit Kurzem ist auch die Commerzbank in der Schweiz aktiv und hat mit der Kotierung von über 50 Produkten - schwergewichtig auf Nischenprodukte - ihren Einstand gefeiert. Gemessen an den verwalteten Vermögen ist der Marktanteil jedoch noch verschwindend klein und fällt deshalb in der Grafik noch in die Kategorie «Übrige». Doch die Nischenstrategie könnte aufgehen: Schliesslich sind die grossen Basiswerte wie der SMI mit rund sechs Anbietern bereits überbesetzt. Und der First-Mover-Vorteil darf nicht unterschätzt werden: Häufig macht das erste Produkt auf einen neuen Basiswert rund die Hälfte der Volumen für sich aus.

«Strukis» keine Gefahr für ETF

Vom Erfolg der günstigen und einfachen Index-Fonds wollen sich auch die Anbieter von strukturierten Produkten eine Scheibe abschneiden. Denn das Vertrauen in die derivativen Vehikel hat nach dem Konkurs von Lehman Brothers stark gelitten. Die Branche wurde aktiv: Seit drei Monaten können pfandbesicherte Zertifikate gehandelt werden, mit stark reduziertem Emittentenausfallrisiko. Halten die Gebühren dem Vergleich stand, können diese Derivate den ETF durchaus Konkurrenz machen. Auf die Frage, ob pfandbesicherte Zertifikate eine Gefahr für ETF darstellten, antwortet Tobin: «Nein, überhaupt nicht.» ETF könnten sowohl den Kern- wie auch den Satellitenanteil eines Investments abdecken, während strukturierte Produkte nur eine Satellitenanlage blieben.

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