Die Umsätze an der Börse befinden sich im Krebsgang. Im Oktober verzeichneten Aktien und Fonds an der SIX Swiss Exchange 15% weniger Käufe und Verkäufe als in der Vorjahresperiode. Auch die strukturierten Produkte buchten 13% weniger Umsatz. Doch nicht alle Anlageklassen litten: Die Exchange Traded Funds (ETF) notierten im Oktober mit einem Umsatz von 7,6 Mrd Fr. gar ein Allzeithoch. Damit überholten sie die Derivate, welche im Oktober einen Umsatz von 5,8 Mrd Fr. registrierten. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das Wachstum der ETF fast einer Verdoppelung (plus 184%).

Trend geht zu Transparenz hin

Offensichtlich profitieren die ETF von der Verunsicherung der Anleger bei den strukturierten Produkten. Seit dem Lehman-Konkurs sind die Investoren alert: Emittentenrisiko heisst das Stichwort. Bei ETF ist die Gefahr eines Totalausfalls bei Insolvenz des Anbieters ausgeschlossen. Rechtlich gesehen bilden die Index-Fonds Sondervermögen und werden von der Konkursmasse gesondert behandelt. »Die deutlichen Zuwächse bei ETF zeigen: Der Trend geht zu flexiblen, kostengünstigen und vor allem transparenten Produkten», so Gabriela Utz Jakobsen, Business Development Officer iShares Schweiz. Die Schweizer Marktführerin in Sachen ETF ist überzeugt, dass die gegenwärtigen Marktturbulenzen das ETF-Wachstum unterstützen. Gemäss iShares reduzierten Investoren derzeit Risiken in ihren Portefeuilles, in-dem sie die Gegenparteirisiken gezielt minderten.

«Der Ausschluss des Emittenten-Gegenparteirisikos hat die erhöhte ETF-Nachfrage gestützt», sagt auch Gregor Braun, Produktmanager für ETF an der SIX Swiss Exchange. Besonders gefragt waren jüngst Vehikel auf Gold wegen des erhöhten Sicherheitsbedürfnisses der Anleger. Auch etablierte Blue-Chip-Indizes wie der DJ Euro Stoxx 50, der SMI oder der Dax standen hoch im Kurs. «Wenn Anleger das Vertrauen in Einzelaktieninvestments verlieren, können sie mithilfe eines ETF in einer einzigen Transaktion diversifiziert in einen Markt investieren und so Risiken streuen», so Braun.

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Neuling Julius Bär im ETF-Markt

Heute können an der Schweizer Börse 149 ETF von zehn Anbietern gehandelt werden. Tonangebend ist iShares mit 49 Vehikeln. Auf dem zweiten Podestplatz nimmt die Société-Générale-Tochter Lyxor mit 31 Produkten Platz. Dicht gefolgt von der Deutschen Bank. Diese hat am 17. November ihr Schweizer Sortiment von 21 auf 28 Produkte erhöht. UBS und ABN Amro bieten je zehn Produkte an, die Credit Suisse acht. Weitere Player auf dem Schweizer ETF-Parkett sind BNP Paribas, Invesco und die Zürcher Kantonalbank. Seit Ende Oktober ist auch die Privatbank Julius Bär mit sechs Produkten auf physisches Gold im Markt aktiv. Julius Bär habe die Gunst der Stunde resp. der aktuellen Finanzkrise genutzt, um ins Segment einzusteigen, so Ste-phan Müller, Product Management & Development bei Julius Bär. Das rasante Wachstum des relativ jungen Sektors wird laut Barclay-Tochter iShares weitergehen. iShares prognostiziert, dass das weltweit in ETF verwaltete Vermögen 2009 über 1 Billion Dollar liegen wird – zwei Jahre später erwartet iShares bereits 2 Billionen Dollar verwaltete Vermögen.

ETF sind für Banken ein lukratives Geschäft. «Julius Bär hat mit den ETF in den letzten zwei Wochen, seit wir auf dem Markt sind, rund 100 Mio Fr. akkumuliert», so Müller. Braun erwartet 2009 mindestens einen Neuling im ETF-Markt. Denn: «Die hohen in der Schweiz verwalteten Vermögen sind für Anbieter attraktiv.»