Der ehemalige indische Finanzminister P. Chidambaram hat die indische Bargeldreform mit sehr scharfen Worten kritisiert. Der Zwangsumtausch aller grossen Banknoten des Landes gegen neu gedruckte Scheine sei der «grösste Betrug des Jahres», sagte der Politiker am Dienstag in einer Rede.

Er forderte Ermittlungen gegen die Verantwortlichen. Vor gut einem Monat hatte Indien überraschend alle Geldscheine im Wert von mehr als 100 Rupien (rund 1,48 Franken) für ungültig erklärt. Neu entwickelte grosse Scheine erhält nur, wer sein Geld vorher auf ein indisches Konto einzahlt. Die Regierung will so gegen die Schattenwirtschaft und Falschgeld vorgehen. Allerdings hat Schätzungen zufolge mehr als die Hälfte der Inder kein Konto.

Arme leiden

Die überraschende Entscheidung war zuvor kaum vorbereitet worden. Bis heute leidet das Land deshalb unter extremer Bargeldknappheit. «Am schlimmsten trifft dieser Angriff die Armen», sagte Chidambaram. Selbst eine landesweite Naturkatastrophe könnte seiner Meinung nach nicht so viel Schaden anrichten.

Chidambaram erwähnte zudem Medienberichte, laut denen bereits jetzt hunderte Millionen Rupien des neuen Geldes bei illegalen Geldwäschern gefunden wurden. Das Geld gehe von der Druckerpresse direkt zu den Kriminellen.

(sda/jfr/cfr)