Die Rezession frisst sich unaufhaltsam in die Schweizer Realwirtschaft hinein. Da die Krise von aussen kam, sind die Exporteure am unmittelbars-ten betroffen. Teilbranchen der Exportindustrie erlitten Einbrüche ihrer Umsätze um die Hälfte. Der Maschinenbau als zweitwichtigste Exportbranche verzeichnete einen Rückgang der Bestellungen um 35%. Positive Nachrichten sind sehr dünn gesät und kommen aus spätzyklischen Branchen wie der Elektrotechnik oder der Nahrungsmittelindustrie.

Zusehends werden auch binnenorientierte Unternehmen erfasst. Selbst für noch 2008 erfolgsverwöhnte Dienstleistungsbranchen wie den Detailhandel, das Autogewerbe oder den Tourismus dürfte 2009 zu einem Jahr mit schmerzhaften Einschnitten werden. Im Detailhandel sanken zu Jahresanfang die Umsätze mit Schmuck, Accessoires und Kleidern zum Vorjahr um 6%. Auch wurden 18% weniger Fahrzeuge in Verkehr gesetzt, und die Logiernächtezahl ging um 4,6% zurück.

Rezession auf breiter Front

Für 2009 wird mit einem Rückgang des Bruttoinlandprodukts um 2,0% gerechnet. Grund ist ein scharfer Einbruch der Exporte. Schon im Schlussquartal 2008 gingen die Exporte um 4,8% zurück. Anfang 2009 lag das Minus im zweistelligen Bereich. Für das Gesamtjahr wird mit -6,8% gerechnet. Bisher hielten der robuste Arbeitsmarkt mit breit abgestütztem Lohnwachstum sowie die tiefe Teuerung und stetige Einwanderung den Konsum in Form. Nun verdichten sich aber die Zeichen, dass der Arbeitsmarkt stark korrigiert und die Arbeitslosenzahl 2009 auf 4,1% ansteigen dürfte, wodurch auch die Einwanderung gebremst würde.

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Die Exporterlöse sanken in den ersten beiden Monaten des Jahres 2009 um real 13,7% gegenüber der entsprechenden Vorjahresperiode. Die Tendenz im Exportgeschäft zeigt weiterhin steil abwärts. Vergleichsweise gut gehalten hat sich mit -4,2% die chemisch-pharmazeutische Industrie als grösste Schweizer Exportbranche. Auch die Präzisionsinstrumente kamen mit einem Minus von 3,6% glimpflich davon. Hart traf es aber die Metallindustrie (-35%), die Textilindustrie (-31%), die Kunststoffindustrie (-27%), die Maschinen- und Elektronikindustrie sowie die Papier- und grafische Industrie (je -23%) sowie die Uhrenindustrie (-22%).

Industriebetriebe unter Druck

Ebenso düster präsentiert sich die Auftragslage. Dass die Auftragsbestände abnehmen würden, war nach zwei Jahren rasanten Wachstums abzusehen. Der Einbruch der Neubestellungen kam dann aber unerwartet heftig. Im Schlussquartal 2008 sanken die Auftragseingänge um 8,8%. Diejenigen aus dem Ausland fielen sogar um 16,1% und damit in zuvor nicht gekanntem Ausmass. Am schlimmsten betroffen war mit einem Minus von 35,3% der Maschinenbau, gefolgt von der Metallindustrie mit -17,1%. Bei den Auftragseingängen vermochte nur noch die Nahrungsmittelindustrie mit einem Plus von 7,7% zu überzeugen.

Doch nachdem das Gros der Industriebranchen von den Erzeugern von Vorleistungsgütern wie Metallen und chemischen Grundstoffen, über die Papier- und Textilindustrie bis hin zu den exportorientierten Maschinenbauern, Automobilzulieferern und Halbleiterproduzenten sich bereits tief in der Rezession befinden, werden solche, die sich bisher schadlos halten konnten, nun unweigerlich folgen. Aufgrund der sich rapide verschlechternden Auftragslage sind in den kommenden Quartalen Umsatzrückgänge auch bei den Uhren- und Präzisionsinstrumenten, der Elektrotechnik und in der Bauwirtschaft zu erwarten.