TEUERUNG . Die Zahl hat es in sich: 3,1%, die höchste Inflationsrate in Deutschland seit fast 14 Jahren, messen die Statistiker im November. Deutlich gestiegene Kosten für Lebensmittel und Energie haben das Leben in Deutschland noch teurer gemacht als zunächst angenommen. Erst waren die Statistiker nach Schätzungen noch von 3,0% ausgegangen. Zuletzt hatte die Inflationsrate Anfang 1994 die 3%-Hürde überschritten.

Die Teuerung verschärft die Sorgen um die Konjunktur. So signalisierte jüngst der Index der Gesellschaft für Konsumforschung, dass bei den Deutschen die Kauflust nachlässt. Der Konsum ist eine wichtige Stütze für das Wirtschaftswachstum – und das ist durch den Dollar-Abschwung und die Auswirkungen der Finanzmarktkrise ohnehin äusserst fragil. Erst kürzlich senkten die Wirtschaftsforschungsinstitute in Kiel und München ihre Wachstumsprognosen für Deutschland. Beide erwarten 2008 weniger als 2%.Die höheren Preise haben nach Ansicht von Experten die Lohnerhöhungen zunichte gemacht. «Die realen Tariflöhne werden in diesem Jahr geringfügig sinken, weil der Preisauftrieb grösser ist als die Lohnerhöhungen», sagte der Chefvolkswirt des Kieler Instituts, Joachim Scheide.

Die auch in anderen Euro-Ländern kräftig anziehenden Preise bringen die Europäische Zentralbank (EZB) in die Klemme. Sie müsste eigentlich die Zinsen anheben, würde damit aber eine schärfere Konjunkturabkühlung riskieren, weil sich Kredite für Unternehmen und Verbraucher dann verteuern.

Im Euro-Raum stieg die Teuerungsrate ebenfalls auf 3,1%, den höchsten Wert seit sechseinhalb Jahren. Die EZB sieht Preisstabilität aber nur bei Werten von knapp unter 2% gewährleistet. «Wir werden entschlossen und zügig handeln, um Gefahren für die Preisstabilität zu vermeiden», sagte EZB-Ratsmitglied Yves Mersch.

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Technische Geräte sind günstiger

Die EZB hat ihren Leitzins seit Ende 2005 von 2 auf 4% verdoppelt. Wegen der unklaren Folgen der weltweiten Finanzkrise verzichten die Währungshüter seit Sommer auf weitere Schritte.In Deutschland gehen die Preissteigerungen vor allem auf die Bereiche Lebensmittel und Energie zurück. Im Vergleich zum November 2006 legten die Preise für leichtes Heizöl um 23,7% und für Kraftstoffe um 18,6% zu. Ohne Energie und Kraftstoffe hätte die Teuerungsrate lediglich 2,2% betragen. Gegenüber November 2006 stiegen die Preise für Nahrungsmittel im Schnitt um 5,8%. Preistreiber waren Speisefette und -öle, die im Schnitt um 26,2% teurer wurden. So mussten Verbraucher für Butter im November fast die Hälfte mehr bezahlen als noch zwölf Monate zuvor. Die Bundesbürger müssen sich nach Ansicht des Bundesverbands der Verbraucherzentralen bei Lebensmitteln weiterhin auf steigende Preise einstellen. Weltweit steige die Nachfrage nach Getreide, Futtermitteln und Milchprodukten, sagte Verbandschef Gerd Billen. Deutlich günstiger wurden binnen Jahresfrist technische Geräte wie Personalcomputer (minus 24,0%), Farbfernseher (minus 21,2%), aber auch Gemüse wie Speisekartoffeln (minus 13,0%) oder Blumenkohl (minus 10%).