Der Landesindex der Konsumentenpreise (LIK) wies im Februar 2009 eine Jahresteuerung von lediglich 0,2% aus, und bereits im März dürfte er sogar einen tieferen Wert als ein Jahr zuvor zeigen. Dies wäre das erste Mal seit fünf Jahren, dass die Inflationsrate ein negatives Vorzeichen trägt, und ist den vergangenen 25 Jahren überhaupt erst sieben Mal vorgekommen. Aller Voraussicht nach dürfte der LIK in den kommenden Monaten weiter fallen, allerdings spätestens gegen Jahresende wieder zu steigen beginnen.

Keine eigentliche Deflation

Dies würde daher nicht für den Sachverhalt einer sogenannten Deflation qualifizieren, d.h. für einen nachhaltigen und längerfristigen Rückgang des allgemeinen Preisniveaus - einen Zustand, den Zentralbanken fürchten wie der Teufel das Weihwasser. Denn der zu erwartende Rückgang des LIK ist nur ein vorübergehender und ergibt sich zudem weitgehend aus dem starken Preisverfall einiger weniger Komponenten. Dazu zählen insbesondere die Erdölprodukte. Erinnern wir uns: Der Ölpreis hatte im vergangenen Jahr zu einem Höhenflug angesetzt, der ihn im Sommer zeitweise auf über 140 Dollar steigen liess. Seither hat er sich aber wieder weit mehr als halbiert und damit erheblich zum Rückgang der Inflation in den vergangenen Monaten beigetragen. Die Preise vieler anderer Güter und auch Dienstleistungen steigen dagegen munter weiter und es ist unwahrscheinlich, dass sie auf breiter Front einbrechen werden.

Viel eher ist zu befürchten, dass die Inflation wieder zum vorherrschenden Thema wird, sobald die Wirtschaft den Weg aus der Rezession gefunden hat. Dies liegt im Kern an der expansiven Geld- und Fiskalpolitik, die gegenwärtig von Zentralbanken bzw. Regierungen in aller Welt verfolgt wird. Einerseits wurden als Reaktion auf Finanzkrise und Konjunkturabschwung die Leitzinsen drastisch Richtung null gesenkt. Da im derzeitigen Umfeld die übliche stimulierende Wirkung auf die Nachfrage beschränkt ist, gehen immer mehr Zentralbanken zu einer sogenannten quantitativen Lockerungspolitik über: Sie kaufen direkt Anleihen von Unternehmen bzw. vom Staat, um das Zinsniveau zu drücken und damit wiederum die Nachfrage anzukurbeln. Gleichzeitig werden von vielen Staaten riesige Konjunkturpakete zur Rettung der Wirtschaft geschnürt, was die Staatsverschuldung in den entsprechenden Ländern in die Höhe schnellen lässt. Die Kombination aus der rasant steigenden Staatsverschuldung und dem Kauf von Staatspapieren durch Zentralbanken ist im Grunde genommen nichts anderes als eine Geldschöpfung über die Notenpresse.

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Inflation wird steigen

Auf einen Horizont von zwei bis drei Jahren dürfte dies zu einem spürbaren Inflationsanstieg führen. Gedämpft werden könnte er dadurch, dass die Staaten die Ausgaben wieder zurückfahren und/oder die Steuern erhöhen. Gleichzeitig müssten die Zentralbanken ihre Staatsanleihen an private Investoren zurückverkaufen sowie die Zinsen wieder erhöhen. Damit würde aber ein gerade einsetzender Konjunkturaufschwung potenziell im Keime erstickt. Es wird ein sehr feines Fingerspitzengefühl der Notenbanken und Regierungen brauchen, um die Wirkungsbilanz ihrer Instrumente zu optimieren.