Nur noch 1080 Dollar – so wenig kostete eine Feinunze Gold heute Vormittag. Das Edelmetall hat sich im Tagesverlauf zwar etwas erholt, doch Fakt ist: Aller Krisen rund um den Globus zum Trotz – etwa das Drama um Griechenland oder der Börsensturz in China – steckt die Krisenwährung Gold selbst in der Krise. «Gold ist ein bisschen aus der Mode», sagt Norbert Rücker, Leiter Rohstoffanalyse der Bank Julius Bär.

Das hat jedoch nicht nur mit der Geldpolitik der US-Notenbank zu tun: Anleger erwarten im Herbst die erste Zinserhöhung der Fed seit der Finanzkrise 2008 – und damit einen stärkeren Dollar. Besonders überrascht hätten die hohen Ausflüsse aus den Gold-ETFs, so Rücker (siehe Video). Denn Investoren haben in den vergangenen Wochen offenbar im grossen Stil ihr Geld aus den indexbasierten Fonds herausgezogen.

«Gold kann sich Verkaufsdruck nicht entziehen»

Daneben gebe es jedoch weitere Ursachen. «Dem generellen Verkaufsdruck bei Rohstoffen kann sich Gold nicht entziehen. Hinzu kommt die Aussicht auf steigende Zinsen in den USA», wie der Leiter Bär-Rohstoffanalyse erklärte.

Mit seiner Einschätzung liegt der Bär-Analyst auf Kurs seiner Kollegen. Laut Nachrichtenagentur Bloomberg erwarten 17 von ihr befragte Gold-Experten und Händler in den kommenden Monaten weitere Preisrückgänge: Ende Jahr könnte eine Unze im Schnitt der Erwartungen nur noch 984 Dollar kosten.

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Warum Rücker bei Gold weiterhin mit einem Nachfrage-Rückgang in der westlichen Welt rechnet und warum er einen niedrigeren Goldpreis nicht für erstaunlich hält, dazu äussert sich der Bär-Rohstoffexperte im Video-Interview.

(awp/moh)