Das Gerüst der Volkswirtschaft, die Infrastruktur, gilt als Grundvoraussetzung für Fortschritt. Ohne funktionierende Stromleitungen, gut erschlossene Transportwege, ausreichende Wasserversorgung und ein breit ausgebautes Telekommunikationsnetz wird jedes Wachstum im Keim erstickt.

Schätzungen der Weltbank zufolge müssen daher bis 2010 jährlich 850 Mrd Dollar in Infrastruktur investiert werden ? insbesondere in Schwellenländern. Denn der Auf- und Ausbau der Infrastruktur hinkt dort hinter dem rasanten Wirtschaftswachstum her. Wird dieser nicht in Angriff genommen, drohen die brummenden Motoren in den Emerging Markets zum Erliegen zu kommen. Indien leidet heute unter der unzuverlässigen Stromversorgung. Auch in China herrscht Handlungsbedarf: «Die schweren Winterstürme haben gezeigt, wie Transportkapazitäten und Stromversorgung an ihre Grenzen gestossen sind», sagt Beat Schumacher, Analyst der Zürcher Kantonalbank (ZKB).

Sektor trotzt der Kreditkrise

Zusehends entwickelt sich der Infrastrukturbereich zu einer eigenständigen Anlageklasse. In Australien und Asien ist diese bereits etabliert. Infrastruktur zählt zu den alternativen Investments und weist eine geringe Korrelation zu anderen Anlagesegmenten auf. Diesem Megatrend vermochten bisher weder die Kreditkrise noch die Rezessionsängste in den USA zuzusetzen. Einer Studie von Ernst & Young zufolge hat die Kreditkrise bisher wenig Einfluss auf Infrastrukturinvestitionen gehabt. Die Verfasser gehen davon aus, dass sich die Investitionen sogar noch erhöhen werden aufgrund der steigenden Attraktivität der stabilen Cashflows. Auch die Rezessionsängste in den USA bedrohen die globalen Infrastrukturinvestitionen offenbar nicht. «Es handelt sich um langfristige Projekte, welche ungeachtet einer möglichen Konjunkturverlangsamung solide Wachstumsraten aufweisen werden», sagt Schumacher von der ZKB.

Anzeige

Anbieter als Monopolisten

Nach wie vor werden drei Viertel aller Infrastrukturprojekte von der öffentlichen Hand finanziert. Mehr und mehr kommt es jedoch zu Privatisierungen von Staatsbetrieben. Die Nachfrageseite ist von geringer Preiselastizität geprägt. «Erfahrungen mit Mautstrassen aus Australien bestätigen, dass weder Preiserhöhungen noch Rezessionen den langfristigen Einnahmetrend spürbar beeinflussen», heisst es bei Goldman Sachs. Ein ausgesprochen konjunkturresistentes Geschäft also. Als Vorteil für die Investoren haben sich auch die hohen Eintrittsbarrieren für Mitbewerber erwiesen – schliesslich werden nicht zwei Autobahnen nebeneinander gebaut. Für den Anbieter verspricht die Monopolstellung wenig Wettbewerb. Dennoch ist auch hier ein finanzielles Engagement mit gewissen Risiken verbunden: «Länderspezifische Risiken sind in Schwellenländern höher als in Industrieländern», sagt Schumacher. Damit ist etwa politische Instabilität gemeint oder das Risiko, dass sich Gesetze ändern und dadurch Projekte verzögert werden. Durch eine breite Länder-Diversifikation kann dieses Risiko jedoch minimiert werden.

Langfristige Derivatstrategie

Auch Privatanleger können mittlerweile in den Infrastruktur-sektor investieren. Um in diesem Gebiet ein gewinnbringendes Investment zu tätigen, benötigen Anleger aber einen langen Atem. In der Schweiz sind derzeit 18 Tracker-Zertifikate, 1 Bonus-Zertifikat und 7 Kapitalschutz-Produkte handelbar. Anfang Januar 2007 hat Goldman Sachs den Intrax-Infrastrukturindex aufgelegt. Das auf Fr. lautende, zu 95% kapitalgeschützte Vehikel (Valor: 3054282) läuft noch bis Mai 2010. Der Index investiert in die vier Kernsektoren Transport, Bau, Energie, Wasser und Entsorgung und wählt jeweils die 50 Firmen mit der grössten Marktkapitalisierung aus. Das DWS-Zertifikat (Valor: 2939384) verzeichnet seit Januar 2007 eine Performance von 34%. Klarer Schwerpunkt im unterliegenden Index sind mit einer Vertretung von rund 80% Industrieunternehmen.

Anzeige