Die Börsenkurse fallen jeden Tag tiefer, und die Investoren fragen sich, ob der eine oder andere Titel mittlerweile bereits zu stark unter die Räder gekommen ist. Von Konzernchefs ist häufig zu hören, dass sie die Aktien ihres Unternehmens für unterbewertet halten. Doch erwerben sie auch selber Titel? Kaspar Villiger, designierter Verwaltungsratspräsident der UBS, hat zum Beispiel in Aussicht gestellt, Aktien der Grossbank zu kaufen.

Auch wenn die anderen Konzernlenker ihre Absichten nicht offenlegen, können Anleger grössere Käufe und Verkäufe der Manager einsehen. Sie geben dafür das Suchwort «Management-Transaktionen» auf der Homepage der SIX Swiss Exchange ein. Verwaltungsräte und Mitglieder der Geschäftsleitung müssen der Börse Transaktionen innert zwei Tagen melden, sofern die Summe innerhalb eines Kalendermonats 100000 Fr. übersteigt.

Welche Folgen diese Meldepflicht haben kann, hat etwa der Verkauf von UBS-Aktien von Verwaltungsrat Rainer-Marc Frey gezeigt. In der Folge haben sich Anleger panikartig von ihren Titeln getrennt. Investoren lassen immer häufiger die Informationen über Insiderkäufe und -verkäufe in ihre Anlageentscheide einfliessen. Die Idee dahinter: Insider kennen ihr Unternehmen besser und haben für die Beurteilung der Zukunftsaussichten mehr Informationen zur Verfügung als etwa Finanzanalysten.

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«Es den Managern gleichzutun, zahlt sich aber nicht in jedem Fall aus», sagt Claude Zehnder, Research-Chef der Zürcher Kantonalbank (ZKB). So kann es sein, dass sich ein Verwaltungsrat von Aktien trennt, um ein Ferienhaus zu erwerben. Oder ein Mehrheitsaktionär eines kleinen Unternehmens kauft eigene Aktien, um Kurspflege zu betreiben.

Kauf nach schlechtem Resultat

«Generell sind Insiderkäufe aussagekräftiger als -verkäufe», sagt Zehnder. Denn es gibt viele Gründe, Aktien zu verkaufen. Häufig sind die Titel des eigenen Unternehmens auch ein Lohnbestandteil der Führungskräfte. Zudem sollte es sich in jedem Fall um eine grössere Transaktion handeln. «Wenn ein Verwaltungrat 1 Mio Fr. aufwirft, ist dies schon ein Signal.»

So hat etwa das Management von Quadrant am Tag der Ergebnispublikation Anfang Februar im grossen Stil eigene Aktien erworben. Ein geschäftsführendes Mitglied hat Titel im Wert von über 3 Mio Fr. gekauft und ein nicht exekutives Verwaltungsratsmitglied hat ebenfalls fast 3 Mio Fr. für den Aktienkauf aufgewendet. Die Käufe der Insider stehen ganz im Gegensatz zur Reaktion an der Börse. Die Anleger haben den Abschluss des Herstellers von thermoplastischen Werkstoffen negativ aufgenommen, und auch die Analysten haben verhalten auf die Zahlen reagiert. Keiner von ihnen empfiehlt die Aktien zum Kauf. In den vergangenen sechs Monaten haben Quadrant 60% verloren. Aber auch andere Titel wie Holcim, HBM Bioventures und Orascom haben im gleichen Zeitraum ebenso viel oder mehr eingebüsst.

Insiderkäufe sind aber nicht nur bei Aktien zu beobachten, die in den letzten Monaten massiv eingebrochen sind. Seit Anfang Februar gab es auch Käufe bei Ypsomed, Acino, Holcim, Swatch Group, Syngenta oder Nestlé. Dabei haben Syngenta im letzten halben Jahr nur rund 5% verloren, Ypsomed 15% und Nestlé 30%.

Ebenfalls einen Einfluss hat die Frage, für wie schwerwiegend Insider die aktuelle Wirtschaftskrise halten. Die Ungewissheit über deren weiteren Verlauf ist gross, und die Prognosen gehen deshalb weit auseinander. So können die Aktienkäufe von Insidern auch damit zusammenhängen, dass die Manager die Wirtschaftskrise weniger schlimm einschätzen als die meisten Anleger und allein schon deshalb bei ihren Aktien ein Erholungspotenzial sehen.