Etliche US-Analysten haben sich die Prognosen von Goldman Sachs, die am 18. März die Ergebnisse zum 1. Quartal vorlegen wird, sehr genau angeschaut ? vor allem weil die ganze Branche eine deutliche Verlangsamung der Investmentbankaktivitäten gespürt hat. So berichten die Analysten von Merrill Lynch, dass sich die Investmentbankaktivitäten auf das Niveau von 2005 zurückgebildet haben. Goldman Sachs dürfte indes nicht auf ihren letzten zyklischen Tiefpunkt von 2002 zurückfallen, weil die Bank inzwischen weniger von M&A-Aktivitäten und IPO abhängt und globaler aufgestellt ist. Hinzu kommt, dass die Einseitigkeit des letzten Zyklus (mit den Schwerpunkten Technologie und Telecom) fehlt. Und schliesslich sind auch die Auftragsbücher auf historischem Höchststand.

Gewinnrückgang erwartet

Das bedeutet nicht, dass die Aussichten ungetrübt sind. Viele Investmentbankaktivitäten reagieren erst mit Verzögerungen auf eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage und gerade das Firmen- und Übernahmekreditgeschäft läuft derzeit sehr schwach. Bei solchen Krediten hat Goldman Sachs 42 Mrd Dollar ausstehend, bei kommerziellen Liegenschaften sind es weitere 19 Mrd Dollar. Hier erwarten die Analysten einen Abschreibebedarf von 3 Mrd Dollar, was den Gewinn von Goldman Sachs bedeutend schmälern würde. Im Kreditgeschäft liegt der Abschreibebedarf unter konservativen Annahmen bei rund 2 Mrd Dollar, wenn man mögliche Hedge-Einflüsse nicht zu hoch gewichtet. Unter dem Strich bleibt dann ein Umsatz von 7,5 Mrd Dollar, 40% weniger als im Vorjahres-Vergleichsquartal. Der Reingewinn dürfte mit 1,1 Mrd Dollar 70% unter dem Vorjahreswert liegen, der Gewinn pro Aktie schrumpft dann ebenfalls in diesem Ausmass.

Auch die Analysten der Credit Suisse erwarten für Goldman Sachs einen Rückgang des Quartalsgewinns von 6.67 auf noch 2.70 Dollar. Weil die Short-Position bei Subprime-Engagements relativ klein ist, steckt hier kaum noch Gewinnüberraschungspotenzial. Die eingesetzten Mittel für Firmenübernahmen hat zwar auch Goldman Sachs gekürzt, aber der Einschnitt von 50% ist deutlich tiefer als der bei anderen Wall-Street-Häusern, die hier 70 bis 90% aus den Büchern genommen haben.

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Aktie nimmt Erholung vorweg

Auf der Basis der Konsens-Gewinnschätzungen für 2008 ist die Goldman-Sachs-Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 10,7 bewertet. Allerdings gilt das für die Gesamtjahresrechnung, die bei allen Analysten ab Sommer einen wieder deutlich steigenden Gewinn annimmt. Aktuell erscheint die Goldman-Sachs-Aktie daher als leicht unterbewertet, wenn man einen längeren Vergleichszeitraum inklusive der Technologieblase 1999/2000 zugrunde legt, und als durchschnittlich bewertet, wenn der Zeitraum seit 2001 herangezogen wird.

«Die Aktien spiegeln die wahre Geschichte», sagte letzte Woche Abby Cohen, weit herum bekannte Chefstrategin von Goldman Sachs. Die Aktie ihres Arbeitgebers liegt mit 160 Dollar 40% unter dem Allzeithöchst vom letzten Sommer. Der Optionsmarkt signalisiert eine tiefe Volatilitätserwartung für Goldman und damit ein kleineres negatives Überraschungspotenzial als beispielsweise für Lehman Bros., die vier Tage vor Goldman mit Zahlen aufwartet. Die Aktie von Goldman Sachs nimmt eine rasche Erholung der Invesmtentbankaktivitäten vorweg und verträgt keine Hiobsbotschaften am 18. März.

 

 


UBS: Weitere Abschreiber sind in Sicht

Die Analysten von Morgan Stanley erwarten 2008 bei der UBS weitere Abschreiber zwischen 13,8 und 23,2 Mrd Dollar, nachdem sie mit Managern der UBS in New York gesprochen haben. Zum Vergleich: Im letzten Jahr hatte die Bank 15,6 Mrd Dollar abgeschrieben. Der Hauptteil des Abschreibebedarfs soll aus strukturierten Krediten mit mittlerer Bonität (Mezzanine ABS CDO), strukturierten Hypothekarkrediten mit ehemals mittlerer Bonität (Alt-A) und europäischen Hypothekenprodukten kommen. Vergleichsweise wenig ins Gewicht fallen Subprime-Engagements und Verluste mit Monolinern.

Europäische Banken hatten Ende letzten Jahres Alt-A-Papiere mit durchschnittlich 95% ihres Nennwertes in den Büchern (bzw. 5% auf diese Guthaben abgeschrieben). Wird ein vergleichbarer Massstab bei allen Kreditarten angelegt, kommt auf die europäischen Banken ein weiterer Abschreibebedarf von 68 Mrd Dollar zu. Alleine 21 Mrd entfallen dabei laut Merrill Lynch auf die UBS, entsprechend 50% des Buchwertes. Bei der CS würde eine solche Kettenreaktion weniger als 10% des Buchwertes dezimieren. (mn)

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