Die weltweite Finanzkrise breitet sich in einen weit grösseren Bereich aus: Auf den Markt für Wertpapiere, die an die Bonität der weltgrössten Aktiengesellschaften gebunden sind. Europäische und US-Indizes, die die Wahrscheinlichkeit von Ausfällen von Unternehmensanleihen abbilden, leuchten rot auf.

Händler und Anleger sind besorgt über den Ausblick für die Weltwirtschaft und die Gefahr eines Crash bei einigen der insgesamt 6 Billionen Dollar umfassenden Derivate, die an den Wert von Unternehmensanleihen gebunden sind. Zuletzt verzeichneten der CDX und iTraxx, Indizes, die die durchschnittlichen Kosten einer Versicherung gegen Ausfälle bei amerikanischen, kanadischen und europäischen Unternehmensanleihen abbilden, Rekordstände.

Schwierigkeiten der UBS

Beide Indizes haben sich seit Jahresbeginn mehr als verdoppelt. So betrugen die durchschnittlichen Versicherungskosten für eine Ausfallübernahme über 10 Mio Dollar Anfang des Jahres laut CDX-Index noch 80970 Dollar und sind binnen zweier Monate auf 152000 Dollar gestiegen. Die Bewegungen reflektieren die zunehmenden Ängste, dass die Schwierigkeiten von Finanzunternehmen wie UBS und Anleiheversicherer MBIA sich auf Blue-Chip-Unternehmen ausweiten könnten, die die Indizes bestücken, etwa Tesco und IBM.

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Die Indizes sind der Brennpunkt für eine riesige Anzahl von komplexen Investments, die eines gemeinsam haben: Sie sorgen für Einkünfte über das Ausschreiben von Versicherungskontrakten gegen den Ausfall von Unternehmensanleihen. Zusammen sind diese Kontrakte ausgeschrieben auf das Äquivalent von etwa 43 Billionen Dollar in Anleihen. Analysten schätzen, dass etwa 5 Billionen Dollar dieser Kontrakte in sogenannten Collateralized Debt Obligations und Constant Proportion Debt Obligations (CPDO) angelegt sind.

Die Indizes geben ein Bild davon wieder, was im Markt passiert, indem sie die Versicherungskosten für die populärsten Anleihen verfolgen. Eine Erhöhung der Versicherungskosten bedeutet für Anleger, die Versicherungen verkaufen, einen sogenannten «Neubewertungs»-Verlust, da es sie jetzt mehr kosten würde, aus ihren Investments auszusteigen, indem sie die gleichen Versicherungen von jemand anderem kaufen.

Die Preise fallen nicht so stark

Einige sind der Ansicht, dass den Indexbewegungen eine unbegründete Angst zugrunde liegt, die sich bald wieder beruhigen würde. Sie weisen darauf hin, dass die Preise für Unternehmensanleihen bei weitem nicht so stark gefallen sind, wie sich die Indizes bewegt haben. «Es geht nicht um ein erhöhtes Ausfallrisiko», meint auch Willem Sels, Chefkreditstratege bei Dresdner Kleinwort. Ratingfirmen haben jedoch vorausgesagt, dass 2008 die Ausfälle von Unternehmensanleihen ansteigen werden. Und selbst beim Ausbleiben grösserer Ausfälle können die Indexbewegungen Chaos stiften, indem sie eine nach unten gerichtete Spirale auslösen, die die Kosten für Versicherungen weiter erhöht, was es wiederum für Unternehmen teurer machen könnte, sich Geld zu leihen. «Wir haben hier eine sich selbst verstärkende Spirale», sagt Greg Peters, Chef der US-Kreditstrategie bei Morgan Stanley. « Je schlimmer es wird, desto schlimmer wird es, um es so auszudrücken.»

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