Vor einem Jahr waren Fondsmanager, die wegen der soliden Dividenden auf europäische Aktien setzten, auf der Suche nach steigenden Ausschüttungen.

Heute liegt ihr Fokus auf Firmen, die genügend Cash erwirtschaften, um die Gewinnausschüttungen inmitten der Konjunkturkrise wenigstens stabil zu halten. Konkret heisst das, dass sie Bankaktien meiden. Diese Unternehmen waren 2008 für ein Viertel aller Dividenden im Stoxx-600-Index verantwortlich. Doch nun werden sie ihre Ausschüttungen reduzieren entweder weil sie Staatshilfe akzeptiert haben oder um zu sparen.

Wenn derzeit Unternehmen ihre Gewinnprognosen herunterschrauben, dämpfen sie damit auch die Dividendenerwartungen. 2009 sollen die Gewinne europäischer Unternehmen um 25% niedriger ausfallen als im vergangenen Jahr.

Produktionswerte gefährdet

Und die Ausschüttungen werden um etwa 20% zurückgehen, schätzen Analysten der UBS. Raj Shant verwaltet bei Newton Investment Management in London ein Anlagevolumen von 50 Mio Dollar. Der Fondsmanager prognostiziert einen 15%igen Rückgang bei europäischen Dividenden: «Besonders gefährdet sind der Sektor Produktionstechnik und die Autobranche. Dort verschliessen Analysten und das Management immer noch die Augen. Sie überschätzen ihre Gewinne und Cashflows und somit auch ihre Dividende.» Und selbst wo die Dividenden gekürzt wurden, sind die Aktienkurse noch schneller gefallen.

Rendite steigt mit tiefen Kursen

Die aktuelle durchschnittliche Dividendenrendite der Unternehmen aus dem Euro-Stoxx-600-Index liegt unüblich hoch bei 5,3%. 2008 waren es 4,8% und das Jahr davor 2,6%. Der Stoxx 600 stieg in diesem Jahr um 0,8%, nachdem er 2008 um 46% zurückgegangen war. Eine aussergewöhnlich hohe Dividendenrendite ist meist die Folge eines Kurssturzes bei der jeweiligen Aktie, weil die Anleger das Vertrauen in das Unternehmen verloren haben.

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Das lässt sich am Exempel der Finanztitel zeigen: Die Dividendenrendite europäischer Bankaktien liegt aktuell im Schnitt bei 11,6%.