Die Swiss-Re-Aktie zählt zu den stärksten Werten der letzten zehn Handelstage - trotz heraufgesetzter Schadensschätzungen aus dem Chile-Erdbeben, der Ungewissheit um die Stärke der kommenden Hurrikansaison im Golf von Mexiko und der absehbaren Zahlungen im Gefolge der Ölkatastrophe vor der Küste Floridas.

Doch für einmal hatten die Anleger nur offene Ohren für positive Meldungen: Diese kamen vom Investors Day, den Swiss Re Mitte Juni in London abgehalten hat. Das Swiss-Re-Management hatte in London die ausreichende Solvabilität sowie die günstigen Wachstumsperspektiven im Nichtleben-Rückversicherungsgeschäft betont.

Für die nächsten zehn Jahre soll in diesem Bereich aufgrund der zunehmenden Nachfrage aus den aufstrebenden Ländern ein jährliches Plus von 6,5% winken, versprach das Swiss-Re-Management. Das wäre im Übrigen ein deutlicherer Zuwachs, als der Konzern im Leben-Rückversicherungsgeschäft verzeichnen kann.

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Diskrepanz bei Schätzungen

Bei den zuständigen Analysten verfing die optimistische Prognose allerdings weniger. «Wir selber gehen bei Rückversicherungen eher von einem jährlichen Wachstum zwischen 0 und 2% im NichtlebenGeschäft in diesem Zeitraum aus», kommentieren die Analysten von Unicredito. Ein Aspekt der konträren Sichtweise von Swiss Re könnte jedoch sein, dass sich das aktuelle Geschäft aufgrund des harten Wettbewerbs eher am zyklischen Tief bewege, so die Analysten zur Diskrepanz zwischen den Schätzungen. Der Wettbewerb ist auch deshalb so hart geblieben, weil es bei den zahlreichen auf den Bermudas domizilierten Rückversicherungen nach der Finanzkrise nicht zu den erwarteten Ausfällen und Rückzügen gekommen ist.

Drohende Währungsverluste

Einer der zentralen Kennwerte für die finanzielle Gesundheit einer Versicherung ist der Wert des bilanzierten Aktienkapitals. «Hier erwarten wir für das laufende Quartal keine Veränderungen», heisst es von den Analysten der Citigroup. Denn die eher bescheidene Gewinnausweitung und die nicht realisierten Anlagegewinne dürften jeweils durch Währungsverluste aufgewogen werden, so die Meinung der Analysten. Die Aktie sei gegenwärtig mit 76% des Buchwertes bewertet.

Ist sie damit attraktiv? Jein, finden die Analysten der Investmentbankboutique Keefe, Bruyette & Woods. «Die Aktie sieht günstig aus, wenn man sie am Firmenwert bemisst.» Gemessen am Gewinn erscheine der Kurs dann aber nicht mehr so attraktiv, weil das Überschusskapital kaum interessante Renditen erwirtschafte und das Investmentportefeuille deutlich weniger Risiken aufweise.

Rückkehr zu steten Dividenden?

Swiss Re hat indessen 12 Mrd Dollar an Überschusskapital angesammelt, um das begehrte «AA»-Rating von Standard & Poor’s, einer der drei grossen Ratingagenturen, zurückzugewinnen. Allgemein rechnen Analysten mit einer Rückzahlung des Rettungs-Wandlers an Berkshire Hathaway im kommenden Frühling 2011. Ob und was Aktionäre von dem angesammelten Kapital haben werden, ist noch offen. «Wir erwarten nicht, dass die Gruppe ihren Aktionären einen Aktienrückkauf anbieten wird», heisst es von den Analysten der Bank Vontobel, «vielmehr dürfte die Swiss Re ihre Dividendenrückzahlungen normalisieren.»

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