Paul Wolfowitz, der ehemalige Präsident der Weltbank, ist nicht als Schönredner bekannt. Er nennt Probleme beim Namen und teilt oft harsche Kritik aus. Umso mehr lässt es aufhorchen, wenn er nun sagt: «Afrika ist zu einem Kontinent der Hoffnung geworden.»

Wolfowitz war einer der Redner auf einem Afrika-Symposium vergangene Woche in Berlin. Doch hier ging es diesmal nicht um Entwicklungshilfe, Spenden oder andere Unterstützungsmassnahmen. Stattdessen hatten sich Vertreter aus Politik und Wirtschaft zusammengefunden, um über Investitionsmöglichkeiten zu sprechen. Fast alle teilten die Sicht des Ex-Weltbankpräsidenten, dass Afrika endlich zur übrigen Welt aufschliessen kann. Für die Firmen bedeutet dies neue Produktions- und Absatzmärkte mit guten Gewinnaussichten. Auch Anleger können auf Afrika setzen und so vom künftigen Wachstum der dortigen Wirtschaft profitieren.

Über Jahrzehnte lag das Wachstum in Afrika weit hinter dem weltweiten Durchschnitt. Doch dies hat sich geändert. «Es sieht so aus, dass Afrika 2007 zum fünften Mal nacheinander ein Wachstum von mehr als 5% erreicht hat», stellt Andrew Garthwaite von der Credit Suisse fest. Und was noch wichtiger ist: Dieses Wachstum scheint nachhaltig zu sein. Bis 2011 prognostiziert Garthwaite eine Rate von 5,3% jährlich, deutlich mehr als der globale Schnitt von 3,4%.

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Verbesserte Rahmenbedingungen

Zu den Ursachen für die besseren Aussichten gehören die Beilegung vieler militärischer Konflikte sowie die Liberalisierung der Wirtschaft und die Schaffung stabiler Rahmenbedingungen in vielen Ländern. Vor allem aber sorgen die hohen Rohstoffpreise für einen Schub. Ein Anstieg der Notierungen um 10% lässt die Exporte Afrikas im Schnitt um 3,2% zulegen. Die Preise sind in den vergangenen Jahren deutlich stärker gestiegen.

Experten sehen jedoch auch erste Anzeichen für eine Diversifikation der Wirtschaft. «70% der ausländischen Direktinvestitionen flossen in den vergangenen Jahren in den Telekommunikationssektor», sagt Rafi Ghazi von der African Development Corporation (ADC). Sein Unternehmen agiert in Ruanda als Private-Equity-Investor. Die ADC – eine Fondstochter der börsennotierten Altira – hat in Europa und Amerika Geld bei Grossinvestoren gesammelt und kauft sich damit in Firmen des zentralafrikanischen Landes ein. Im Portfolio hat er Finanzdienstleister und IT-Firmen. Er ist überzeugt: «Afrika bewegt sich vom Hilfsempfänger zu einem Kontinent, der sein Schicksal selbst in die Hand nimmt und auf Investitionen setzt.»

Doch nicht nur für Unternehmer und Grossinvestoren wird Afrika interessant. Auch für Privatanleger gibt es Möglichkeiten, am dortigen Aufschwung teilzuhaben. «Afrika ist wohl das letzte unerforschte Territorium. Auf Sicht von fünf bis zehn Jahren bieten sich exzellente Wachstumschancen», sagt Jose Rasco von Merrill Lynch.

Bereits in den vergangenen Jahren entwickelte sich der S&P-Africa-40-Index, der die 40 grössten und liquidesten Börsengesellschaften des Kontinents abbildet, besser als andere Indizes. Vor allem waren die afrikanischen Aktien von den Kurseinbrüchen der vergangenen Monate so gut wie gar nicht betroffen. Nach Ansicht von Experten eignen sich die Titel wegen ihres Eigenlebens daher auch zur Risikostreuung im Potfolio.

Ein Problem ist jedoch, dass die grossen afrikanischen Unternehmen bislang fast ausschliesslich aus zwei grossen Regionen kommen: Aus Südafrika und den nordafrikanischen Staaten (Marokko, Ägypten). In den Börsen aller anderen afrikanischen Staaten gibt es insgesamt nur 500 Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von insgesamt rund 100 Mrd Dollar. Allein die Börse Johannesburg umfasst dagegen 167 Unternehmen in einem Gesamtwert von 483 Mrd Dollar, Ägyptens Gesellschaften bringen 80,2 Mrd Dollar auf die Börsenwaage.

Zertifikat für Privatanleger

Daher bilden auch die meisten Afrika-Zertifikate, die bislang für Privatanleger zugänglich sind, fast ausschliesslich Unternehmen aus Süd- oder Nordafrika ab. Immerhin weiten sie ihren Horizont aber allmählich aus. So hat jüngst die ABN Amro ein Indexprodukt auf den S&P Africa 40 aufgelegt. In diesem Marktbarometer machen Unternehmen aus Ghana, Mali, Nigeria, Sambia oder dem Kongo immerhin ein Drittel aus. Zum Grossteil handelt es sich dabei um Rohstoffkonzerne oder Banken.