USTER TECHNOLOGIES. Mangelnder Wagemut ist dem Management um CEO Geoffrey Scott sicher nicht vorzuwerfen: Im übelsten Börsenwetter brachte es das Textiltechnologie-Unternehmen Uster Technologies Ende Oktober an die SWX Swiss Exchange. Doch diesen Mut wusste das Anlegerpublikum bisher nicht zu schätzen – die Uster-Aktie hat seit dem Börsengang 13% an Wert verloren. Aktuell notieren die Titel bei 44 Fr.

Dass der Neuling im Börsenrund nicht mit offenen Armen empfangen wurde, hat aber vor allem mit der Stimmung an den Finanzmärkten zu tun. Solange dort nämlich die Rezessionsangst umgeht, setzen die Aktionäre lieber auf Schwergewichte, deren Geschäft sich unabhängiger von der Konjunktur entwickelt – sprich Nestlé. Wenig gefragt sind dagegen Nebenwerte, deren Geschäft zyklischen Trends unterliegt. Sprich Uster Technologies.

Kandidat für eine Übernahme

Dabei verfügen die neuen Titel durchaus über Eigenschaften, die einen zweiten Blick verdienen. Für rein gewinnorientierte Anleger ist dies sicher die hohe Ebit-Marge von zuletzt 16,7%. Für die hohe Profitabilität verantwortlich ist nicht zuletzt das Wirken der Private-Equity-Investoren – darunter auch die Schweizer Capvis –, die das Unternehmen in seiner Nische seit 2003 auf Erfolg getrimmt haben. Dort, in der Qualitätskontrolle der Textilherstellung, ist Uster weltweit ein führender Anbieter. Und gleichzeitig auch der einzige «reine» Textilwert an der SXW. Das macht die Aktie interessant für Portefeuille-Kombinationen, aber auch zum potenziellen Übernahmeziel: Branchenriesen wie Itema sind ebenso auf Akquisitionstour wie die chinesische Konkurrenz. Und auch die grossen Schweizer Player OC Oerlikon und Rieter haben wiederholt Spezialwissen eingekauft. Trotzdem ist die Aktie mit einem relativ günstigen Kurs-Gewinn-Verhältnis von 12 im Jahr 2008 nur für langfristig denkende Investoren ein Kauf: Denn es droht derzeit nicht nur die Rezession, sondern gemäss Helvea-Analyst Volkan Göçmen auch ein Abflauen der Textil-Investitionen.

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