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Investoren müssen flexibel bleiben

Man vor Aktienkurs
Investoren sollten in Aktien investiert bleiben, allerdings müssen sie ihr Risikoexposure aktiv steuern.Quelle: Getty Images

Eine Diversifikation auf alternative Risikoprämien kann das Risiko-Rendite-Profil eines Portfolios verbessern. Insbesondere, wenn traditionelle Vermögenswerte teuer sind.

Von Fiona Frick
am 25.04.2018

Seit der Zeit vor der globalen Finanzkrise wurde keine derart kräftige und synchronisierte makroökonomische Wachstumsdynamik mehr verzeichnet. Obwohl zu erwarten ist, dass sich diese Grundtendenz fortsetzen wird, dürften Störfaktoren zunehmen und Investoren zwingen, sich auf schwierigere und komplexere Bedingungen an den Finanzmärkten einzustellen. Wie Charles Darwin sagte: «Nicht die Stärksten oder Intelligentesten werden überleben, sondern die Anpas-sungsfähigsten».

Wir stehen am Anfang einer neuen Zyklusphase

Ein umfassendes Verständnis aller Risikofaktoren ist von kritischer Bedeutung, da wir am Anfang einer neuen Zyklusphase stehen. Die quantitativen Lockerungsmassnahmen (QE) haben zu einer Änderung des Risikoprofils der grossen traditionellen Anlageklassen geführt. Eine erneute Wende der Risikoerwartungen ist wahrscheinlich, wenn die QE zurückgefahren werden. Die Volatilität als Indikator für das tatsächliche Anlagerisiko ist unserer Ansicht nach kein effizienter Ansatz, obwohl diese von den gängigen Risikomanagementmodellen weithin verwendet wird.

Milliarden von Dollar werden in computergestützte Strategien investiert, welche die Volatilität als Grundlage zur Festlegung der Asset-Allokation verwenden, allerdings dürften diese Modelle die Marktkorrekturen noch verstärken. Für den Aufbau risikoeffizienter Portfolios kann ein erweitertes Spektrum von Kennzahlen zur Risikomessung bevorzugt werden, dazu zählen potenzielle Kapitalverluste, Liquidität, Schiefe oder Extremrisiken. Darüber hinaus ist zu erwarten, dass es aufgrund der knapperen Liquidität und der wachsenden Sorge über den geldpolitischen Kurs in dieser Phase des Konjunkturzyklus häufiger zu Korrelationsschocks kommen kann. Die Korrelation zwischen Aktien- und Rentenmärkten sind nicht starr, da die Renditen für Anleihen steigen und im Gegensatz zu «Aktienrenditen» entsprechend attraktiver werden. 

Investoren sollten in ihren Portfolios verstärkt auf Anlagen setzen

Investoren sollten in ihren Portfolios verstärkt auf Anlagen setzen, die sich in einem wachstumsstarken Umfeld gut entwickeln. Gleichzeitig sollten sie dem Inflationsrisiko Rechnung tragen. Da Marktstressepisoden künftig jedoch häufiger auftreten könnten, ist ein diversifizierter und dynamischer Ansatz unerlässlich. Intelligente Diversifikation bezieht sich nicht nur auf die breite Streuung des Portfolios in verschiedene Anlageklassen, sondern auch auf die Investition in Vermögenswerte, welche unterschiedlich auf die meisten Risikofaktoren reagieren.

Eine Diversifikation durch alternative Risikoprämien, die eine niedrige Korrelation mit traditionellen Strategien wie Carry, Equity Long/Short-Faktoren oder Trend Follower-Strategien aufweisen, kann das generelle Risiko-Rendite-Profil eines Portfolios verbessern, insbesondere in Zeiten, in denen traditionelle Vermögenswerte teuer sind. Gleichzeitig müssen Investoren flexibel bleiben und gegebenenfalls das Beta ihrer Portfolios durch opportunistische Absicherungstrades an den Devisen- und Optionsmärkten senken, wenn die Risikoaufschläge am Markt nicht dem tatsächlichen Risikoniveau entsprechen. Sinnvoll könnte aber auch der Übergang von einem «Beta»-fokussierten Stil auf Strategien sein, welche ihren Schwerpunkt auf die «Alpha»-Generierung legen. Hierzu wäre die Implementierung von Relative Value-Trades erforderlich. 

Aktienanlagen sind nicht vor dem Zinsänderungsrisiko gefeit

Investoren sollten in Aktien investiert bleiben, allerdings müssen sie ihr Risikoexposure aktiv steuern. Im Rückblick haben sich Aktien in einem Umfeld höherer Inflation und strafferer Geldpolitik gut entwickelt. Jedoch haben die Bewertungen in bestimmten Bereichen stark angezogen, so dass Anleger das Aktienrisiko, welches sie in Kauf nehmen wollen, in Zukunft sehr sorgfältig abwägen müssen. Ein passiver Ansatz für die Aktien-Allokation ist unserer Ansicht nach eine potenziell riskante Lösung, da alle Risiken im Markt – vergütete und unnötige – auch im Benchmark enthalten sind. Strategien, die kapitalisierungsgewichtete Indizes abbilden sind besonders riskant, weil sie ein Exposure in überlaufenen und überbewerteten Positionen aufbauen.

Derartige Indizes sind anfällig für Kurseinbrüche, wenn die Investoren beginnen, diese Aktien wieder abzustossen. Im Rahmen einer aktiven Aktienstrategie können Investoren solche nicht vergüteten Risiken vermeiden und sich bewusst auf die vergüteten konzentrieren. Aktienanlagen sind nicht vor dem Zinsänderungsrisiko gefeit. Angesichts der erwarteten geldpolitischen Straffung, müssen Investoren die Sensitivität ihrer Aktienportfolios gegenüber Staatsanleihen berücksichtigen und sie durch eine aktive Aktien- und Branchenauswahl bestmöglich schützen. 

Das Jahr 2018 bietet perfekte Voraussetzungen

Renditen von Private Equity-Investments bleiben wahrscheinlich in den nächsten Jahren attraktiv und erhalten Auftrieb durch das anhaltende Wirtschaftswachstum und die Tatsache, dass die Investoren zur Renditeoptimierung nach Performancequellen ausserhalb der traditionellen Märkte Ausschau halten. Angesichts der hohen Bewertungen werden die Identifikation interessanter Anlagemöglichkeiten und die Einhaltung der Preisdisziplin in diesem Jahr die grössten Herausforderungen für Private Equity-Investoren darstellen.

Deshalb kommen für Investoren nur Unternehmen in Frage, welche in der Lage sind, zwar die geforderte Rendite des Basisszenarios zu erzielen, sich dabei aber nicht ausschliesslich auf Fremdkapital und Multiple Arbitrage verlassen. Angesichts des hohen Wettbewerbs können Strategien bevorzugt werden, die ein Deal-Sourcing ausserhalb der großen Auktionen ermöglichen, wie beispielsweise Small- und Mid-Market-Buyouts oder Branchen bestimmte Transaktionen. Es ist jedoch Vorsicht geboten, denn Private Equity-Investments weisen eine gewisse Korrelation mit börsennotierten Aktien und Hochzinsanleihen auf, und deren Bewertungen sind hoch. Auch hier steht ein selektiver Investitionsansatz im Vordergrund.

Aldous Huxley sagte: «Der Charme der Geschichte und ihrer rätselhaften Lektionen ist, dass sich von einer Epoche zur nächsten nichts verändert, und doch alles vollkommen anders ist». Das Jahr 2018 bietet perfekte Voraussetzungen, um zu beurteilen, ob Asset-Manager fähig sind, ihre Ansätze erfolgreich an das komplexere Marktumfeld anzupassen.

Fiona Frick agiert als CEO von Unigestion.

 

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