Der Kurs des Schweizer Agrochemiekonzerns Syngenta geht durch die Decke. Die Aktie startete über sieben Prozent höher in den Handel – und stieg weiter. Kurz vor 10.00 Uhr steht der Titel mit einem Plus von 8,4 Prozent klar an der Spitze der Blue Chips. Der SMI gewinnt derweil um über zwei Prozent, alle Titel legen zu, nachdem sie tagelang gefallen sind. Gestern schloss der SMI nach dem chinesischen Kurssturz sogar fast vier Prozent tiefer.

Das grosse Interesse an Syngenta fusst auf dem nachgebesserten Übernahmeangebot von Monsanto. Der US-Saatgutriese erhöhe das Angebot für den weltgrössten Pflanzenschutz-Konzern auf 470 Franken je Aktie von bisher 449 Franken, sagte eine mit der Sache vertraute Person am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. Dasselbe berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg.

Firmen schweigen

Ob die Amerikaner die Syngenta-Spitze um Präsident Michel Demaré mit der 47-Milliarden-Dollar-Offerte ins Boot holen können, war zunächst unklar. Syngenta wollte sich wie Monsanto nicht äussern.

Monsanto hat Syngenta in den vergangenen Jahren wiederholt umworben und immer zeigten die Schweizer dem Konzern aus St. Louis die kalte Schulter. Die jüngste Offerte vom Mai diesen Jahres bezeichnete Syngenta als zu tief, zudem seien die mit einem Zusammenschluss verbundenen wettbewerbsrechtlichen Hürden kaum zu überwinden. Doch Monsanto-Chef Hugh Grant liess nicht locker. Er bot wiederholt Gespräche an und versuchte über Grossanleger Druck auf die Syngenta-Spitze zu machen.

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Syngenta-Aktionär setzt Demaré unter Druck

Tatsächlich war unter den Investoren von Syngenta zuletzt Kritik ab dem strikten «Nein» des Managements zu der Offerte laut geworden. Zudem hat sich Insidern zufolge der US-Milliardär und Hedgefonds-Manager John Paulson bei dem Konzern eingekauft und könnte die Schweizer dazu drängen, die Monsanto-Offerte zu akzeptieren.

VR-Präsident Demaré und seine Kollegen brachte dies alles nicht zum Einlenken. Weil sich Grant gleichzeitig weigerte, ohne Einsicht in die Syngenta-Bücher das Angebot zu erhöhen, drohte eine Pattsituation.

Höherer Bar-Anteil

Mit der Angebotserhöhung dürfte nun Bewegung in die Positionen kommen. Denn Monsanto bietet dem Insider zufolge nun nicht nur einen höheren Kaufpreis, sondern auch einen größeren Bar-Anteil statt eigene Aktien. Zudem wolle Monsanto den Schweizern statt zwei Milliarden drei Milliarden Dollar bezahlen, falls der Deal am Widerstand der Regulatoren oder einem anderen Grund scheitert. An der Schweizer Börse notierten Syngenta-Titel am Montag bei 358 Franken.

Ein Insider geht davon aus, dass sich Syngenta nun mit Monsanto an den Verhandlungstisch setzen muss. Großaktionäre haben Syngenta klar gemacht, dass sie Monsanto ohne Rücksprache mit ihnen nicht mehr einfach abweisen können. Ein feindliches Übernahmeangebot ist nach Ansicht von Syngenta und vieler unabhängiger Experten unrealistisch.

Konkurrenten verfolgen Deal

Die Konkurrenten dürften einen möglichen Schulterschluss zwischen den Konzernen mit Argusaugen beobachten.

Frühere Angaben eines Investmentbankers zufolge hat etwa BASF ein Interesse daran, dass Monsanto bei Syngenta nicht zum Zug komme, weil die Amerikaner damit zur absoluten Nummer eins bei Saatgut und Pflanzenschutzmitteln würden. Entsprechend bereite der Ludwigshafener Konzern ein mögliches Gegengebot vor, berichtete Reuters Anfang August mit Bezug auf Insider.

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(reuters/ise/me)