Kasachstan – wer dieses Wort hört, bringt es in der Regel nicht mit einer lukrativen finanziellen Investition in Verbindung. Doch Kasachstan verfügt über riesige Ölreserven. Der Rohstoffexport ins benachbarte China und andere ölimportierende Nationen hat dem neuntgrössten Land erhebliche Gewinne beschert. Das BIP-Wachstum betrug 2007 rund 10% (siehe Tabelle).

Kasachstan gehört zu den sogenannten Frontier Markets – den von der Credit Suisse definierten neuen Emerging Markets. Neben Kasachstan befinden sich derzeit noch Botswana, Marokko, Ukraine, Jordanien, Nigeria, Kolumbien, Peru, Panama und Vietnam im Fokus der Credit Suisse. Alle diese Länder weisen eindrückliche BIP-Wachstumsraten auf (vergleiche Tabelle).

Die «klassischen» Emerging Markets, die BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien und China), blicken auf ein überdurchschnittliches Wirtschaftswachstum zurück. Sie brauchen dabei keinen Vergleich zu scheuen: Während der MSCI Emerging Markets Aktienindex seit 2003 fast fast 270% zugelegt hat, steigerte sich der MSCI World in der gleichen Zeitspanne um 80%.

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Diese Rally hat eine Kehrseite: Mittlerweile werden BRIC-Unternehmen nicht mehr zu einem Bewertungsabschlag gehandelt. Gerade in China haben die Kurs-Gewinn-Verhältnisse bereits sehr hohe Level erreicht – die Warnungen vor einer Überhitzung der Wirtschaft werden immer lauter. «Die traditionellen Schwellenländer sind heute nicht mehr von derselben Wachstumsdynamik geprägt wie in den vergangenen Jahren», fasst Lars Kalbreier, Head of Global Equity & Alternatives Research von der CS, zusammen. So sei etwa Korea, das im Allgemeinen immer noch zu den Emerging Markets gezählt wird, in seinem ökonomischen Profil den Industrienationen bereits sehr ähnlich. «Ein Beispiel dafür ist, dass der Prozentsatz der Menschen mit höherer Ausbildung bereits über demjenigen Europas liegt», präzisiert Kalbreier.

Vor diesem Hintergrund liegt es für Investoren nahe, sich auf Länder zu konzentrieren, welche die sprichwörtliche Schwelle noch nicht überschritten haben.

Next-11 als Konkurrenz

Die Idee, neue und dynamische Schwellenländer mit grossem Aufholpotenzial investierbar zu machen, ist allerdings nicht neu. Goldman Sachs hat bereits Ende 2005 mit dem Next-11-Konzept versucht, Länder zu identifizieren, die in den kommenden Jahrzehnten überdurchschnittliche Wachstumsraten aufweisen. Ins Anlageportfolio geschafft haben es Ägypten, Bangladesch, Indonesien, Iran, Mexiko, Nigeria, Pakistan, Philippinen, Südkorea, die Türkei und Vietnam. Die Performance kann sich, vor allem in Hinblick auf die Subprime-Krise, sehen lassen: Das im April 2007 aufgelegte Open-End-Zertifikat (Valor: 3043385) auf einen Next-11-Basket stieg bis Mitte Januar um knapp 10%. Vor kurzem wurde das erste Rebalancing vollzogen. Eine erste Zwischenbilanz hat ergeben, dass die Türkei und Indonesien den grössten Beitrag zur Basket-Performance ausgemacht hatten. Dagegen hatte Vietnam eher an der Rendite gezehrt.

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Quantitatives Auswahlverfahren

Auf die Frage, was den neuen CS-Ansatz von der Goldman-Sachs-Idee unterscheide, antwortet Hervé Prettre, Head of Thematic and Trading Research bei der CS: «Im Gegensatz zum Next-11-Konzept basiert unser Auswahlverfahren auf quantitativen Kriterien.» Es handelt sich dabei um ein Punktesystem, das je nach Beurteilung von verschiedenen Kriterien ein Ranking der «Index-Kandidaten» vornimmt.

Kriterien sind dabei etwa ein tiefer Verschuldungsgrad, eine positive Handelsbilanz, eine geringe Marktkapitalisierung des Finanzmarktes, eine tiefe Bewertung und geopolitische Stabilität. Der Index wird ab Mitte Februar in Form von strukturierten Produkten investierbar sein.