Apples jüngstes Produkt, der Tablet-Computer iPad, verzeichnete gleich am ersten Tag einen Rekordverkauf: Inklusive der abgearbeiteten Vorbestellungen wurden am Samstag vor Ostern in den USA 300000 Stück verkauft. Zum Vergleich: Das erste iPhone-Modell erreichte am ersten Verkaufstag «nur» die 270000-Stück-Marke. «Auch wenn die Zahl etwas unter den abgehobenen Erwartungen und unserer eigenen Schätzung lag, die von 400000 bis 500000 Einheiten ausgegangen war, ist das immer noch eine solide Zahl für einen einzelnen Verkaufstag», kommentierten die Analysten der Credit Suisse in einer ersten Kurzstudie, und ergänzen: «Man darf nicht vergessen, dass die 3G-Version des iPad noch nicht erhältlich ist. Diese dürfte einen weiteren Verkaufshöhepunkt später im April bewirken.» Bei der Credit Suisse geht man von 1,1 Mio verkauften iPads im laufenden Quartal aus, 4,8 Mio bis Jahresende und 8,7 Mio für das kommende Jahr.

Weiteres Potenzial bei Apple

Hinzu kommen die verkauften Apps und E-Bücher. Die iPad-User luden in den ersten Tagen über 1 Mio Apps sowie über 250000 E-Books auf ihre Neuerwerbungen. «Die Apple-Aktie bleibt unsere Top-Empfehlung», kommentieren die Analysten weiter, «und wir empfehlen, auch auf dem aktuellen Niveau hinzuzukaufen.»

Neben dem gut angelaufenen iPad-Verkauf kommen weiterhin sprudelnde iPhone-Umsätze und die konjunkturzyklische Erholung bei Notebook- und Desktop-Computern hinzu. «Damit könnten die Konsenserwartungen weiter steigen und die Aktie ebenfalls.» Die Credit-Suisse-Analysten rechnen für das laufende 3. Quartal mit einem Gewinn von 2.73 Dollar pro Aktie und für das per Ende September abzuschliessende Geschäftsjahr mit einem Gewinn von 12.53 Dollar. Daraus errechnet sich auf aktuellem Kursniveau ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 19. «Auch wir erwarten ein Aufwärtspotenzial bei der Konsensschätzung», ergänzen die Analysten der Bank of America. Hier liegt die Jahres-Gewinnschätzung pro Aktie mit 12.20 Dollar ebenfalls leicht über der Erwartung des Marktes (11.74 Dollar).

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Im Schlepptau des steigenden Apple-Aktienkurses verbesserten sich auch Hewlett-Packard (HP) und Microsoft leicht. Wer gründlich im Produktekatalog sucht, findet auch bei HP ein «Touch-Smart»-Tablet-Modell, das hinsichtlich des Absatzes freilich weit hinter den hauseigenen Netbooks und Laptops liegt. HPs gegenwärtige Konkurrenten sind nicht so sehr Apple als vielmehr Oracle, nach dem Kauf des Serverherstellers Sun sowie Cisco, das mit eigenen Servern in HPs Domäne einzudringen versucht.

«Wenn man alles aus einer Quelle bezieht, sind oft einzelne Elemente suboptimal», sagt HP-Informatikchef Randy Mott zu den Komplettangeboten der Konkurrenten, «wir sind auch als Anbieter der Auffassung, dass sich alle Teile einer Lösung auch einzeln auf den Märkten behaupten müssen, damit sie richtig gut sind.»

HP lanciert jetzt eine Verkaufsoffensive, um unzufriedene Sun-Kunden zu gewinnen, diese erhalten neuerdings teure Support-Rechnungen.

Zurückhaltung bei Microsoft

Die Analysten von Stiefel erneuerten jetzt ihre Kaufempfehlung für HP und setzen ein Kursziel bei 62 Dollar, entsprechend dem 12-Fachen der Gewinnschätzung für 2011.

Bei Microsoft stellt sich laut den Analysten von Jefferies die Frage, ob das Unternehmen an die erfolgreiche Zeit vor 2004 anknüpfen kann, als man eine «fast-follower»-Strategie des raschen Kopierens von anderen bei Office-Software, E-Mail-Programmen und Server-Betriebssystemen verfolgte. Jetzt versucht das Unternehmen mit Windows 7, Office 2010, der Suchmaschine «Bing» und dem Handy-Betriebssystem 7 an diese Zeiten anzuknüpfen. Sowohl Windows 7 als auch das Handy-Betriebssystem eignen sich theoretisch für Tablet-Plattformen. «Der Erfolg lässt sich erst in einigen Jahren einschätzen», geben sich die Analysten vorsichtig. Sie erwarten für das per Ende Juni zu Ende gehende laufende Geschäftsjahr einen Gewinn von 2.03 Dollar pro Aktie, womit Microsoft mit dem 15-Fachen dieser Gewinnschätzung bewertet ist. Die Aktie empfiehlt sich laut den Analysten nur für Anleger mit langem Investitionshorizont.