Die angespannte Situation an den Finanzmärkten hemmt die IPO-Aktivitäten der Unternehmen in der Schweiz. Während vor einem Jahr bereits vier Gesellschaften die Publikumsöffnung vollzogen haben, hat 2008 erst die Beteiligungsgesellschaft HBM Bioventures den Börsengang gewagt. «Die Gesellschaften sind angesichts der Marktlage vorsichtig und zurückhaltend», sagt Philipp Hofstetter, Leiter Corporate Finance von PricewaterhouseCoopers Schweiz. Auch die jüngste Erholung der Märkte hat zu keiner Entspannung geführt. «Die Verbesserung an der Börse wird wachsam verfolgt. Doch die hohe Volatilität lässt die Gesellschaften weiterhin zögern», ergänzt Hofstetter.

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Die aktuellen Rahmenbedingungen an den Finanzmärkten verstärken allerdings auch einen Trend, der durch Speedel im Jahr 2005 eingeläutet und von HBM Bioventures im Februar fortgesetzt wurde: Statt eines klassischen IPO, welches neben der Kotierung an einer Börse eine Kapitalaufnahme vorsieht, werden die beiden Schritte getrennt voneinander angegangen. «Diverse Firmen überlegen sich dieses Vorgehen oder machen sich derzeit fit für einen Börsengang, um in einem verbesserten Börsenklima für eine Kapitalaufnahme bereit zu sein», sagt Hofstetter.

Erfahrung von der Berner Börse

Diesen Trend bestätigt der Industriekonzern Looser, welcher Mitte Juni den Wechsel von der Berner Börse BX an die SWX vollziehen will. «Wir werden ein Listing machen und keine Kapitalerhöhung, da die Rahmenbedingungen heute sehr schwierig sind», erklärt Looser-CEO Christian Niederkofler (siehe Interview).

Dass ein Listing in Zürich für den Konzern aus Arbon trotzdem interessant ist, erklärt der Firmenchef mit der Grösse des Unternehmens und seinen potenziellen Investoren. «Wir erzielen heute einen konsolidierten Umsatz von 500 Mio Fr. und beschäftigen rund 1600 Mitarbeiter. Mit dieser Grösse gehören wir eher an die SWX als an die BX», so Niederkofler. Hinzu komme, dass es vielen institutionellen Anlegern nicht erlaubt sei, an der auf regionale Werte fokussierte Berner Börse zu investieren.

Die Titel des Industriekonglomerats mit den beiden Geschäftsbereichen «Coatings» (Beschichtungen) und «Industrial Services» werden seit 2006 an der BX gehandelt. Dadurch erreichte das Unternehmen eine breitere Öffentlichkeit, während sich das Management und der Verwaltungsrat auf die Rahmenbedingungen und Voraussetzungen der SWX vorbereiten konnte.

Kapital für Akquisitionen

Doch nicht alle Gesellschaften wählen die zurückhaltende Variante: In den nächsten Wochen will die Burkhalter-Gruppe, der Anbieter von Elektrotechnik-Dienstleistungen im und am Gebäude, sein IPO an der Schweizer Börse. «Wir sind überzeugt, dass unser Unternehmen als defensiver Wert gut in diesem Risikoumfeld ankommen wird», ist Burkhalter-CEO Marco Syfrig überzeugt. Er nimmt zudem in Kauf, dass sein Unternehmen zum Börsengang möglicherweise nicht den maximalen Preis für seine Aktien lösen wird, doch scheint ihm ein Zuwarten angesichts des erwarteten Wachstumspotenzials von 20% die schlechtere Alternative. Mit dem Erlös der neu ausgegebenen Aktien will die Burkhalter-Gruppe Bankverbindlichkeiten sowie nachrangige Aktionärsdarlehen zurückzahlen und ausgewählte Akquisitionen finanzieren. «Aufgrund der tiefen Eigenkapitalquote konnten wir in den letzten Jahren kaum Akquisitionen tätigen», sagt Syfrig.

Das Geschäftsmodell von Burkhalter basiert auf dem Zukauf von Elektrotechnikfirmen, die ihre unternehmerischen Freiheiten behalten, jedoch vom Know how und den Dienstleistungen der Gruppe profitieren.

Weniger Börsengänge als 2007

Trotz Looser und Burkhalter dürfte die Anzahl Börsengänge im laufenden Jahr deutlich unter jenen von 2007 liegen, als zehn Firmen ihr Debüt auf dem Börsenparkett gaben. «Ich erwarte vier oder fünf Börsengänge im laufenden Jahr, wobei zwei davon reine Listings sein werden», schätzt Hofstetter. Eine genaue Prognose sei angesichts der angespannten Lage jedoch schwierig.

NACHGEFRAGT Christian Niederkofler, CEO Looser Holding

«Wir wollen Freefloat von 60 Prozent»

Wann werden die Looser-Aktien erstmals an der SWX gehandelt?

Christian Niederkofler: Das Gesuch bei der SWX-Kotierungsstelle ist eingereicht. Ich gehe davon aus, dass Looser spätestens Mitte Juni gelistet sein wird. Wir werden ein Listing machen und keine Kapitalerhöhung, da die Rahmenbedingungen heute sehr schwierig sind.

Werden Sie die Kapitalerhöhung nachholen?

Niederkofler: Wir haben genehmigtes Kapital über 500000 Aktien geschaffen und werden eine Platzierung vornehmen, sobald sich die Stimmung an den Kapitalmärkten verbessert hat. Die neuen Aktien können wir auch für eine Akquisition einsetzen.

Sind Sie im Gespräch mit interessierten Investoren?

Niederkofler: Der Kontakt besteht. Nach der SWX-Kotierung werden wir unsere Bemühungen verstärken, um den Freefloat von heute 38 auf 60% zu erhöhen. Wir wollen ein ausgeglichenes Aktionariat zwischen privaten und institutionellen Anlegern erreichen.

An welche Zukäufe denken Sie?

Niederkofler: Im Bereich Coatings handelt es sich um eine Minderheitsbeteiligung an einem Lohnlackierer in den USA. Bei den Raumsystemen werden wir unseren Position in Deutschland und Österreich über eine Akquisition verstärken. Die Verhandlungen laufen aber noch.

Wie weit sind Sie mit dem angekündigten Aufbau eines dritten Bereichs?

Niederkofler: Dies ist kein integraler Bestandteil unserer Strategie, sondern eine Antwort auf die laufend geforderte Fokussierung. Die Familie Looser und das Management haben viel Vermögen in die Firma investiert. Da eine Diversifikation so nicht möglich ist, muss die Firma aus Risikoüberlegungen diversifizieren.

Die Forderung nach einer Aufspaltung dürfte mit dem Gang an die SWX weiter zunehmen.

Niederkofler: Solange wir mit unserem Businessmodell eine überdurchschnittliche Steigerung des Umsatzes und der operativen Kennzahlen erreichen, werden wir keine enttäuschten Aktionäre haben.