Die Gerüchteküche brodelt: Als mögliche Käufer für die Fonds-Tochter iShares von Barclays werden etwa Goldman Sachs, Bain Capital oder Hellman & Friedman gehandelt. iShares gilt als Filetstück der drittgrössten Bank in Grossbritannien. Mit einem weltweiten Marktanteil von 45% ist iShares mit grossem Abstand die Nummer eins im Markt für Exchange Traded Funds (ETF). Rund ein Fünftel der von Barclays verwalteten Vermögen geht auf das Konto der Tochter. Der ETF-Leader gilt als hochprofitabel. Ausserdem ist das Geschäft mit den kotierten Indexfonds ein Wachstumsmarkt. Im letzten Jahr stieg der Börsenumsatz mit ETF um 54%. Analysten gehen davon aus, dass der Verkauf von iShares 3 bis 5 Mrd Pfund (4,8 bis 8,1 Mrd Fr.) einbringen könnte.

Know-how soll erhalten bleiben

Der Käufer dürfte grosses Interesse daran haben, die derzeitigen Mitarbeiter von iShares nicht zu verlieren. Laut Pressesprecher Marc Bubeck arbeiten für die Sparte Barclays Global Investor (iShares ist lediglich der Markenname für das ETF-Geschäft) weltweit 3700 Leute. In der Schweiz sind knapp 10 und in Deutschland (wo auch Österreich abgedeckt wird) 60 Mitarbeiter beschäftigt. Das Know-how der Mitarbeiter spielt im ETF-Geschäft eine wichtige Rolle. Wegen der tiefen Gebühren und engen Margen würden Ineffizienzen beim Bau oder der Verwaltung der Vehikel das Produkt kaputt machen.

CS will in Europa wachsen

In der Schweiz ist iShares der drittgrösste Player im Markt (siehe Grafik). Nachdem die Credit Suisse mit 30 bis 40% Marktanteil noch 2008 Marktführer war, vermochte die Zürcher Kantonalbank (ZKB) jüngst an Terrain zu gewinnen. Im Februar machte die ZKB 42% des Marktes für sich aus. Doch jetzt will die CS aufholen.

Anzeige

Noch in diesem Jahr will sie laut Beat Rüegg, Leiter ETF-Distribution Schweiz, eine Reihe von neuen Produkten lancieren und dabei «den starken Namen von Xmatch in der Schweiz nutzen, um die Marktposition in Europa zu stärken». Bisher fokussierte die CS vor allem auf Schweizer Indizes als Basiswerte. Jetzt sollen Produkte mit «globaler Abdeckung» folgen.

Rüegg erachtet das Potenzial der ETF als sehr gross. Und «es hat hierzulande und in Europa noch Platz im ETF-Markt», so Rüegg. Trotz Wettbewerb sei die ETF-Community in der Schweiz bis heute «wie eine grosse Familie», beschreibt der CS-Mann die Ambiance. Grundsätzlich zieht man am selben Strick. Und: «Vielleicht ändert sich das ja mit zunehmendem Wettbewerb eines Tages.»

 

 


Anleger betrifft iShares-Wechsel

Was ändert sich für Anleger, die iShares-Produkte besitzen? ETF sind Sondervermögen. Deshalb besteht in der Regel kein Gegenparteienrisiko. Einige Anbieter der passiv gemanagten Index-Fonds greifen jedoch bei der Index-Replikation auf Swap-Geschäfte zurück. Swaps sind Tauschgeschäfte, welche die Gegenpartei, also eine Investmentbank, verpflichten, die Indexrendite an den ETF zu zahlen.

Sollte aber im schlimmsten Fall die Investmentbank ausfallen, so sind maximal 10% des Fondsvermögens gefährdet. Diese Höchstgrenze schreibt das Gesetz vor. Potenziell wäre also mit dem Verkauf von iShares auch ein Wechsel der Gegenpartei bei den Swap-basierten Vehikeln möglich. Falls die neue Gegenpartei eine weniger gute Bonität aufweist, könnte dies vorsichtige Anleger alarmieren.

In der Schweiz greift jedoch keines der 48 kotierten iShares-Produkte auf die Swap-Replikation zurück - womit diese Gefahr gebannt ist. Anders sähe die Situation bei den ETF der Deutschen Bank, Lyxor oder ABN Amro aus. Alle in der Schweiz gelisteten Produkte sind swap-basiert. (maj)