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Italiens Politik-Chaos setzt Finanzmärkte unter Stress

Italien
Eine Vertrauenskrise hätte vor allem auch für zahlreiche italienische Banken verheerende Folgen. Quelle: Keystone

Die Unsicherheit in Italien bringt die Aktienkurse zum fallen. Auch der Schweizer Markt ist betroffen. Investoren flüchten in sichere Häfen.

Veröffentlicht am 29.05.2018

Die politischen Querelen in Italien setzen die Finanzmärkte weltweit unter Druck – auch den Schweizer Markt. Während die Aktienkurse weiter fallen, sind verstärkt sichere Häfen wie Staatsanleihen und auch der Schweizer Franken gefragt.

Nachdem sich am Montagmorgen zunächst noch eine vergleichsweise entspannte Haltung der Investoren angedeutet hatte, drehte die Stimmung im Tagesverlauf merklich. Dass die Reaktionen an diesem Dienstag noch deutlicher ausfallen könnten, liegt vor allem daran, dass zum Wochenstart sowohl in Grossbritannien als auch den USA die Börsen wegen Feiertagen geschlossen geblieben waren.

Mit der gescheiterten Regierungsbildung droht jetzt ein institutioneller Zweikampf zwischen den beiden populistischen Kräften Fünf Sterne und Lega einerseits sowie Staatspräsident Sergio Mattarella andererseits. So wird das Land bis zu den Neuwahlen wohl keine handlungsfähige Regierung haben, da die von Mattarella vorgesehene Expertenregierung im Parlament keine Mehrheit finden wird.

Notenbank sorgt sich um mögliche Vertrauenskrise

Die Sorge um die politische Hängepartie ist mittlerweile auch auf Asien übergeschwappt, wo die Märkte an diesem Morgen leichter aus dem Handel gegangen sind. Für den US-Markt zeichnet sich nach dem verlängerten Wochenende ebenfalls ein schwacher Start in die Handelswoche ab, wie die jüngsten Indikationen zeigen.

Wenig förderlich dürften vor diesem Hintergrund auch die Aussagen der italienischen Notenbank sein, die vor einem Verlust des Vertrauens in Italiengewarnt hat.

«Wir dürfen niemals vergessen, dass wir immer nur ein paar Schritte vom sehr ernsten Risiko eines Verlusts des unersetzbaren Guts von Vertrauen entfernt sind», sagte Ignazio Visco, Gouverneur der italienischen Notenbank, am Dienstag in Rom. Eine Finanzkrise müsse vermieden werden. Visco bestimmt auch im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) über die Geldpolitik mit.

Verheerende Folgen für Banken

Eine Vertrauenskrise hätte vor allem auch für zahlreiche italienische Banken verheerende Folgen. Wie eine Studie der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich zeigt, machen italienische Staatspapiere etwa 20 Prozent der Vermögenswerte der italienischen Banken aus, zitiert etwa das Onlineportal «Zerohedge». Teilweise übersteigt die Höhe der Staatsanleihen das Tier1-Kapital um das Vierfache, heisst in dem Bericht weiter.

Nicht überraschend also, dass Bankaktien europaweit zu den grössten Verlierern zählen. Im Schweizer Leitindex SMI führen Banken und Versicherer geschlossen die Verliererliste an.

Franken als sicherer Hafen gesucht

Die Suche nach sicheren Häfen beschert aber vor allem auch dem Franken einen verstärkten Zulauf. So hat er zum Euro in den letzten Tagen deutlich aufgewertet. Entsprechend ist der Euro derzeit mit 1,1515 Franken so teuer wie zuletzt Ende Februar.

Und auch am Bondmarkt haben die Turbulenzen Folgen. In den vergangenen Tagen ist der für den Schweizer Markt richtungsweisende Conf Future immer weiter gestiegen. Der Aufwärtstrend hat auch beim Kassazinssatz seine Spuren hinterlassen: Die täglich von der Schweizerischen Nationalbank errechnete Durchschnittsrendite für Bundesobligationen bei einer Laufzeit von 10 Jahren ist erstmals seit Januar wieder ins Minus gefallen.

(sda/bsh)

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