Alles schien im Oktober schief zu gehen, was schief gehen konnte. Für Autor und Anleger Nassim Nicholas Taleb war dies ein Glücksfall. Er veröffentlichte 2007 das Buch «Der Schwarze Schwan», einen Bestseller über die Auswirkungen von unwahrscheinlichen Ereignissen auf die Welt und die Finanzmärkte. Taleb war Mitgründer des Hedge-Fonds Universa Investment, dessen Strategien auf Leitmotiven des Buchs beruhen.

Nach Insiderangaben waren einzelne Fonds innerhalb Universal sogenanntem Black Swan Protection Protocol im Oktober zwischen 65% und 115% im Plus. «Wir haben die Fragilität des Finanzsystems entdeckt», meint Taleb. Laut dem Professor für Finanzökonomie an der New York University ignorierten Anleger oft das Risiko extremer Bewegungen im Markt, vor allem, wenn die Volatilität so niedrig wie in den vergangenen Jahren ist. «Der Schwarze Schwan» spielt auf die Auffassung an, dass alle Schwäne weiss wären. Diese Ansicht galt so lange, bis europäische Entdecker in Australien auf schwarze Schwäne stiessen. Ein Black-Swan-Ereignis ist das höchst Unerwartete.

Ein lukratives Beispiel

Universa verwaltet mittlerweile fast 2 Mrd Dollar. Während Taleb Berater ist, wird der Fonds von Eigentümer Mark Spitznagel gemanagt, der einige Jahre als Parketthändler in Chicago arbeitete. In Umsetzung der Strategie kauft Universa weit aus dem Geld liegende Verkaufsoptionen auf Aktien und Indizes und wettet darauf, dass der Markt stark fällt. In den meisten Monaten erreicht man mit dieser Strategie den Breakeven oder bucht kleine Verluste, während man auf periodische Volatilitätsausbrüche wartet. Die bringen dann massive Gewinne. Beispiel: Ende September stand der S&P 500 bei 1200 Punkten. Universa kaufte Put-Optionen, die fällig wurden, bei einem Indexstand von 850 per Ende Oktober zum Stückpreis von 90 Cent. Am 10. Oktober stand der Index bei 851 Punkten. Universa verkaufte die Optionen in den Tagen zuvor oberhalb der 50-Dollar-Marke.

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