MERGER & ACQUISITION.

Sie sind zurzeit die mit am meisten Aufmerksamkeit bedachten Käufer: Der staatliche Investmentfonds aus Singapur und der unbekannte Investor aus dem Mittleren Osten, die für 13 Mrd Fr. Zwangswandelanleihen an der gestrauchelten Grossbank UBS erworben haben.

Aber die einzigen sind sie nicht. Allein unter den Schweizer Blue Chips haben Swiss Life mit AWD und SGS mit FTS in den letzten Tagen Zukäufe getätigt. Novartis und Bâloise wurden ihrerseits wiederholt als Käufer gehandelt. Mittlerweile ist der Funken auch aufs breite Anlegerpublikum übergesprungen – der Anteil der «Bullen» ist dort in den letzten Tagen von knapp 30 auf über 40% gestiegen. Mit dieser Unterstützung im Rücken konnte der Swiss Market Index (SMI) innert Wochenfrist weiter gegen die 9000-Punkte-Marke vorrücken.

Jetzt sind die Firmen am Zug

Damit ist den Übernahmespekulationen das Comeback an die Kurs-Tableaux gelungen. Zur Erinnerung: Anfang Jahr waren es insbesondere die Käufe von Finanzinvestoren, welche die Aktienmärkte auf neue Rekordstände trieben. Dann kam mit der Kreditkrise im Sommer der Einbruch. Grosse Deals wurden auf Eis gelegt. Die Volumen sackten zusammen.

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Erst jetzt zeigen sich die Beobachter optimistischer. «Die Übertreibungen sind draussen, die Preise sind realistischer geworden», sagt Marc Möckli, Partner bei der auf Schweizer Mergers & Acquisitions (M&A) spezialisierten The Corporate Finance Group (TCFG). Möckli rechnet für 2008 nun mit robusten 400 bis 500 M&A-Transaktionen mit Schweizer Beteiligung. Auch Philipp Hofstetter, Partner Wirtschaftsberatung bei PricewaterhouseCoopers (PWC), spricht von «guten Aussichten im M&A-Geschäft».

Es hätten sich allerdings die Schwerpunkte verschoben. «Statt Private-Equity-Investoren ist es nun die Konsolidierung in verschiedenen Branchen, die den Takt angibt», sagt Hofstetter. Für die Private-Equity-Branche würden dagegen im Vergleich zum Vorjahr magerere Zeiten anbrechen, gerade was die grossen Übernahmen betrifft. Ganz anders die Firmen selbst, gerade in der Schweiz. Sie sitzen auf hohen Cash-Beständen, die es nun zu verwenden gilt. Selbst ein mittelgrosses Unternehmen wie Schweiter ist in der Lage, eine halbe Milliarde Franken für Akquisitionen aufzuwerfen. «Die meisten am Swiss Performance Index kotierten Firmen hegen Kaufabsichten», bilanziert Roger Steiner, Head Research bei Landesbanki Kepler in Zürich. Die meisten Experten sind sich denn auch einig, dass sich der «Knoten» in der M&A-Pipeline zu lösen beginnt.

Dabei sind aus Investorensicht die Verkäufer fast noch spannender als die Akquisiteure: Denn es sind die Aktien der Zielobjekte, die bei Übernahmen am meisten ausschlagen. Umso wichtiger ist es deshalb, zur richtigen Zeit die richtigen Titel zu besitzen. Findige Grossinvestoren haben sich bereits in Position gebracht: Thomas Della Casa, Leiter Research beim Hedge-Fonds-Anbieter Man Investment, erwartet vorab im Chemie-, Banken- und Grundstoffebereich einen neuerlichen Konsolidierungsschub. Das rückt Schweizer Firmen wie Ciba SC und Clariant (Chemie) und Bankentitel wie die angeschlagene UBS in den Fokus der Gerüchte. Immer höher schlagen die Wellen auch bei den mittelgrossen Versicherungen. Gemäss Claude Zehnder, Aktienstratege bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB), ist eine Übernahme von Helvetia Patria oder Nationale durch Bâloise möglich. Steiner von Kepler sieht dagegen im Schweizer Industrie- und Technologiesektor zunehmend Opportunitäten. «Die Bewertungen sind zurückgekommen. Das macht die Werte interessant.» Auf die Übernahme von SEZ durch Lam Research könnten also noch mehr Deals folgen.

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Araber bald auch bei Swiss Re?

Interesse dürften in Zukunft auch arabische und asiatische Investoren zeigen. «Von dieser Seite werden wir noch mehr hören», sagt Zehnder von der ZKB. In Frage kommen insbesondere die liquiden Schweizer Blue Chips. Nicht von ungefähr gingen am Markt Gerüchte um, dass Staatsfonds auch bei ZFS und Swiss Re einsteigen könnten.