AKTIEN.

Die technische Erholung am Schweizer Aktienmarkt kommt ins Stocken. Frohe Botschaften wie die erwartete Zinssenkung in den USA, die Entspannung beim Dollar und beim Ölpreis sowie die Milliardenspritze des Staatsfonds von Abu Dhabi für die Citigroup rücken wieder in den Hintergrund.

In der Vorwoche hat die Erleichterungsrally bei den Finanzwerten dem Gesamtmarkt noch schöne Kursgewinne beschert. Die Credit Suisse hat 8,3% gewonnen, die UBS-Aktie sogar 15%. Nun werden die Kurse aber bereits wieder von neuen Sorgen um die Kreditkrise in die Mangel genommen. «Die Banktitel bleiben Schwankungen unterworfen, bestimmend sind vor allem neue Nachrichten», erklärt Eric Steinhauser, Leiter Investment Services bei Rahn & Bodmer. Neue Impulse werden bald die Quartalsergebnisse per Ende November der US-Investmentbanken liefern, die ab Mitte Dezember publiziert werden. Die Bank Julius Bär rät den Anlegern, im 1. Quartal 2008 selektiv Finanzwerte abzubauen und sich für eine Kaufgelegenheit zum zweiten Halbjahr hin zu positionieren.

Weg nach oben noch nicht frei

Welchen Weg der Schweizer Gesamtmarkt in den nächsten Wochen einschlagen wird, darüber sind sich die Bankinstitute nicht einig. Eric Steinhauser von Rahn & Bodmer rechnet zum Beispiel in den nächsten Wochen nicht mit grösseren Rückschlägen. Aus Sicht der Zürcher Kantonalbank (ZKB) ist die jüngste Erholung zu schnell und zu heftig ausgefallen. Der Aktienmarkt dürfte daher zuerst einmal korrigieren, bevor der Weg nach oben wieder frei wird. Nicht zuletzt hoffen aber viele Experten auf eine Jahresendrally. Auch wenn die Weihnachtsrally kommt, bleiben die Titel aus Sicht der ZKB im historischen Vergleich weiterhin tief bewertet, was langfristig orientierten Investoren eine gute Einstiegschance bietet. Für den SMI liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) auf Basis realisierter Gewinne derzeit bei rund 14. «Ein solch tiefer Wert wurde letztmals Mitte 2002 beobachtet», sagt ZKB-Analyst Remo Hartmann. Zu aktuellen Kursen könnten die Unternehmensgewinne um rund einen Viertel einbrechen, selbst dann läge das KGV des SMI noch immer im langjährigen Durchschnitt seit 1989 (siehe Grafik). Wenn die US-Wirtschaft nicht in eine Rezession rutscht, ist ein Gewinnrückgang in dieser Grössenordnung allerdings eher unwahrscheinlich. Die Gewinnschätzungen von vielen Instituten sind denn auch optimistischer. «Für das aktuelle Geschäftsjahr rechnen wir mit einem Gewinnanstieg um 6%, im nächsten Jahr mit einem Wachstum von gegen 8%», so Remo Hartmann von der ZKB. Auf Basis der Gewinnschätzungen für 2008 sieht die Bank unter den SMI-Unternehmen vor allem Adecco (KGV 2008 11,3), Swiss Re (6,9), ZFS (7,4), Nestlé (17,7), Holcim (11,8) oder Roche (17,2) als attraktiv bewertet.

Anzeige

Perlen-Tauchen ist einfacher

Generell gibt es am Schweizer Aktienmarkt einige Titel mit verlockenden Bewertungs-Kennzahlen (siehe Tabelle). Das «Perlen-Tauchen» ist einfacher geworden. Noch vor einem halben Jahr hat Thomas Braun, Partner der Anlagefirma Braun, von Wyss & Müller (BWM), kaum unterbewertete Aktien entdeckt. «Heute ist es wieder einfacher, Trouvaillen zu finden», sagt der Value-Investing-Spezialist, ohne aber Angaben zu einzelnen Titeln zu machen. Braun erwartet, dass sich das Umfeld für den langfristig orientierten Value-Investor demnächst weiter verbessert. BWM gibt sich erst zufrieden, wenn die Bewertung einer Aktie auf Basis des durchschnittlichen, normalisierten Cashflows günstig bewertet ist. Kennziffern wie das KGV beziehen sich dagegen auf in einem Jahr realisierte oder erwartete Unternehmensgewinne, die aber möglicherweise auf einem ausserordentlichen Gewinnjahr oder auf zu hohen Schätzungen von Analysten gründen.

Die Gewinner von morgen

In der Regel lohnt es sich, bei stark gebeutelten Aktien durchzuhalten: «Oft sind die Verlierer von heute die Gewinner von morgen», erklärt Braun. Was auf lange Sicht stimmt, verkehrt sich in den letzten Wochen des Jahres jedoch häufig ins Gegenteil. Gekauft werden dann vor allem die Titel, die im aktuellen Jahr sehr gut gelaufen sind, wie etwa Meyer Burger. Die Überflieger-Aktie hat in diesem Jahr bereits über 450% an Wert gewonnen. Diese als «Window-Dressing» bekannte Praxis schlägt sich auch auf die Verlierer nieder. Vor allem Fondsmanager trennen sich gegen Jahresende gerne von den verlustreichen Werten. Treffen könnte es daher in diesem Jahr zum Beispiel UBS, Advanced Digital Broadcast oder Bioxell.