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Jetzt auf grosse Namen setzen

Bulle
Der Bulle steht für steigende Kurse. Quelle: Keystone .

Der Bullenmarkt läuft schon lange. Anlage-Experte Ken Fisher verrät, welche Aktien man jetzt besitzen sollte und warum.

Von Ken Fisher*
am 10.08.2018

Der globale Bullenmarkt ist nun schon über neun Jahre alt und befindet sich sicherlich in seiner reifen Phase. Doch was heisst das für die schweizerischen Ak­tien? Und vor allem: Welche Titel sollten Sie während dieser Zeit besitzen?

Um dies beantworten zu können, unterteile ich die Bullenmärkte je nach Wachstum in drei Phasen. Sie beginnen üblicherweise stark, verlangsamen sich in der Mitte etwas und beschleunigen zum Ende wieder. Jede Phase entspricht etwa einem Drittel der Gesamtlebensdauer eines Bullenmarkts. Anschliessend bilde ich aus allen historischen Bullenmärkten einen Durchschnitt und schaue, was sich in jeder Phase bezüglich der Sektoren und Anlagestile am besten entwickelt hat.

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Normalerweise entwickeln sich die grössten Aktien zum Schluss am besten – in der Schweiz und auf der ganzen Welt. Die kleinen Aktien sind in der Frühphase besonders gut. Somit braucht man zum Ende eines Bullenmarkts grosse und liquide Unternehmen. Denn: Im letzten Drittel entwickeln sich Wachstumsaktien üblicherweise besser als Wertaktien. 

Darunter versteht man sogenannte Mega-Caps – also Aktien, deren Kapitalisierungen über dem gewichteten durchschnittlichen globalen Marktwert von momentan etwa 148 Milliarden Franken liegen. Doch warum ist das so? Dahinter steckt reine Psychologie. Fallende Märkte schrecken alle ab – ausser die Anleger mit den stärksten Nerven. Diejenigen, die in einem Bullenmarkt früh kaufen, haben den meisten Mut. Sie suchen nach Schnäppchen, die dann nach oben schnellen. Meist sind dies kleine, wertorientierte Firmen, die im vorausgehenden schwachen Markt stark unter Druck standen. Diesen Anlegern sind grosse Qualitätsunternehmen zu langweilig.

Im SMI gibt es nur drei Mega-Caps: Roche, Novartis und Nestlé

Die Käufer in einem späten Bullenmarkt sind hingegen oftmals etwas zögerlicher. Sie haben Aktien jahrelang gemieden, bevor sie sich langsam wieder zu ihnen zurücktrauten. Vorsichtig kaufen sie Aktien mit Qualitätsmarkennamen, weltweiten Umsatzströmen, tollen Bilanzen und dicken Betriebsgewinnmargen. Diese Aktien möchte man einfach besitzen. Glücklicherweise lassen sie sich auch dann noch am besten verkaufen, wenn der Markt zu fallen beginnt und man übereilt aussteigen möchte.

Der SMI-Index enthält nur drei Mega-Caps: Novartis und Roche, beides Healthcare-Aktien, und den Basiskonsumgütergiganten Nestlé. Um sich mit einem diversifizierteren Mega-Cap-Risiko breiter aufstellen zu können, muss man die Schweiz verlassen. Denn: Die meisten Mega-Caps sind amerikanisch. Jedoch haben die US-Aktien den Weltmarkt bereits zu lange geführt, sodass man sich darauf nicht mehr zu stark konzentrieren sollte. Zurzeit gefällt mir da Kontinentaleuropa besser. Befüllen Sie Ihr Portfolio mit sehr grossen Aktien aus Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Dänemark, Schweden und der Schweiz – auch wenn es sich dabei nicht immer um Mega-Caps handelt.

Historisch betrachtet sind im letzten Drittel eines Bullenmarkts die Branchen Technologie, Energie und Healthcare die besten. Am schlechtesten schneiden Telekommunikation, Versorgungsunternehmen und Finanzwerte ab. Im Vergleich zum MSCI World Index kommt dem Sektor Healthcare in den schweizerischen Märkten ein deutliches Übergewicht zu. Der SMI enthält jedoch keine Energie- oder Technikunternehmen. Der breitere MSCI Swiss Index weist gerade einmal eine Technikaktie, nämlich die der kleinen Softwarefirma Temenos, auf. Umgekehrt besteht fast ein Fünftel der globalen Mega-Caps aus Technologieunternehmen. Um in diesem Sektor also eine gute Gewichtung zu erhalten, muss man in erster Linie in Amerika und dort nach den klassischen Namen schauen – sowie in Asien nach Alibaba, Taiwan Semiconductor und Tencent.

Positiv für die Schweiz ist natürlich die Untergewichtung der historischen Schlusslichter wie etwa Versorgungsunternehmen und Telekom. Im weltweiten Vergleich gewichtet die Schweiz die Finanzwerte hoch, aber ich vermute, dass das in diesem Bullenmarkt eher ein Segen als ein Fluch ist. Kein Muster wiederholt sich genau gleich. Die Finanzwerte haben sich in etwa ­einem Viertel der spätphasigen Bullenmärkte überdurchschnittlich entwickelt und ich denke, dass sie das auch wieder tun werden. Ebenso schlecht wie die Versorgungsunternehmen hat sich auch der Energiesektor entwickelt. Ein Trend, der weiter anhalten wird.

Italienische und spanische Banken beimischen

Wie ich in meiner letzten Kolumne am 28. Juni erklärt habe, drücken falsche Schuldensorgen und Populismus auf die italienischen Banken. Die trübe Stimmung hat sich bereits auf die Banken in ganz Südeuropa übertragen und schleicht sich sogar in die scheinbar stärkeren weiter nördlich ein. Während die weltweiten Aktien in diesem Jahr um 6 Prozent gestiegen sind, ­haben die Banken der Euro-Zone einen Rückgang von 8,5 Prozent verbucht.
Dabei haben sich die schweizerischen Banken zwar insgesamt besser gehalten. Aufgrund der gefühlten Risiken wegen der Euro-Probleme entwickelten sie sich aber dennoch negativ. Europäische Banken werden aus wenig durchdachten Gründen von vielen Investoren abgelehnt.

Fälschlicherweise übersehen die Anleger deren gute Bilanzen und eine zunehmende Bereitschaft zur Kreditvergabe – nämlich nach Auslaufen der Quantitativen Lockerung (QE). Zudem zeigen Umfragen unter Kreditberatern, dass sich die Kreditvergabe in der gesamten Euro-Zone lockert. Während insbesondere die südeuropäischen Banken die Erwartungen hierbei haushoch schlagen, dürften die Auswirkungen auch die Bilanzen der Banken in Nordeuropa und der Schweiz anheben. Diese sind eng miteinander verbunden. Am besten sollten also die grössten italienischen und spanischen Banken mit einigen aus der Schweiz und Frankreich kombiniert werden.

Wenn Anleger zuversichtlich werden, ist die Zeit der grossen Gewinne gekommen

Die Ölmärkte indes dürften sich auf die meisten Energieaktien weniger erfreulich auswirken. Die glo­bale Ölversorgung steigt schneller an als erwartet und begrenzt die Preise. Erstaunliche technologische Gewinne in den USA ermöglichen es amerikanischen ­Firmen, mehr Öl zu geringeren Kosten zu fördern, und schaffen Anreize dafür, die Märkte zu überschwemmen. Die neuen Kapazitäten in Amerika werden dieses Jahr die gesamten iranischen Exporte übersteigen. Insofern ist das Gewinnpotenzial hierbei begrenzt, insbesondere für Firmen in Regionen mit höheren Förderkosten wie etwa der Nordsee. Entsprechend sollten Sie also Ihre Öl- und Gasaktien auf die Firmen beschränken, die in den amerikanischen Ölschiefervorkommen tätig sind.

Während sich die Finanz- und Energiewerte dem ­typischen Trend der Spätphase widersetzen könnten, dürfte das bei Telekom, Versorgungsunternehmen und Immobilien nicht gelingen. Die drei Sektoren bestehen aus meist kleineren, wertorientierten Firmen. Ihnen gegenüber werden die grossen Wachstumsunternehmen in den späteren Phasen eines Bullenmarkts von den Anlegern eher bevorzugt.

Grundsätzlich ist der letzte Drittel eines Bullenmarkts die Zeit für grosse Gewinne, da die Anleger optimistischer und zuversichtlicher werden. Um das voll ausschöpfen zu können, sollten Sie also jetzt kaufen – und zwar vor allem Aktien mit grossen Namen.

*Ken Fisher ist Präsident von Fisher Investments Europe