Zurzeit wird viel über die Zukunft der Bank Zweiplus gesprochen: Wird es das Institut Ende 2009 in der jetzigen Form noch geben?

Marco Weber: Ich habe keinen Zweifel daran, dass es die Bank Zweiplus noch geben wird. Wir sind erfolgreich gestartet, und ich bin deshalb auch zuversichtlich, was die Geschäftsaussichten 2009 betrifft. Und das Mutterhaus, die Bank Sarasin, verleiht uns zusätzliche Stabilität.

Der andere Mitaktionär der Bank Zweiplus, die AIG Private Bank, wurde an Aabar Investments in Abu Dhabi verkauft. Wie geht es hier weiter?

Weber: Die AIG Private Bank wird wohl in den nächsten Wochen den Namen ändern, aber sie bleibt vorderhand Minderheitsaktionärin der Bank Zweiplus. Allerdings würden wir uns auch komfortabel fühlen, wenn die Bank Sarasin ihre bereits bestehende Mehrheitsbeteiligung an der Bank Zweiplus noch erweitern würde.

Komfortabler?

Weber: Wie arbeiten heute schon sehr eng mit der Bank Sarasin zusammen. Verändern würde sich also nicht viel. Es ist darum eher an der Bank Sarasin, das Für und Wider einer 100%-Übernahme abzuwägen. Wir waren profitabel per Ende 2008. Wenn das Mutterhaus an unsere Strategie und unser Wachstumspotenzial glaubt, wovon ich überzeugt bin, dann wäre das sicher eine Opportunität.

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Wie kommen die Gespräche zwischen Sarasin und Aabar Investments voran?

Weber: Es gibt einen regelmässigen Austausch mit der AIG Private Bank in der Schweiz, sodass wir wissen, was der neue Besitzer der AIG Private Bank mit dem übernommenen Institut beabsichtigt. Gleichzeitig wissen wir, dass die Führung der AIG Private Bank hinter der Bank Zweiplus steht.

Entschieden ist aber noch nichts.

Weber: Herr Strähle hat sich bereits klar geäussert, dass er an einer Übernahme interessiert ist, falls die Beteiligung zum Verkauf steht. Das ist ein gutes Signal für uns. Jetzt braucht es als nächsten Schritt ein Signal vom Verkäufer.

Gibt es noch weitere Interessenten?

Weber: Das weiss ich nicht. Der logische Käufer ist für mich ganz klar Sarasin.

Ungeachtet der Szenarien - was geschieht mit dem Kundenstamm, den die AIG Private Bank in die Bank Zweiplus eingebracht hat?

Weber: Das sind zufriedene Kunden der Bank Zweiplus und sie sind vom Verkauf der AIG Private Bank in keiner Weise betroffen. Wir haben auch keine grösseren Abgänge zu verzeichnen gehabt.

Und wie sieht es mit den Neuzugängen von Kunden zur Bank Zweiplus insgesamt aus?

Weber: Wir haben im 2. Halbjahr 2008 rund 45000 Neukunden gewonnen und konnten damit über 1 Mrd. Fr. Neugeld generieren. Das ist einigermassen im Plan. Aber die Finanzmarktkrise hat auch hier Spuren hinterlassen.

Ihre Zielsetzung war ja ursprünglich, monatlich zwischen 3000 und 5000 Kunden zu gewinnen?

Weber: Wir spüren, dass unsere Partner und Endkunden zurückhaltender geworden sind. Die bisherigen rund 2500 bis 3500 Neueröffnungen pro Monat sind aber eine gute Zahl. Wir sind der Meinung, dass das Geschäft auf diesem Niveau auch 2009 weiterlaufen wird.

Ist das genug, um Ihr Fernziel, 15 Mrd Fr. Vermögen im Jahr 2011, zu erreichen?

Weber: Am Nettoneugeldziel, also zwischen 8 und 10 Mrd Fr. über die nächsten fünf Jahre, halten wir fest. Wegen der Finanzkrise kann sich aber der Vermögensbestand anders entwickeln als erhofft. Das können wir nicht beeinflussen.

Wie haben sich die Kundenvermögen entwickelt?

Weber: Sie können die Leitindizes anschauen, das ist ein Spiegelbild der Kundendepots ?

die Vermögen haben also insgesamt abgenommen?

Weber: Das ist so, je nach Anlageprofil der Kunden.

Mit welchen Folgen für die Erträge?

Weber: Wir sind auf Budgetkurs. Wir konnten im vergangenen Halbjahr sämtliche Gründungskosten abschreiben und dem Mutterhaus Bank Sarasin bereits für das Geschäftsjahr 2008 einen Gewinnbeitrag abliefern. Auch 2009 erwarten wir, schwarze Zahlen zu schreiben.

Was machen Sie auf der Kostenseite?

Weber: Aufgrund der Finanzmarktkrise haben wir die Kostensituation sehr genau angeschaut und unsere Aufwendungen bereits um etwa 15% reduziert.

Kosten sparen müssen auch Ihre Partner, die ihre Abwicklung und Administration auf die Plattform der Bank Zweiplus auslagern. Ist dieses Outsourcing-Modell in der Finanzkrise überhaupt noch attraktiv?

Weber: Ich glaube im Gegenteil, dass wir profitieren können, wenn der Fokus auf den Kosten liegt. Wenn etwa eine Lebensversicherung vor der Wahl steht, eine eigene Bank zu gründen oder dieses Geschäft auszulagern, dann ist sicher die zweite Lösung wesentlich günstiger. 2008 hat sich aus diesen Gründen Swiss Life für die Bank Zweiplus entschieden, und wir sind der Überzeugung, auch 2009 weitere Partner gewinnen zu können.

Das heisst?

Weber: Wir sind mit verschiedensten möglichen Partnern im Gespräch, sowohl aus dem Versicherungsbereich als auch mit Organisationen, die über zahlreiche Mitglieder verfügen und ihr Angebot mit Bank- oder bankähnlichen Produkten anreichern wollen. Wir sprechen in der Schweiz mit allen grossen Lebensversicherern. Zudem könnte ich mir vorstellen, dass auch kleine und mittlere Banken nach einer Outsourcing-Lösung suchen. Das Feld ist sehr breit und dürfte auch nicht kleiner werden, da Unternehmen bei Eintritt bei der Bank Zweiplus keine grossen Anfangsinvestitionen tätigen müssen.

Sind Sie mit dem einen oder anderen Partner bereits in einem konkreteren Stadium der Verhandlungen, sodass bald eine neue Zusammenarbeit angekündigt werden kann?

Weber: Wir wollen nicht um jeden Preis neue Partnerschaften präsentieren, sondern alles langsam und nachhaltig aufbauen. Es ist unsere Philosophie, die neuen Partnerschaften zuerst zu integrieren, bevor der nächste Schritt kommt. Swiss Life ist ein grosser Partner mit rund 30 000 Kunden. Diese Integration wollen wir zuerst sauber abschliessen.

Wann werden Sie wieder für eine grössere Partnerschaft bereit sein?

Weber: Grundsätzlich sind wir bereit, es muss aber für beide passen. Wir sind bereits in konkreten Gesprächen, sodass noch im 1. Halbjahr mit neuen Ankündigungen gerechnet werden kann.

Kommen auch Retailunternehmen als Partner in Frage?

Weber: Ja, wir suchen auch dort Partnerschaften. Das Echo ist gut und Gespräche sind am Laufen. Migros oder Coop kommen aber nicht als Partner in Frage, da beide bereits eine eigene Bank haben.

Sie sollen bereits in Gesprächen mit dem TCS sein?

Weber: Das stimmt. Wir reden mit verschiedenen möglichen Partnern. Mehr kann ich heute nicht sagen.

Auch unabhängige Vermögensverwalter stehen auf Ihrer Liste. Konnte in diesem Bereich bereits eine Partnerschaft abgeschlossen werden?

Weber: Nein, aber es besteht sehr grosses Interesse. Im 1. Semester 2009 geht es jetzt darum, mit den ersten externen Vermögensverwaltern zusammenzuarbeiten.

Sind Übernahmen jetzt einfacher geworden als Partnerschaften?

Weber: Das lässt sich nicht so ohne weiteres vergleichen. Ein Partner sieht eine zusätzliche Geschäftsmöglichkeit. Für eine Übernahme braucht es Synergien und weiterführende Ideen.

Die Kaufpreise für Firmen sind gesunken. Nutzen Sie die Chance?

Weber: Wir haben gewisse Firmen identifiziert, die jetzt möglicherweise günstiger zu haben sind als im Jahr 2008.

Welche?

Weber: Wir haben in der Schweiz, in Deutschland und Österreich Firmen entdeckt, bei denen wir uns eine Übernahme vorstellen können. Wir wollen auch in Europa eine eigenständige Plattform unterhalten, denn das grenzüberschreitende Geschäft aus der Schweiz unterliegt immer mehr Restriktionen. Auch in Osteuropa wollen wir unsere Tätigkeit ausbauen.

Sind bereits Gespräche in Gang?

Weber: Ja, wir führen Gespräche, es braucht aber umfangreiche Vorbereitungen. Wir wollten 2008 und 2009 eigentlich primär über bestehende und neue Partner wachsen. Doch weil sich die Märkte so stark verändert haben, ergeben sich jetzt auch Chancen für Akquisitionen.

Wie viel wollen Sie künftig für Käufe einsetzen?

Weber: Darauf gibt es keine absolute Antwort. Eine Akquisition müsste von unseren Aktionären begleitet werden, denn die Bank Zweiplus ist finanziell nicht für grössere Übernahmen ausgestattet. Aber wenn wir das richtige Objekt finden, bin ich überzeugt, dass uns unsere Aktionäre unterstützen.