Die in Schräglage geratenen Budgets einiger europäischer Staaten bestimmen derzeit die Schlagzeilen. Griechenland, Portugal und Irland sorgen mit ihrem Staatsdefizit für Unmut in der Währungsunion. Im Vergleich steht die Schweiz sehr gut da. 2009 verblieb die Schuldenquote der öffentlichen Hand bei 41,4%.

Doch auch hierzulande verstärken sich nach der Finanzkrise vielerorts die Sorgen, dass die Steuereinnahmen dürftiger ausfallen könnten, während die Ausgaben auch wegen der Konjunkturprogramme weiter ansteigen. So konnte jüngst der Kanton Appenzell Ausserrhoden einen Überschuss von 12,5 Mio Fr. ausweisen, doch bereits sinken die Einnahmen, und bis 2012 sei gar mit massiven Steuerausfällen zu rechnen, warnt man in Herisau.

2010 fällt nicht rosig aus

«Traditionell werden die Kantone mit einer zeitlichen Verzögerung in einer Wirtschaftskrise getroffen, weil die Arbeitslosenrate und kleinere Gewinne der Unternehmen sich in der Steuerrechnung erst im Nachgang bemerkbar machen», sagt Daniel Rupli, Kreditanalyst bei der Credit Suisse. Die ersten Dämpfer sind bereits in den Budgets abgebildet. Mit der Präsentation der Zahlen für das Jahr 2009 geht Rupli davon aus, dass die Budgets für das Jahr 2010 kaum rosig ausfallen werden.

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Das könnte auch die Bonitätsratings der einzelnen Kantone beeinträchtigen. «Es ist davon auszugehen, dass die Ratings sich tendenziell nach unten bewegen könnten», so Rupli. Derzeit haben bei der Credit Suisse vier Kantone, einen negativen Ausblick. Kein einziger Kanton mehr einen positiven. Zu den Kantonen, die derzeit unter Beobachtung stehen und denen ein Downgrade drohen könnte, gehören die Kantone Glarus, Jura, Neuenburg und das Tessin. Dabei ist ein hohes Rating durchaus von Vorteil. So deutet es etwa auf eine hohe Standortattraktivität eines Kantons hin.

Genf als hiesiges Griechenland?

Beim Kanton Aargau verspricht man sich vom AAA-Rating eine Sogwirkung auf ansiedlungsinteressierte ausländische Unternehmen und Privatpersonen, was den Steuereinnahmen zugute kommt. Von den von Standard & Poor’s bewerteten elf Kantonen weisen sonst nur noch die Kantone Zürich und Basel-Landschaft ein Top-Rating auf. Am unteren Ende der Skala befindet sich der Kanton Genf. Dieser sei stark von den Wirtschaftszyklen abhängig, schreiben die S&P-Analysten, zudem seien hohe ungedeckte Pensionskassenverpflichtungen vorhanden.

Mehr Schulden am Markt

Laut den Analysten der Zürcher Kantonalbank machen die Kantone und Gemeinden rund 10% der hiesigen Obligationenschuldner aus. Die Experten von Credit Suisse gehen davon aus, dass neben dem allgemeinen Finanzierungsbedarf bis Ende dieses Jahres zwölf Anleihen von Kantonen mit einem Gesamtvolumen von rund 3 Mrd Fr. auslaufen.

Aufgrund der projektierten Selbstfinanzierungsgrade der Kantone von unter 100% für das Jahr 2009, der Erwartung, dass die Budgets 2010 auch tendenziell schlecht ausfallen werden, ist von einer klaren Steigerung der Emissionsvolumen gegenüber den Vorjahren auszugehen. Vor Kurzem erst nahm der Kanton Bern 200 Mio Fr. auf, und weitere Emissionen dürften folgen. Denn auch die Städte suchen derzeit Kapital. So hat die Stadt Zürich vor Kurzem mit zwei Anleihen insgesamt 475 Mio Fr. aufgenommen. Nach den Bonds von Gemeinden und Kantonen dürfte weiterhin eine rege Nachfrage bestehen. «Gerade bei institutionellen Anlegern ist das Interesse an Anleihen von Kantonen hoch», so Credit-Suisse-Kreditanalyst Daniel Rupli. Denn die Ausfallwahrscheinlichkeit ist tief und die Ratings der Stände ? jetzt noch ? hoch.

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