Die Wolken verdichten sich über dem europäischen Solar-Himmel. Vor allem Anbieter aus Deutschland kommen zusehends unter Druck von seiten der chinesischen Konkurrenz. Diese bietet nämlich Modulpreise an, bei welchen Europäer nicht mehr profitabel arbeiten können. «Während die Modulpreise Mitte letzten Jahres noch 4 Dollar pro Watt betrugen, liegen sie heute bei 2 Dollar pro Watt», sagt Thiemo Lang, Portfoliomanager bei SAM Sustainable Asset Management. Mit der Preishalbierung wurden die Margen der deutschen Solaranbieter gedrückt.

Siliziumpreise purzeln

Dass die chinesische Solarenergie erst seit Kurzem auf der Überholspur ist, hängt mit den hohen Siliziumpreisen zusammen, welche noch vor einem Jahr bezahlt wurden. Deutsche Hersteller konnten durch Langfristverträge bessere Konditionen herausschlagen und waren so weniger von den teuren Spotmärkten abhängig. Mittlerweile liegt der Preis für Silizium gerade noch bei 65 Dollar pro kg - im Juni 2008 mussten 400 Dollar pro kg bezahlt werden. Dieser Preissturz fällt ins Gewicht: Silizium macht rund 70-80% der Gesamtproduktionskosten aus.

Nicht nur die chinesische Konkurrenz macht dem deutschen Solarsektor die Hölle heiss: Auch die Politik sorgt für rote Köpfe bei den Anbietern. Mit den anstehenden Wahlen gewinnt die Frage an Dringlichkeit, ob die garantierte Einspeisung nicht zu attraktive Konditionen bietet. Ursprünglich war das Gesetz eingeführt worden, weil man der einheimischen Industrie auf die Beine helfen wollte. Mit dem Eintritt von immer mehr Wettbewerbern aus Asien fällt das Arbeitsplatzargument also langsam weg.

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Die Schwierigkeiten der Anbieter machen sich auch in den Aktienkursen bemerkbar. In den letzten zwölf Monaten hat etwa Solar World 54% verloren. Vor kurzem hat Sarasin das Rating des Titels von «Neutral» auf «Reduce» gesenkt. Trotz enttäuschender Kursentwicklung sehe er keine Bodenfindung für den Titel, so der Analyst. Auch Q-Cells, die grösste Solarfirma Deutschlands, wurde von Goldman Sachs jüngst wegen Kostenvorteilen chinesischer Herausforderer auf «Sell» gesetzt. Q-Cells verlor seit Januar 57%.

Investoren unterschätzen China

Ähnlich wie in Deutschland ist auch in den USA kein Land in Sicht. Trotz der grosszügig versprochenen Konjunkturspritzen für die Solarbranche sehen die Experten noch keine Anzeichen von Neuinvestitionen. Im Land der aufgehenden Sonne stehen die Zeichen jedoch auf Grün für Solaranbieter: «Chinesen haben sehr gute Finanzierungskonditionen, die Banken stehen gut da und die tiefen Energiekosten helfen auch», sagt Sarasin-Nachhaltigkeitsanalyst Matthias Fawer. Die Valoren von Suntech Power sind seit Jahresbeginn um 26% gestiegen. Lang von SAM rechnet damit, dass das Interesse der Chinesen, die Industrie zu schützen, künftig steigen wird: Etwa durch eine eigene Einspeisevergütung. Davon werden wohl fast ausschliesslich chinesische Anbieter profitieren. «Der chinesische Markt wird von den Investoren unterschätzt», so Lang.

Etwas anders sieht die Situation bei Zulieferern wie Wacker, Roth & Rau oder der schweizerischen Meyer Burger aus. «Die Firmen sind Frühindikatoren des Sektors und hier steigt die Anfrage bereits wieder etwas an», sagt Fawer von Sarasin. Wie das 1. Halbjahr bei Meyer Burger im Detail gelaufen ist, wird der 3. September zeigen. Die Analysten von Goldman Sachs haben Meyer Burger im Vorfeld auf «Buy» erhöht: Der Bestellungseingang dürfte sich im 2. Halbjahr 2009 oder Anfang 2010 stabilisieren, was ein Katalysator für den Aktienpreis sein könnte, lautet die Begründung. Meyer-Burger-Aktien sind dieses Jahr bereits um zwei Drittel geklettert.

3S als Übernahmekandidat?

Auch die Valoren von 3S sind fast um 50% gestiegen. Die 1. Halbjahreszahlen wiesen eine Verdoppelung des Umsatzes auf. Weitere Kursfantasie ist wahrscheinlich laut Fawer ist das Unternehmen ein vorstellbarer Übernahmekandidat: «3S macht gute Maschinen, ist jedoch von der Grösse her an einer kritischen Grenze, um eine internationale Vertriebsorganisation aufzubauen», so Fawer.