Der Blick auf die Chartformation des Devisenpaares Euro/Franken ist unmissverständlich: Hier ist am heutigen Tag etwas Historisches geschehen. Um 10 Uhr schnellte der Euro-Kurs von knapp 1.13 auf fast 1.22 Franken hoch, dies als Resultat der Ankündigung der Schweizerischen Nationalbank (SNB), den Kurs künftig nicht mehr unter 1.20 sinken zu lassen. Operation gelungen - jedenfalls für heute. 

Allen Jubelgesängen zum Trotz lohnt sich aber genaues Hinschauen. Ein Euro für 1.20 Franken? Darüber hätte man sich noch vor wenigen Monaten die Augen gerieben. Ein Vorwurf, den man oft im Sport hört: Die Schweiz gibt sich mit wenig zufrieden. Experten sind sich einig, dass auch bei der von der SNB unterstützen Linie der Franken überwertet ist. Trotzdem haben die Notenbanker mit einer solch klaren Ansage lange zugewartet - womöglich zu lange.

David gegen Goliath

Die Krux an der heutigen Intervention ist: Das Messbare wird erst in einigen Monaten sichtbar werden. Dann, wenn die SNB ihre Devisenbestände neu bewerten muss. Dann, wenn bei den Unternehmen die Auswirkungen der Frankenstärke sichtbar werden.

Dass sich die SNB mit dem heutigen Tag im Alleingang mit den Marktteilnehmern «anlegte», ist kaum anzunehmen. Viel wahrscheinlicher dürften aus dem Euroraum flankierende Massnahmen signalisiert worden sein. Dies wäre nur schon deshalb zwingend nötig, weil aus dem Euroraum in den vergangenen Tagen keine grossen Hiobsbotschaften mehr verlauteten - ein neuerliches Aufflammen der Schuldenbrände wird die Stützungsmassnahmen der SNB vor eine ernsthafte Bewährungsprobe stellen.

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Fakt ist: Die SNB hat in einer ersten Reaktion die Spekulanten aus dem Markt gejagt - niemand wird es am heutigen Tag noch wagen, gegen eine Institution zu wetten, in deren Rücken eine Notenpresse steht. Das Kalkül der SNB wird nur aufgehen, wenn sie sich nun in einem zweiten Schritt möglichst rasch in die Karten blicken lässt - sonst könnte ein neuerlicher spekulativer Run auf den Franken einsetzen.

Die Schweiz verfügt im internationalen Vergleich nicht über die nötigen Volumina, um sich dauerhaft zur Wehr zu setzen. Zur Erinnerung: Das Devisenpaar Euro/Franken widerspiegelte 2010 nur rund 2,5 Prozent des weltweiten Devisengeschäftes. Trotzdem entspricht dies einem täglichen Volumen von geschätzt über 70 Milliarden Franken. Je glaubhafter die SNB ihre Instrumentarien und Erfolgschancen offenlegen kann, desto günstiger wird die Intervention letztlich werden - allfällige Kosten trägt zeitverzögert der Schweizer Steuerzahler.

(laf)