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Käufer werden ABN Amro zerschlagen

Der Kampf ist beendet: Das Konsortium um die Royal Bank of Scotland teilt die niederländische Grossbank auf – Barclays gibt auf.

Von Karsten Seibel
am 10.10.2007

ÜBERNAHME. Die ein halbes Jahr dauernde Übernahmeschlacht um ABN Amro ist beendet. Barclays-Chef John Varley räumte jetzt seine Niederlage ein. Damit ist der Weg frei für Royal-Bank-of-Scotland-Chef Fred Goodwin und das von ihm angeführte Dreierbündnis, das die Zerschlagung der niederländischen Grossbank plant. Die Annahmefrist für die Offerte der Royal Bank of Scotland (RBS) endete am vergangenen Freitag. Wie viele ABN-Amro-Aktionäre ihr zustimmten, soll erst in der kommenden Woche veröffentlicht werden.

Am Erfolg des Konsortiums aus RBS, der spanischen Banco Santander und der belgisch-niederländischen Fortis gab es in den vergangenen Wochen kaum noch Zweifel. Zu weit lagen die beiden Angebote auseinander. Während das Trio rund 71 Mrd Euro auf den Tisch legte, war das Barclays-Angebot am Ende lediglich knapp 62 Mrd Euro wert. Dazu bestand die Barclays-Offerte noch zum grössten Teil aus Aktien. Das sehen viele Investoren, gerade Hedge-Fonds, nicht so gern, da sie dadurch zunächst einmal an das neue Unternehmen gebunden sind. Sie bevorzugen in solchen Fällen einen möglichst hohen Baranteil.

Bisher grösste Transaktion

Die Übernahme von ABN Amro ist nicht nur die grösste, die es je im Finanzsektor gab. Das Dreierbündnis hat auch bewiesen, dass es möglich ist, gegen den Willen des Managements eine solche Transaktion abzuschliessen. Feindliche Übernahmen in der Bankenbranche werden von vielen Beobachtern als wenig Erfolg versprechend erachtet. Zu gross erscheint die Gefahr, dass Mitarbeiter und Kunden aufgeschreckt das Weite suchen.Zu Beginn des Übernahmekampfes im Frühjahr sprach sich das ABN-Management für die Barclays-Offerte aus und lehnte das Konkurrenzangebot ab. Die ABN-Führung verkaufte sogar die US-Tochter La Salle, um das eigene Haus unattraktiver für das RBS-Bündnis zu machen. Dies liess sich davon nicht abschrecken, sondern hielt an seinem Angebot fest.Aus seinen Plänen machte das Trio nie einen Hehl: ABN Amro soll zerschlagen werden. RBS hat es auf die Investment-Banking-Aktivitäten abgesehen, Santander will seine Position in Brasilien und Italien stärken und Fortis will das Filial- und Vermögensverwaltungsgeschäft. Gewerkschaften befürchten, dass rund 19 000 der mehr als 100 000 Arbeitsplätze verloren gehen.

200 Mio Euro «Strafgebühr»

Die Barclays-Aktionäre be-grüssten den Rückzug. Die Aktie lag deutlich im Plus. Vorstandschef Varley hatte zuletzt immer wieder klar gemacht, dass er nicht um jeden Preis an seinen Plänen festhalten werde. Zumal auch Barclays von den durch die US-Hypothekenkrise verursachten Turbulenzen betroffen ist.Varley äusserte sich nun zuversichtlich, dass sein Institut auch ohne ABN Amro in den kommenden Jahren bedeutend wachsen werde. Es wird erwartet, dass er sich nach neuen Übernahmezielen umschaut. Der britische Mitbewerber Standard Chartered wurde in Finanzkreisen schon in den vergangenen Wochen als eine der Optionen genannt. Mit den gesparten Milliarden will Barclays zunächst aber einmal eigene Aktien zurückkaufen. Zudem fordert das Institut von ABN Amro 200 Mio Euro als «Strafgebühr», da die Bank ursprüngliche Zusagen nicht eingehalten habe.

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