Schwache Ergebnisse», «ein Schlagloch in der Wachstumsstrasse», oder gar «ein Halbjahresergebnis zum Vergessen»: So tönen die Analysten in ihren Berichten zu den 1.-Semester-Resultaten der börsenkotierten Schweizer Unternehmen.

Neben dem sprachlichen Zweihänder schwingen die Marktbeobachter auch die Axt, und zwar bei den erwarteten Gewinnen. Gemäss dem Finanznachrichtendienst Bloomberg wurden letzten August nur bei 4 der 20 am Swiss Market Index (SMI) gelisteten Firmen der 12-Monats-Ausblick nach oben korrigiert. Am schlimmsten erwischte es dabei den Versicherer Swiss Life; nach dem starken Gewinnrückgang im 1. Halbjahr stürzte die Konsens-Kursschätzung für die Swiss-Life-Valoren von 238 auf 160 Fr. (siehe Tabelle).

So heftig die Korrekturen ausgefallen sind, so wenig sorgen sie bei Profi-Anlegern für Überraschung. Das Bild, das sich die Analysten vom Markt machten, belaufe sich meist auf einen positiven Durchschnittswert, sagt Ralf Rybarczyk, der für die Fondstochter der Deutschen Bank, DWS, den Fonds Zurich Invest Aktien Schweiz führt. «Fällt die Realität dann negativ aus, muss dieser Wert umso kräftiger zurückgestutzt werden.»

Anzeige

Dass die Realität an den Börsen eine weitere negative Wende nehmen könnte, damit rechnet aber auch der Fondsmanager.

Gefahr bei Industriewerten

Etwas, was der Ökonom unterschreibt. «Die Schätzungen der Analysten sind noch immer zu hoch», sagt Anastassios Frangulidis, Leiter Volkswirtschaft und Anlagestrategie International bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Und: «Es ist mit weiteren Herabstufungen zu rechnen.» Denn das Umfeld für Unternehmungen könnte sich, gerade in Europa, noch weiter eintrüben. Ein Trend, dem sich die exportorientierten Schweizer Unternehmungen kaum entziehen können. Frangulidis rechnet deshalb für das ganze Jahr mit einem Gewinnrückgang um 12%.

Zu den «No-Gos» für Anleger gehören unter diesen Bedingungen sicher die Titel des Finanzsektors. Denn diese haben, zusätzlich zur wirtschaftlichen Abschwächung, noch mit den Folgen der Finanzkrise zu kämpfen. Besonders drastisch vor Augen geführt haben dies die Versicherer wie Bâloise oder Swiss Life. Die Banken dagegen haben schon früher mit Abgaben zu kämpfen gehabt und stehen dabei im Ansehen der Anleger leicht besser da. Als weitere Problemsektoren gelten ausserdem zyklische Konsumgüter und zunehmend die Industriebranche. «Die Gefahr ist gross, dass der in den USA gesehene Gewinnrückgang auch auf Europa übergreift», so Frangulidis.

Doch es gibt auch Hoffnungsschimmer: 2009 könnte Europas Wirtschaft bereits wieder anziehen. Die ZKB-Ökonomen rechnen für die Schweiz mit einem Anstieg der Unternehmensgewinne um 30%, vorab wegen einer Besserung bei den Banken. Bis dahin gilt es zu überwintern; dies mit Titeln, die im schwierigen Umfeld bestehen können. Rybarczyk empfiehlt nichtzyklische Konsumwerte, die steigende Kosten an die Kunden weitergeben können: Nestlé käme hier in Frage. Ebenfalls empfohlen werden Agrarwerte wie Syngenta oder im Bereich Energie tätige Industriewerte wie Sulzer oder ABB.