Die Nachfrage nach dem «schwarzbraunen Gold der Azteken» ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen– vor allem wegen der wachsenden Schokoladenlust der Konsumenten. Hergestellt wird das Kakaoprodukt aus der durch Mahlen der Bohnen gewonne- nen Kakaomasse, der zusätzlich Kakaobutter, Zucker, Milch und andere Zutaten beigemischt werden.

Die Kakaobutter ist das Fett der Bohne, das aus der Masse gewonnen wird und mehr oder weniger stark entöltes Kakaopulver zurücklässt. Mehr und mehr importiert die Industrie neben dem Rohkakao auch die bereits zu diesen Halbfertigprodukten weiterverarbeiteten Bohnen. Denn ihre Produktion ist in den Ursprungsländern günstiger als in den Industrienationen selbst.

Dunkle Schoggi im Vormarsch

«Der Trend in Deutschland geht immer mehr zu Schokoladen mit höherem Kakaoanteil», nennt die Kölner Stollwerck-Gruppe, eine Tochter des weltweit führenden Schweizer Kakaoverarbeiters Barry Callebaut, einen Grund für den wachsenden Kakaoabsatz. «Dunkle Sorten werden immer belieb-ter.» Vor kurzem hat Barry Callebaut eine 60%-Beteiligung an einem Kakaoproduzenten aus Malaysia übernommen. «Diese Akquisition erachten wir als sehr positiven Schritt für Barry Callebaut», schreibt Vontobel-Analyst René Weber. Auch beim zweiten gros-sen europäischen Schokoladenproduzenten, Lindt & Sprüngli, sorgt der Edelschokoladen-Boom für ein Rekordgeschäft. Auch wenn die qualitativ hochwertigsten Kakaosorten nach Aussage von Händlern vor allem aus Lateinamerika stammen, beim Import dominiert mit 90% eindeutig Westafrika.

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«Diese Konzentration bringt Schwierigkeiten mit sich», sagt Manfred Wolter, Rohstoffanalyst der Landesbank Baden-Württemberg. «Probleme in einem einzigen Ursprungsland können ausreichen, die Versorgungslage am Weltmarkt und damit die Preise entscheidend zu bewegen.» Der Kakaomarkt sei aber grundsätzlich ein «sehr rationales Geschäft». Die Erfahrung zeige, dass es jährlich nur wenige Nachrichten gebe, die den Kakaopreis mittelfristig und dauerhaft beeinflussen könnten – vor allem neue Ernte- und Lagerdaten. Kurzfristig allerdings, so schränkt er ein, könnten fundamentale Gründe vollständig durch den Auf- oder Abbau spekulativer Positionen an den Future-Märkten überlagert werden. «Finanzanleger investieren so stark am Markt, dass andere Einflussfaktoren derzeit nachrangig sind», so Wolter. Denn der Kakaomarkt bietet insbesondere seit 2006 ein attraktives Umfeld für spekulative Rohstoffinvestments. Von Herbst 2006 bis Mitte März 2008 hat sich der Preis für 1 t Kakao an der New Yorker Kakaobörse CSCE von rund 1400 Dollar auf 2900 Dollar mehr als verdoppelt. «Mit Veränderungen von Angebot und Nachfrage auf der physischen Ebene oder wechselnden Lagerbeständen ist dieser Aufschwung allein nicht zu erklären», sagt Analyst Wolter. Im Gegenteil: Die seit Jahren steigenden Ernteerträge sollten den Preisaufschwung trotz wachsender Nachfrage fundamental eigentlich dämpfen. Auch die scharfe Korrektur der Preise kurz vor Ostern spricht nach Ansicht Wolters für einen von Fonds und Finanzinvestoren getriebenen Markt. Innerhalb weniger Tage sackte der Preis wieder auf unter 2300 Dollar ab.

Bald neue Kakaohöchstpreise

«Dafür gab es keine fundamentalen Nachrichten», sagt Sven Grünewald vom Hamburger Kakaohandelshaus Albrecht & Dill. «Die Blase ist geplatzt.» Grünewald hält kurzfristig eine Korrektur auf 1150 bis 1200 Pfund für möglich. Dagegen erwartet Experte Wolter mittelfristig wieder eine deutliche Gegenbewegung. «Kakao wird für die Fonds ein Thema bleiben», schätzt er. Mit steigender Volatilität gewinne der Kakaomarkt für die Investoren an Reiz. Die Kakaopreise könnten sich damit schon bald wieder zu neuen Höchstwerten aufschwingen. In der vorigen Woche haben sie sich bereits leicht auf 2450 Dollar erholt. Auch Barry-Callebaut-Chef Patrick de Maeseneire rechnet mit «anhaltend hohen Rohstoffpreisen». Langfristig spricht dafür einiges. Denn die Nachfrage nach Schokolade nimmt dank expandierender Konsumwünsche auch in Schwellenländern zu. Ausserdem dürften mittelfristig die Einkaufspreise zule-gen, wenn Bemühungen um eine Verbesserung der wirtschaftlichen Bedingungen der Produzenten in den Ursprungsländern Früchte tragen.

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