DERIVATEMARKT. Die Privatbankengruppe EFG International will ab Dezember den Schweizer Derivatemarkt aufmischen. «Wir wollen einer der führenden Anbieter werden», sagt Jan Schoch, Partner bei der Derivatetochter EFG Financial Products. Genauere Wachstumsziele werden zwar erst Anfang nächsten Jahres formuliert, doch die neu gegründete Tochtergesellschaft beschäftigt bereits heute mehr als 50 Mitarbeitende.

Auch Bear Stearns ist bereits in den Startlöchern. «Im Endeffekt soll ein Team von etwa vier bis fünf Personen aufgebaut werden», sagt Olivier Mathys von Structured Products Sales, der den Aufbau des Schweizer Zertifikategeschäfts bislang noch alleine vorantreibt. Die US-Investmentbank will sich im Rahmen der gesamten europäischen Strategie auf Investmentprodukte konzentrieren. «Die strukturierten Produkte sollen bis spätestens Ende Jahr an der SWX kotiert werden», sagt Olivier Mathys. Längerfristig wolle man auch direkt in der Schweiz vor Ort präsent sein. Weniger in die Karten blicken lässt sich die deutsche Commerzbank, die in der Schweiz weiter wachsen will. «Wir werden deshalb unsere Palette um weitere Schweizer Basiswerte ausweiten», erklärt Product Manager Ralph Stemper. Noch nicht entschieden sei allerdings, ob die Derivate auch an der SWX kotiert werden.

Commerzbank dreht Hahn auf

Doch Daniel Manser, Geschäftsführer Derivative Partners Media, ist überzeugt: «Die Commerzbank wird den Hahn aufdrehen». Er erwartet, dass noch weitere Banken den Markt Schweiz intensiver bearbeiten werden. In der Branche ist derzeit etwa die Rede von der Rabobank. Offiziell wollen die Niederländer nichts von solchen Plänen wissen.«Mit dem Einstieg von neuen Playern wird sich schon etwas tun. Der Wettbewerb ist aber bereits heute hart», sagt Eric Wasescha, Geschäftsführer des Verbandes für Strukturierte Produkte (SVSP). Der Konkurrenzkampf findet vor allem auch über das Abwerben von Fachkräften oder sogar ganzen Derivateteams statt. «Etwas überspitzt formuliert, sind es in der Schweiz immer die gleichen Mitarbeiter, die einfach den Arbeitgeber wechseln», erklärt Wasescha. So hat etwa die Deutsche Bank vor einem Jahr das Derivateteam der Zürcher Kantonalbank (ZKB) übernommen und ist damit fast auf einen Schlag zum Marktführer bei den kotierten Derivaten aufgestiegen (siehe Grafik). Neben der Deutschen Bank sind laut Wasescha auch andere bereits in der Schweiz tätige ausländische Emittenten wie Goldman Sachs oder die Dresdner Bank auf dem Vormarsch. Die niederländische Bank ABN Amro bringt es bei den kotierten Produkten ebenfalls bereits auf einen Marktanteil von knapp 6%. Es sieht derzeit so aus, dass das Geschäft von ABN Amro an die Royal Bank of Scotland (RBS) geht (siehe Text).

Anzeige

Kein Verdrängungskampf

Trotz eines intensiveren Wettbewerbs beobachtet Roger Studer, SVSP-Präsident des Verbandes für Strukturierte Produkte (SVSP) und Leiter Financial Markets der Bank Vontobel, derzeit im Schweizer Derivatemarkt keinen Verdrängungskampf: «Konsolidierung wird erst in gesättigten Märkten ein Thema.» Und noch ist das Marktpotenzial für Derivate gross. Experten rechnen damit, dass der Anteil der strukturierten Produkte an den verwalteten Vermögen von bisher 6,5 auf rund 15% ansteigen wird. «In den nächsten fünf Jahren wird der Markt sicher noch im zweistelligen Prozentbereich wachsen, und davon profitieren alle», so Daniel Manser von Derivative Partners Media. Im Zuge der verschärften Konkurrenz sinken aber vor allem im Massengeschäft mit den Optionen die Margen. Für die Anleger ist die Entwicklung erfreulich: Die Preise sinken.



Derivategeschäft von ABN Amro geht wahrscheinlich an RBS

Das Derivategeschäft der niederländischen Bank ABN Amro könnte von der britischen Royal Bank of Scotland (RBS) übernommen werden, nachdem das Dreiertrio um die RBS den Bieterkampf gewonnen hat. «Ich könnte mir vorstellen, dass RBS am Investment Banking, zu welchem auch unser Derivategeschäft gehört, interessiert ist», sagt Irene Brunner, Leiterin Public Distribution bei ABN Amro. Letztendlich werde sich dies aber erst in den nächsten Wochen entscheiden.

Im Zuge des Besiterwechsels würden die Inhaber der strukturierten Produkte nicht benachteiligt. Das Emittentenrisiko könnte unverändert bleiben oder sinken, weil die RBS und die zwei anderen Banken des Konsortiums mindestens ein so gutes Rating hätten wie ABN Amro. Ein mögliches Interesse an der Derivateeinheit von ABN Amro wollten Konkurrenten wie ZKB, UBS, Credit Suisse oder Goldman Sachs nicht kommentieren. Die Player konzentrieren sich in erster Linie auf organisches Wachstum. Und Siegfried Piel, Geschäftsleitungsmitglied der Bank Sal. Oppenheim jr. & Cie. (Schweiz), ergänzt: «Es wäre irreführend, davon auszugehen, dass es möglich wäre, eine Derivateabteilung ‹solo› zu übernehmen».

Anzeige