PRIVATBANKEN.

Joachim Strähle, Chef der Basler Privatbank Sarasin, hat bestimmt schon darüber nachgedacht: Ein Zusammenschluss mit der Konkurrentin Vontobel würde strategisch Sinn ergeben. Hier der «internationale Private-Banking-Arm» der niederländischen Rabobank, dort die Privatbank Vontobel mit ihrem Fuss im lukrativen Derivategeschäft. «Doch in nächster Zeit dürfte eine Fusion an den Besitzverhältnissen sowie an unterschiedlichen Preisvorstellungen scheitern», sagt Christine Schmid, Analystin bei der Credit Suisse. Zudem seien beide Unternehmen kulturell sehr verschieden.

Eine Fusion ist für die beiden Privatbanken denn auch nicht unbedingt notwendig. «Es gibt auch im Ausland viele Möglichkeiten», sagt Simon Fössmeier, Analyst bei der UBS. Die kotierten Schweizer Privatbanken sieht er nicht als Übernahmekandidaten. Julius Bär, Sarasin, Vontobel und EFG International spielten eher eine aktive Rolle in der Konsolidierung. Am zurückhaltendsten dürfte dabei Julius Bär agieren: «Julius Bär wird eher Kundenberater einkaufen.» Dies gestaltet sich aber nicht immer einfach. Im Private-Banking-Geschäft wird es zunehmend schwierig, qualifizierte Mitarbeiter zu finden und auch zu halten. «Das Gehalt ist ein Hygienefaktor, es muss stimmen und darf nicht massgeblich unter dem der Konkurrenz liegen», meinte etwa Vontobel-CEO Herbert Scheidt jüngst gegenüber der «Handelszeitung».

Abwerben von ganzen Teams

Nicht selten kommt es auch vor, dass ganze Teams den Arbeitgeber wechseln. Für Gesprächstoff in der Branche hat der Wechsel von Beat Wittmann zu Julius Bär gesorgt. Der ehemalige Leiter des Bereichs Investment Products bei Clariden Leu ging per 1. November 2007 zur Konkurrenz und nahm sechs weitere Clariden-Leu-Kollegen mit. Bei Julius Bär steht Wittmann der neu geschaffenen Sparte Investment Products vor. Im Zuge der organisatorischen Änderungen in der Bank wurde auch der frühere Private-Banking-Chef Alex Widmer Mitte November 2007 zum neuen CEO der Bank ernannt. Widmer stiess im Jahr 2005 zu Julius Bär, vorher arbeitete er viele Jahre im Private Banking bei der Credit Suisse. Sein Vorgänger Johannes de Gier hat sich auf das Präsidium der Holding zurückgezogen, zu welcher neben der Bank unter Alex Widmer auch der Asset-Management-Arm unter David Solo gehört. «Vom neuen Management bei Julius Bär darf man viel erwarten», so Simon Fössmeier von der UBS. Einen kleinen Vorgeschmack, was bei Julius Bär künftig noch alles möglich sein kann, zeigt der Blick zurück. In den letzten beiden Jahren konnte der Börsenwert der Privatbank von 5 auf 20 Mrd Fr. gesteigert werden. Allein im vergangenen Jahr hat die Bär-Aktie um knapp 40% zugelegt und damit Sarasin (+37%) leicht geschlagen und die Titel von Vontobel (+6%) und EFG International (+1%) deutlich hinter sich gelassen. Mittlerweile sind die Papiere der Privatbanken an der Börse etwa doppelt so hoch bewertet wie die Grossbanken, deren Aktien vor allem seit Ausbruch der Kreditkrise mit viel grösseren Risiken verbunden sind. Das Private-Banking-Geschäft wird dagegen kaum von der Kreditkrise tangiert. «Eine gut aufgestellte Privatbank, die konservativ operiert, sollte keine Probleme haben», sagte VR-Präsident Raymond Bär kürzlich der «Handelszeitung». Die Krise könne jedoch das Wachstum der Branche negativ beeinflussen. «Vor allem in Amerika, aber auch in Asien und Europa dürfte sie das Wachstumstempo des Sektors bremsen», so Bär.

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Wachstum im Ausland suchen

Auf der anderen Seite dürften die Privatbanken wenig Kapital schlagen aus den Problemen von anderen Banken. Es könne zwar sein, dass diese in einzelnen Fällen von Reputationsschäden betroffener Banken profitierten, so Christine Schmid von der Credit Suisse. Sie erwartet aber höchstens in der Schweiz eine begrenzte Wirkung auf den Neugeldzufluss. Für die Privatbanken, bei denen der grösste Teil des Neugeldzuflusses aus Wachstumsmärkten wie Asien stammt, spielt dies also eine geringe Rolle. Die Wachstumschancen in den Emerging Markets werden auch 2008 locken und die Banken richten ihr Geschäft künftig weiter auf die aufstrebenden Märkte aus. So hat etwa für Sarasin-CEO Joachim Strähle das Wachstum im Ausland oberste Priorität.