Es ist ein Jahr zum Vergessen – das Verdikt ist klar: Die Aktien des Schweizer Lebensversicherers Swiss Life sind sowohl bei den Investoren als auch bei den Finanzanalysten in Ungnade gefallen. Im Bloomberg Europe 500 Insurance Index bilden die Dividendenpapiere mit einem Kursverlust von gut 72% seit Jahresbeginn das Schlusslicht.

Ebenso eindeutig ist die Meinung der von Bloomberg befragten Analysten: Zehn empfehlen, die Wertpapiere zu halten, sieben raten zum Verkauf, und niemand sieht in der historisch tiefen Bewertung ein Schnäppchen.

Der Investorentag vom Dienstag vermochte die Finanzgemeinde noch nicht zu überzeugen. Zu wenig Neues wusste Swiss Life zu vermelden. Nach den Hiobsbotschaften vom 12. November 2008 – Gewinnwarnung und Einstellung des Aktienrückkaufprogramms wegen einer auf 135% abgesackten Solvabilitätsgrenze – hat die Konzernleitung ihre neue strategische und finanzielle Ausrichtung noch nicht kommuniziert. Anleger und Analysten werden auf den März 2009 vertröstet. Klar ist, dass Swiss Life ihre ursprünglichen Zielsetzungen über Bord geworfen hat: Einen Gewinn von 1,8 bis 1,9 Mrd Fr. für dieses Jahr, einen Gewinn pro Aktie von 24 Fr. für 2009, ab 2010 ein jährliches Gewinnwachstum von 12% und eine Eigenkapitalrendite von 12%.

Frage nach dem Eigenkapital

Die erste Botschaft des Investorentags betrifft die Liquiditätssituation. Sie sei «komfortabel», hält Swiss Life wie bereits im November fest. Der mittelfristige Refinanzierungsbedarf sei gesichert. Das Unternehmen habe Massnahmen ergriffen und die Risiken in der Bilanz markant reduziert.

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Marc Effgen, Analyst beim Broker Helvea, teilt diese Einschätzung nicht ganz. Er zeigt sich skeptisch. Der Grund: «In den letzten vier Monaten hat die Kapitalausstattung von Swiss Life stark gelitten und wurde künstlich erhöht durch buchhalterische Umbuchungen.»

Dass die Situation für die Versicherungsbranche äusserst schwierig bleibt, wird durch Aussagen von Monica Mächler, der Direktorin des Bundesamts für Privatversicherungen, in den Sonntagsmedien untermauert. Diese Finanzkrise werde nicht ohne Folgen an der Versicherungsindustrie vorbeigehen. Mächler erwartet, dass der Bedarf an Eigenkapital in der Branche «sehr deutlich» steigen wird. Georg Marti, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank, weist darauf hin, dass angesichts des nur geringen Eigenkapitalpuffers die Risiken beim Lebensversicherer weiterhin dominieren.

Eine zweite, zentrale Botschaft des Investorentags betrifft die von den Investoren sanktionierte Übernahme des Finanzdienstleisters AWD. Bis 2012 soll die deutsche Tochter den Umsatz auf 1 Mrd Euro und den Ebit auf 130 Mio Euro steigern können (siehe auch Seite 3). Nach wie vor unbeantwortet bleibt die Frage nach der Beteiligung am deutschen Finanzdienstleister MLP, die mittlerweile als einer der Hauptgründe für den Kurssturz der Aktien angesehen wird.

Jetzt braucht es positive Fakten

Die Bank Wegelin zeigt sich in ihrem Kommentar zurückhaltend: «Die Swiss-Life-Investoren werden sich wohl von den Planspielen kaum positiv beeindrucken lassen.» Die Unsicherheiten über die Entwicklung des Gesamtmarktes dürften überwiegen und damit die Ängste, dass Prognosen Makulatur bleiben. Was es jetzt braucht, und darin sind sich Investoren wie Analysten einig, sind harte positive Fakten, die einzig das Vertrauen zurückgewinnen können.