BANKEN. Ihrem Ruf als wenig aufregende, dafür robuste Anlagen konnten die Kantonalbankwerte seit dem Sommer kaum noch gerecht werden: Die Aktionäre der kotierten Staatsinstitute dürften sich nämlich heftig über den um sich greifenden Kurszerfall aufgeregt haben.

Besonders die einstigen Überflieger Banque Cantonale Vaudoise (BCV) und die St.Galler Kantonalbank (SGKB) erschrecken mit happigen Abgaben. Seit Anfang Juni verloren etwa die BCV-Valoren 17%, die SGKB gar über 19% ihres Börsenwerts. Auch die Basler, Genfer, Graubündner, Zuger und Luzerner Kantonalbanken liegen deutlich im Minus. Knapp im Plus halten konnte sich einzig die Berner Kantonalbank (BEKB) mit 0,4%. Positiv schneiden auch die Institute der Kantone Baselland, Jura und Wallis ab. Die Kursverluste erstaunen, haben doch alle Kantonsinstitute beteuert, weder direkt noch indirekt in die Subprime-Krise involviert zu sein. Entsprechend ratlos stehen die Staatsbanken dem Kurszerfall gegenüber. Bei der St. Galler Kantonalbank wird der Kursverlust vorab als Korrektur zu den hohen Zugewinnen der Vorjahre interpretiert; insbesondere nach der Nennwertrückzahlung im August sei es wohl zu vermehrten Gewinnmitnahmen gekommen, vermutet man in St. Gallen.

«Ungerechtfertigte Einbussen»

Derweilen führt Andreas Venditti, Aktienanalyst bei der Zürcher Kantonalbank, die Abgaben vorab auf die unsichere Börsenlage zurück. «Das Ausmass der Kurseinbussen ist aber ungerechtfertigt», sagt Venditti. Er empfiehlt sowohl die SGKB als auch die BCV weiterhin zum «Übergewichten». Allerdings ist weiterhin unklar, wann die Wende zum Besseren einsetzen soll. Denn dazu müssten die Kantonalbanken die Fantasie der Aktieninvestoren anregen. Und das ist nicht so einfach: Die Erträge sind solide, die Wachstumsraten der Vergangenheit dürften jedoch schwierig zu wiederholen sein. Da ist einerseits das Zinsengeschäft, das wegen der starken Konkurrenz im Hypothekenbereich unter Margenschwund leidet. Ziehen ausserdem die Leitzinsen weiter an, dürften hier die Ausfälle zunehmen, während die Refinanzierung der Kredite teurer wird.

Volatiles zweites Standbein

Die Staatsinstitute suchen deshalb ihr indifferentes Geschäft ? etwa Kommissionen, Handel, Dienstleistungen – heraufzufahren. Weit fortgeschritten ist die SGKB mit ihrem starken Privatebanking und einem Beitrag von 40% des indifferenten Geschäfts zum Gesamtertrag. 38% trägt dieses zum Ertrag der BEKB bei, 37% bei der Luzerner, rund 33% bzw. 29% bei der Zuger und Basler KB. Das lässt hoffen, erweist sich doch auch bei der UBS das Wealth Management als jenes Geschäft, das hohe Gewinne einbringt (siehe Kasten). Allerdings weist das indifferente Geschäft zwar gute Margen auf, ist aber auch volatil – die Börsenkorrekturen dürften noch Spuren hinterlassen. Bleibt die gute Dividenrendite: Sie scheint gesichert, sind doch die Kantonsinstitute auch weiterhin bestens kapitalisiert.

Die Erholung der UBS-Aktie war nur von kurzer Dauer: Nach ersten Gewinnen drehte der Kurs in den letzten Tagen wieder ins Minus. 2007 müssen die Aktionäre der Schweizer Grossbank bislang einen Buchverlust von 32% verschmerzen. Auch die Inves-toren der Credit Suisse haben wenig Grund zum Lachen. Hier betragen die Kurseinbussen knapp 24%.

Während sich die Credit Suisse aber bisher einigermassen aus der Kreditmarktkrise heraushalten konnte, wollen die Schlagzeilen über ihre im Subprime-Sumpf gestrauchelte Konkurrentin nicht abreissen: So sehen die Analysten der Londoner CreditSights weitere 9 Mrd Dollar an Abschreibungen auf die UBS zukommen. Eine Schätzung, welche das Institut postwendend bestritten hat. Im jetzigen Umfeld verhallte aber die Verteidigung weitgehend ungehört, werden doch auch bei den US-Investmentbanken noch einmal hohe Abschreiber erwartet. In der Folge wurde die UBS-Aktie in den letzten Tagen erneut herabgestuft. Ungeachtet des geschrumpften Potenzials darf die UBS mit einem Börsenwert von rund 110 Mrd Fr. immer noch als stabil betrachtet werden – genauso wie die Credit Suisse. Mit einer tier-one-ratio von rund 12 verfügen sie beide gegenüber anderen europäischen Banken (tier-one-ratio 7) über starke Bilanzen. Bei der UBS läuft zudem das Wealth Management auf Hochtouren, und im Investmentbanking behält die Bank in Asien die Nase vorn.

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