Gut drei Wochen vor der UBS und der Credit Suisse berichten die ersten US-Grossbanken über ihre Ergebnisse. Citigroup hat die Anleger bereits mit deutlich schlechter als erwarteten Zahlen erschreckt, und auch J.P.Morgan sorgte für gedrückte Stimmung.

Gerade J.P.Morgan gilt dabei als guter Vergleichsmassstab - einerseits ist sie im Investment Banking stark aufgestellt und zählt zu den in der Krise relativ gut «davongekommenen» Spitzeninstituten. Und für die Kombination globaler Investment-plus-Kredit-plus-Retailbank ist J.P.Morgan auch für die beiden Schweizer Grossbanken ein Vergleichswert.

Ein Prozent in zehn Jahren

Tatsächlich hatte der 4. Quartalsgewinn von J.P.Morgan auf den ersten Blick mit 74 Cents pro Aktie überzeugt der Analystenkonsens war von 61 Cents ausgegangen. Bei näherer Betrachtung zeigte sich aber, dass das Zugpferd «Fixed Income» lahmt. Anleger hatten hier mit einem Minus von 15 bis 30% gerechnet, jetzt meldete J.P.Morgan einen Rückgang von 45%. «Das ist kein gutes Vorzeichen für ande- re Banken», kommentierte Citi-group-Analyst Ryan O’Connell. Die Ergebnisse seien enttäuschend, findet auch Matt O’Connor von der Deutschen Bank.

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«Der Ausblick zählt - auch in Hinblick auf die anderen Banken», meint Goldman-Sachs-Analyst Richard Ramsden. In diesen Tagen werden die Modelle und Kalkulationen auch für die beiden Schweizer Grossbanken verfeinert. Für Langfristaktionäre ist die Rechnung so oder so ernüchternd: In den letzten zehn Jahren wurde mit europäischen Bankaktien eine Bruttorendite von 1% erzielt.

Wichtigste Grundlage für die jetzt vorgenommenen Schätzungen sind die Statistiken von Dealogic, einer auf das Investment Banking spezialisierten Marktforschungsfirma. Die jüngste Erhebung weist für J.P.Morgan einen Rückgang um 6% aus. Die Bank of America und Goldman Sachs konnten hingegen ihre Erträge aus dem Investment Banking um 58% im Vorjahresvergleich steigern, Credit Suisse kommt noch auf ein Plus von 20%, und die Deutsche Bank auf eines von 7%. Noch schlechter als J.P.Morgan hat nur die UBS abgeschnitten.

Geldabflüsse setzen sich fort

Allerdings sind diese Hochrechnungen immer auch mit Unsicherheiten befrachtet - J.P.Morgan etwa zählt die UBS bezüglich der Umsatzentwicklung beim Investment Banking im 4. Quartal zu den besten Werten. Ein zweiter Faktor, der jetzt in die Schätzungen einfliesst, sind die möglichen Strafgelder, welche auch UBS und Credit Suisse für den «Tarp»-Rettungsfonds entrichten müssen, weil beide in den USA nennenswerte Geschäftsbereiche unterhalten.

Diese Gebühr berechnet sich auf der Basis der in den USA domizilierten Bilanzpositionen und liegt laut den Schätzungen der Analysten von Goldman Sachs zwischen 250 und 380 Mio Dollar. Der Gewinn per 2011 würde pro Aktie um 4 bis 6% schrumpfen. «Der Bertrag erscheint uns handhabbar», entwarnen die Analysten, «zumal es noch viele Möglichkeiten gibt, diese Gebühr zu senken.» Der dritte Faktor bei den kommenden Ergebnissen dürften laut den Analysten die Mittelzu- bzw. -abflüsse in der Vermögensverwaltung sein.

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Hier sind die Schweizer Banken aufgrund ihrer besonderen Position nicht mit den US-Instituten oder ihren europäischen Konkurrenten vergleichbar. Anhaltspunkte kommen aus der Monatsstatistik der Schweizerischen Nationalbank, die für den Oktober keine nennenswerten Mittelabflüsse aus der Schweiz ausweist. Die Analysten von Morgan Stanley rechnen jetzt dennoch mit einem Abfluss von je 3 bis 7 Mrd Fr. bei Credit Suisse und UBS aufgrund der italienischen Steueramnestie. Das ist zwar lediglich maximal 1% der gesamthaft verwalteten Gelder, aber bei der UBS dürften aufgrund des Vertrauensverlustes von US-Anlegern noch weitere Abflüsse hinzukommen und sich so auf eine Summe von 20 Mrd Fr. läppern. Die Credit Suisse bleibt trotzdem einer der Branchenfavoriten vieler Analysten - auch wenn jetzt, wie bei der Société Générale, die Erträge der Investmentbanksparte noch einmal genauer angeschaut werden sollen. Hier rechnen die Analysten mit einem Jahresgewinn von 7,46 Mrd Fr., entsprechend 6.38 Fr. pro Aktie. Ähnlich fallen die Schätzungen der Bank Vontobel aus, welche die Credit Suisse auf «Kaufen» hochgestuft und das Kursziel leicht auf 68 Fr. erhöht hat (aktuell 51 Fr.).

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UBS mit schwarzer Null?

Für die UBS schwanken die Schätzungen der Analysten bezüglich des Gewinns um den Nullpunkt. Bei J.P.Morgan beispielsweise rechnet man mit einem Jahresverlust von 12 Rp. pro Aktie und einem nachhaltigen Gewinn per 2010. Einigkeit besteht lediglich in einem Punkt: Eine grosszügige Aufstockung der Dividenden liegt weder bei J.P.Morgan noch bei den wichtigsten Konkurrenten drin - trotz der teilweise vollen Boni-Töpfe wird also kein Geld an die Aktionäre ausgeschüttet.